Beteiligung von 10 bis 15 Prozent ist vom Tisch
Kirch-Gruppe legt Einstieg bei EM.TV vorerst auf Eis

Die Kirch-Gruppe hat ihren geplanten Einstieg bei dem Medienunternehmen EM.TV & Merchandising AG wegen Bedenken des Bundeskartellamtes vorerst auf Eis gelegt. "Über das Ob und Wie des Einstiegs werden wir zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, er ist derzeit aber nicht konkret vorgesehen", sagte ein Kirch-Sprecher. Die Gruppe habe den entsprechenden Antrag beim Bundeskartellamt zurückgezogen. Kirch und EM.TV verhandelten aber weiter über die vollständige Übernahme des Joint Ventures Junior TV durch den Rechtehändler.

Reuters MÜNCHEN. "Wir sprechen weiter darüber, zu welchen Konditionen das geschehen kann", sagte der Kirch-Sprecher. EM.TV-Vorstandschef Werner Klatten erklärte, Kirch bleibe ein wichtiger Partner.

Am Neuen Markt fielen die EM.TV-Aktien, die seit Mitte vergangenen Jahres um mehr als 95 Prozent eingebrochen sind, am Dienstagnachmittag knapp elf Prozent auf 2,54 Euro.

Die Kirch-Gruppe und EM.TV hatten sich erst im Frühjahr nach monatelangen Verhandlungen auf die Bedingungen eines Einstiegs geeinigt. Demnach wollte Kirch 16,74 der Anteile von EM.TV und 25,1 Prozent der Stimmrechte übernehmen. Dafür sollte EM.TV die Kinder- und Jugendfilmbibliothek Junior TV, bisher ein Gemeinschaftsunternehmen von Kirch und EM.TV, vollständig erhalten. Das Bundeskartellamt hatte allerdings Bedenken gegen den geplanten Einstieg geäußert, weil EM.TV 45 Prozent an der Tele München Gruppe (TMG) hält, die nach der Kirch-Gruppe Deutschlands zweitgrößter Filmrechtehändler ist. Einen Verkauf der Anteile hatte TMG-Chef Herbert Kloiber jedoch blockiert.

Der Rückzug des Antrags beim Bundeskartellamt sei im Einvernehmen mit EM.TV geschehen, teilte das tief in die rote Zahlen gerutschte Unternehmen mit. "Damit ist die kartellrechtliche Blockade, die dem Unternehmen in den letzten Monaten Schaden zugefügt hat, aufgehoben", erklärte EM.TV. Eine Sprecherin des Unternehmens sagte, EM.TV strebe weiter die Übernahme der restlichen 50 Prozent an Junior TV an. Wie das geschehen könnte, sei aber Gegenstand laufender Verhandlungen. Auch Kirch ist nach Angaben des Sprechers weiterhin der Auffassung, dass die vollständige Kontrolle über Junior TV für eine Stärkung des Kerngeschäftes von EM.TV wichtig sei.

Aus unternehmensnahen Kreisen verlautete weiter, dass mit der vorläufigen Absage des Einstiegs auch das vereinbarte Mandat der Kirch-Gruppe im Aufsichtsrat von EM.TV hinfällig werde.

Branchenkenner hatten schon im Juli spekuliert, dass Kirch wegen der Bedenken des Bundeskartellamtes auf einen Einstieg verzichten würde. Der neue EM.TV-Chef Klatten, Nachfolger des im Juli zurückgetretenen Firmengründers Thomas Haffa, hatte aber gesagt, Kirch werde voraussichtlich mit einem geringeren Anteil einsteigen. Der Sprecher des Medienkonzerns von Unternehmen Leo Kirch sagte am Dienstag, ein Einstieg könnte durchaus zu einem späteren Zeitpunkt wieder ein Thema werden.

Kirch hatte EM.TV im Frühjahr vor allem mit dem Kauf von knapp 25 Prozent an der Formel-Eins-Holding SLEC für 550 Millionen Dollar finanziell unter die Arme gegriffen und damit aus ernsten Schwierigkeiten gerettet. Das Unternehmen von Thomas Haffa war durch überteuerte Übernahmen in die Krise geraten und hatte wegen Firmenwertabschreibungen im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,6 Milliarden DM verbucht. Die Beteiligung an der Formel Eins ist für Kirch vor allem wegen der Fernsehrechte an dem populären Sportereignis interessant.

Der Rückzieher von Kirch komme nicht überraschend, sagte HypoVereinsbank-Analyst Friedrich Schellmoser. Die Kirch-Gruppe habe mit der Formel Eins das bekommen, was sie gewollt habe. Auch für EM.TV sei diese Entwicklung eigentlich positiv. "Ich glaube, dass EM.TV so besser dran ist, weil das Unternehmen unabhängig am Markt auftreten kann", sagte er. Er empfiehlt jedoch weiter, die Aktien des Münchener Unternehmens zu verkaufen.

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