Betreiber geht von einigen Tagen Pause aus
Atomkraftwerk Philippsburg wird vom Netz genommen

Das Atomkraftwerk Philippsburg 2 in Baden-Württemberg wird abgeschaltet. Das gab das Bundesumweltministerium am Sonntag in Berlin bekannt. Die Entscheidung habe der Betreiber EnBW nach Gesprächen mit dem Bundesumweltministerium und dem Umweltministerium in Stuttgart getroffen. Der Schritt sei "die richtige und unvermeidliche Konsequenz aus der Tatsache, dass die Atomaufsicht erhebliche Mängel im Sicherheitsmanagement der Anlage festgestellt hat", betonte der Grünen-Politiker.

dpa/rtr/ddp-vwd/afp BERLIN. Ein meldepflichtiger Vorgang im August wurde verspätet angezeigt. Zwei Wochen lang hatten wichtige Sicherheitseinrichtungen nicht funktioniert.

Baden-Württembergs Umweltminister Ulrich Müller (CDU) äußerte am Sonntag in Stuttgart zugleich "ernsthafte Zweifel an einer hinreichend zuverlässigen Betriebsführung der Anlage". Bei EnBW hieß es, es handele sich um eine freiwillige Abschaltung des 1 400-Megawatt-Blocks von voraussichtlich einigen Tagen. Für den Konzern bedeute dies den Ausfall eines "deutlich zweistelligen Millionenbetrages".

Bereits am Samstag hatte Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) nach einer Unterredung mit Müller kritisiert, die Anlage der EnBW sei im August betrieben worden, obwohl wichtige Sicherheitsvorkehrungen nicht getroffen worden waren. Für Sonntagmittag war eine Unterredung von EnBW-Vertretern mit Trittins Staatssekretär anberaumt.

Laut Bundesumweltministerium war am 25. August im Block 2 der Anlage festgestellt worden, dass in einem der vier Flutbehälterpaare nach dem 12. August die vorgeschriebene Borsäure-Konzentration nicht vorlag. Zwei Tage später erkannten die Betreiber den gleichen Mangel in zwei weiteren Behältern. Erst am 28. August sei die vorgeschriebene Konzentration wieder in allen Behältern erreicht worden. Die Flutbehälter werden benötigt, um bei Leckstörfällen den Primärkühlkreislauf des Reaktors aufzufüllen. Dies sei eine entscheidende Voraussetzung für die Funktionstüchtigkeit dieser Sicherheitseinrichtung, kritisierte das Berliner Ministerium.

Müller betonte, nach jetzigem Stand müsse sein Ministerium davon ausgehen, dass der Betreiber zumindest für einen Zeitraum von ein bis zwei Tagen "selbst keine zuverlässige Klarheit darüber hatte, ob die Sicherheitssysteme der Anlage voll funktionstüchtig waren". Dennoch sei diese weiterbetrieben worden, obwohl "ein sicherheitsgerichtetes Verhalten die sofortige Abschaltung erfordert hätte".

Das Stuttgarter Umweltressort zeigte sich mit dem Bundesumweltministerium "in der Beurteilung des Falles und der erforderlichen Maßnahmen" zur Vermeidung ähnlicher Vorkommnisse "weitgehend einig". Das AKW Philippsburg 2 sei "im jetzigen Betriebszustand in Ordnung". Mit den nun zu treffenden Maßnahmen müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, "die die Zuverlässigkeit des verantwortlichen Betriebspersonals wieder gewährleisten".

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