Beteiligungsgesellschaft überprüft alle Ergebnispositionen
Ehlerdings Finanzkrise schadet WCM

Die Turbulenzen um ihren finanziell schwer angeschlagenen Großaktionär Karl Ehlerding bringen die Frankfurter Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft WCM erheblich unter Druck. Ehlerding kontrolliert bislang 46 % der WCM-Aktien, wird aber nach Informationen des Handelsblatts einen Großteil davon an seine Gläubigerbanken abtreten und sich mit einem Anteil von 10 % begnügen müssen.

hz/lip/mm FRANKFURT. Das Verhältnis zum Großaktionär sei nach wie vor ungetrübt, sagt WCM-Vorstandschef Roland Flach. "Allerdings ist die Diskussion über die finanzielle Situation von Herrn Ehlerding für WCM extrem schädigend", räumt der Manager ein. "Viele Investoren vermuten, wenn der Großaktionär Schwierigkeiten hat, dann muss auch bei der Aktiengesellschaft etwas nicht stimmen."

Mehrere Analysten gehen mittlerweile davon aus, dass WCM um eine Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr nicht herumkommen wird und die Prognose für das Vorsteuerergebnis von 150 Mill. Euro korrigieren muss. So rechnet Stefan Scharff von Concord Effekten nur noch mit einem Gewinn vor Steuern von 65 Mill. Euro. "Wir überprüfen derzeit alle Positionen. Natürlich sind wir angesichts der gegenwärtigen Börsenschwäche sehr viel vorsichtiger geworden", kommentiert Flach die Spekulationen. Und er fügt hinzu: "Liquidität ist im Moment noch wichtiger als Ergebnis."

WCM hat gerade über die Tochter RSE einen Großteil der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gehag verkauft. "Damit haben wir uns zusätzliche wesentliche Liquidität für unterschiedliche Gegebenheiten und auch als Risikovorsorge gesichert", erläutert Flach.

Über die Frankfurter WCM hatte Firmenjäger Ehlerding einen Großteil seiner oft spektakulären Übernahmeangriffe gestartet. Müsste sich der Hamburger Großinvestor wirklich zurückziehen, würde die Gesellschaft ihren wichtigsten strategischen Impulsgeber verlieren.

Der Grund für Ehlerdings private finanzielle Schieflage ist offenbar vor allem sein fehl geschlagenes Engagement bei der Commerzbank. Die erhoffte Fusion mit einem anderen Institut kam nie zu Stande. In den vergangenen zwölf Monaten verloren die Commerzbank-Anteile rund zwei Drittel an Wert. Einen Teil seiner Bankaktien hatte Ehlerding über Kredite finanziert, die er mit WCM-Anteilen besicherte. Als der Kurs der Beteiligungsgesellschaft nach Spekulationen über falsche Bewertungen in der Bilanz massiv unter Druck geriet, begannen einige Banken, die Sicherheiten zu verwerten und WCM-Aktien auf den Markt zu werfen.

WCM ist seit Anfang der 90er-Jahre als Beteiligungs- und Immobilienkonzern aktiv. So kaufte und verkaufte der Konzern unter anderem erfolgreich Anteile am Versicherungsunternehmen Württembergische AG, der Spar Handels AG oder den Klöckner-Werken. WCM ist derzeit selbst mit 6 % an der Commerzbank beteiligt. Auch diese Anteile wurden zum Teil über Kredite finanziert. Abschreibungsbedarf sieht Flach auf Grund des Kursverfalls aber nicht: "Die Papiere stehen im Anlagevermögen, werden deshalb zum Anschaffungspreis bilanziert, und wir sind der festen Überzeugung, dass die Kurse wieder anziehen".

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