Betreiberunternehmen zahlen knapp 450 Millionen Mark mehr als bisher erwartet
Automaten-Umstellung auf Euro wird teurer

Für die Aufsteller von Automaten erweist sich die Umstellung der Geräte auf den Euro nicht nur als komplizierter und damit teurer als bisher angenommen. Die Branche kann auch nicht garantieren, ob die Münzprüfer im kommenden Frühjahr hundertprozentig funktionieren werden.

HB DÜSSELDORF. Die Aufsteller und Betreiber der rund 2,4 Millionen Münzautomaten in Deutschland werden knapp 450 Mill. DM mehr für die Umstellung auf den Euro ausgeben müssen als ursprünglich erwartet. Das hat eine Umfrage des Handelsblatts ergeben. Nach bisherigen Schätzungen des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie (VDAI) hätten die Kosten für die Umrüstung bei rund 1,1 Mrd. DM gelegen. Doch nun revidieren die Automatenbetreiber ihre früheren Prognosen.

Die Betreiber der Automaten benötigen neue Euro-Preisschilder, erneuern elektronische Bauteile zur Automatensteuerung und müssen neue Software für die Münzprüfer in den Geräten installieren. Den Löwenanteil der Kosten bringen dabei die Betreiber der Zigaretten-, Verpflegungs- und Unterhaltungsautomaten auf. Sie zahlen laut bisheriger VDAI-Schätzung jeweils 500 Mill., 250 Mill. und 150 Mill. DM.

Der Verband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller rechnet neuen Schätzungen zufolge aber mit Materialkosten bis zu 750 Mill. DM. Die Betreiber der Verpflegungsautomaten werden annähernd 150 Mill. DM mehr zahlen. Auch für die Spielautomaten müssen nochmals 50 Mill. DM investiert werden.

Mit einem Handgriff ist es nicht getan

Der Grund: Sämtliche Unternehmen stellten in den vorigen Monaten fest, dass die technische Umstellung komplizierter ist als ursprünglich gedacht. Zigarettenautomaten etwa müssen für aufwendige Lötarbeiten in die Werkstätten externer Firmen gebracht werden. In der Zwischenzeit müssen sich die Betreiber ein Kontingent neuer Geräte zulegen, um die alten während der Umrüstungsarbeiten zu ersetzen.

Bei vielen Modellen der Verpflegungsautomaten lohnt sich dieser Aufwand erst gar nicht. "Die Betreiber haben im Laufe der vergangenen Monate etwa drei Viertel ihrer 3 300 Münzautomaten komplett erneuert", sagt Norbert Monßen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Verpflegungs- und Vending-Unternehmen (BDV). Neuere Modelle können sowohl die Euro- als auch die DM-Münzen erkennen. Auf diese Weise müssen die Betreiber ab dem 1. Januar nicht jeden Automat auf Euro umstellen. Doch steigen die Materialkosten dadurch auf bis zu 400 Mill. DM.

Auch die Betreiber der Unterhaltungsautomaten müssen nun rund 200 Mill. DM investieren, weil die Automaten schwer oder gar nicht umzubauen sind. Kostspieliger ist für sie noch ein anderes Problem: Künftig wird pro Spiel 20 Eurocents verlangt - die entsprechen etwa 39 Pfennigen. Bisher kostete ein Spiel jedoch 40 Pfennige. "Das ergibt für die Branche einen Verlust von zwei Prozent, bei einem Umsatz von rund 6 Mrd. DM jährlich", sagt Harro Bunke vom Bundesverband Automatenunternehmer. Daran ist auch nichts zu ändern, denn der Preis pro Spiel ist per Gesetz geregelt.

Unabhängig von ihrer Branche können die Betreiber derzeit nicht sagen, ob die Münzprüfer in den Automaten im nächsten Jahr hundertprozentig funktionieren. Denn die Maße der Euromünzen können unterschiedlich ausfallen, da jedes EU-Land nationale Motive auf jeweils eine Seite der Münzen prägt. Zwar können Hersteller und Betreiber ausländische Euromünzen zu Testzwecken ausleihen und die Münzprüfer entsprechend einrichten. "Dennoch werden wir nächstes Jahr große Probleme nach den Osterferien bekommen", sagt Matthias Wieland, Sprecher der Gauselmann AG, die Unterhaltungsautomaten herstellt und betreibt: Rückkehrer aus dem Urlaub könnten in Deutschland vergeblich ihre ausländischen Münzen in die Automaten werfen, weil das Softwareprogramm sie nicht erkennen kann. Auch die Abnutzung der Münzen könnten dazu führen. Die Betreiber müssten die Münzprüfer dann wieder jeweils neu einstellen.

Problematisch für alle Betreiber ist zudem, dass ihre Kunden künftig mehr Münzen mit sich herumschleppen müssen, um etwa eine Packung Zigaretten zu ziehen. Denn ein Äquivalent zur 5 DM Münze wird es kommendes Jahr nicht geben. 2 Euro, etwa 4 DM, sind der höchste Wert bei den Euro-Münzen. "Das wirkt sich negativ auf unsere Personal- und Wartungskosten aus", sagt Harro Bunke vom Bundesverband Automatenunternehmer: Je mehr Kleingeld der Verbraucher in die Automaten steckt, um an die Ware zu kommen, desto häufiger müssten diese geleert werden.

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