Beteiligungsgesellschaft Blackstone zahlt eine Milliarde Euro
Deutsche Bank verkauft Immobilien

Die Deutsche Bank konzentriert sich weiter auf ihr Kerngeschäft: Sie trennt sich von einem milliardenschweren Immobilienpaket. Käufer ist die US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone.

Durch das Geschäft setzt Deutschlands größtes Kreditinstitut Eigenkapital frei, muss allerdings einen Buchverlust hinnehmen. Nach Angaben der Bank vom Montag zahlt Blackstone 1,04 Mrd. Euro für die Gebäude, die sie derzeit größtenteils selbst nutzt. Der überwiegende Teil der Transaktion wird nach dem Sale & lease-backVerfahren abgewickelt, das heißt, die Bank mietet die Objekte von Blackstone zurück.

Die Deutsche Bank spart damit Kosten - vor allem weil die Immobilien nicht mehr in den Bilanzen des Bankhauses auftauchen und deshalb weniger Kapital gebunden wird. Dabei realisiert die Bank allerdings einen Verlust. "Der Buchverlust liegt bei rund 100 Mill. Euro", sagte ein Bank-Sprecher am Montag. Man glaube, dass der Verkaufszeitpunkt der richtige sei. Ein weiterer Rückgang der Immobilienpreise sei nicht auszuschließen.

Der Verkauf an die Amerikaner soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Das Paket umfasst nach Angaben der Bank 51 Büro- und Bankgebäude in neun Ländern mit einer vermietbaren Gesamtfläche von 490.000 Quadratmetern. Rund zwei Drittel der Immobilien, darunter auch Filialen der Deutschen Bank, befänden sich in deutschen Großstädten, der Rest in Metropolen wie Barcelona, Brüssel, Mailand und Lissabon. Die in New York ansässige Blackstone Group hat bisher in Immobilienfonds im Wert von zusammengerechnet 16 Mrd. Dollar (13,6 Mrd. Euro) investiert.

Die 1984 erbauten Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt zählen nicht zu den Verkaufsobjekten, sie gehören einem geschlossenen Immobilienfonds. Im Februar 2003 hatte das Geldinstitut bereits zwei Gebäude in London und eine Immobilienbeteiligung verkauft. Mit der Bewirtschaftung von Bürogebäuden wurde Ende 2002 ein externer Dienstleister beauftragt.

Weitere Verkäufe

Mit dem jüngsten Deal ist die Verkaufswelle nicht abgeschlossen: "Wir prüfen weiter Möglichkeiten, das verbleibende Immobilien-Portfolio abzubauen", teilte die Bank mit. Nach Angaben des Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Josef Ackermann, erzielt das Kreditinstitut mit Beteiligungen und Immobilien eine negative Rendite von 5 %. In dem Bereich seien 20 % des Eigenkapitals gebunden.

Ackermann hat seit seinem Amtsantritt im Mai 2002 bereits Industriebeteiligungen und Randaktivitäten im Wert von mehr als 8 Mrd. Euro verkauft. So veräußerte die Bank ihren Anteil an der Münchener Rückversicherung, an der Versicherung Deutscher Herold, aber auch Industriebeteiligungen, etwa die am Automobilzulieferer Continental.

Zu den noch verbliebenen großen Anteilspaketen zählen knapp 12 % am Autokonzern DaimlerChrysler, etwa 2,5 % am Versicherungsriesen Allianz und 10 % am Wiesbadener Industriegase- und Gabelstaplerspezialisten Linde. Mittelfristig stehen auch diese Beteiligungen zur Disposition.

Große Geschäftsbereiche ausgegliedert

In den vergangenen Monaten wurden außerdem große Geschäftsbereiche ausgegliedert - darunter auch der Zahlungsverkehr, den die Postbank künftig für die Deutsche Bank abwickeln wird. Die Rechenzentren in Kontinentaleuropa hatte im Frühjahr schon IBM übernommen. Konzernvorstand HermannJosef Lamberti treibt das Outsourcing weiter voran. Noch vor Jahresende soll der gesamte Einkauf abgegeben werden, voraussichtlich an den IT-Dienstleister Accenture.

Der jüngste Deal der Deutschen Bank untermauert den Trend der deutschen Finanzindustrie, sich aus Randaktivitäten zurückzuziehen. So haben neben der Deutschen Bank auch etwa die Allianz und die Hypo-Vereinsbank große Teile ihrer Beteiligungen abgestoßen, um sich stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren zu können.

Analysten bewerteten den Immobilienverkauf der Deutschen Bank als konsequenten Schritt in die richtige Richtung. "Damit nutzt die Bank ihr Eigenkapital besser aus, sie kann es anders investieren, da es nicht mehr in den Immobilien gebunden ist", sagte Metehan Sen von Sal. Oppenheim. Die Aktie der Deutschen Bank legte gestern um mehr als 2 % zu.

Weg mit den Gebäuden

Vom Eigentümer zum Mieter: Der Trend, sich von Immobilien zu trennen, geht quer durch alle Branchen. Das Sale & lease- back-Verfahren ist dabei ein probates Mittel: Der Eigentümer verkauft seine Gebäude, nutzt sie aber weiter. Er wird Mieter. Das Verfahren bringt schnelle Liquidität. Meist kann das Unternehmen das Geld in seinem Kerngeschäft besser nutzen.

Prominente Fälle: Die Deutsche Telekom verkaufte vor zwei Jahren Immobilien im Wert von 562 Mill. Euro und ließ sie anschließend von ihrer Immobilientochter zurückleasen. Hartnäckig halten sich Gerüchte, der Energieriese RWE wolle seine Konzernzentrale, den RWE-Tower (Foto) in Essen, verkaufen und zurückmieten. RWE kommentiert die Gerüchte nicht.

Rückzieher: Einer der größten Immobilien-Deals ist gescheitert. Bereits 1999 gliederte der Handelskonzern Metro seine Gebäude an eine Tochtergesellschaft aus, um sie zu verkaufen. Vor einigen Wochen trat die Metro den Rückzug an: Der angestrebte Verkaufserlös von bis zu 3 Mrd. Euro ließ sich nicht realisieren. Die Metro behält ihre Häuser.

Geldnot: Oft ist es die pure Geldnot, die den Verkauf der Immobilien ratsam erscheinen lässt. So manche klamme Kommune hat sich schon mit einem Immobilien-Deal über die Runden gerettet.

Quelle: Handelsblatt Nr. 227 vom 25.11.03, Seite 1

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