Betrieb einer Praxis quasi risikolos
So viel verdient Ihr Arzt wirklich

Die Patienten stöhnen über hohe Krankenkassen-Beiträge. Auch die Ärzte jammern. Doch neue Zahlen zeigen: Sie sind die eigentlichen Gewinner der Gesundheitsreform. Im Unternehmen Arztpraxis läuft es gut.

FRANKFURT. Seit Jahren hört man aus Arztpraxen vorzugsweise Jammern. Jedoch nicht von leidenden Patienten, sondern von leidenden Ärzten. Stetig gehe es mit den Honoraren bergab, zahlreiche Praxen stünden vor dem Aus, eigentlich lohne sich das alles sowieso nicht mehr.

Nun hat sich das Bundesgesundheitsministerium mit den Zahlen befasst und Erstaunliches herausgefunden: Die Ärzte und Apotheker sind die eigentlichen Gewinner der Gesundheitsreform. Zwischen 1991 und 2001 stieg die Zahl der niedergelassenen Ärzte um ein Drittel, die Ausgaben der Kassen für Honorare nahmen um 43 Prozent zu.

"Der Betrieb einer Arztpraxis ist praktisch risikolos", sagt Karl Lauterbach, der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt berät. Seine Rechnung: Da seit Beginn der Gesundheitsreform weniger Menschen in die Praxen kommen, die Honorare an die Ärzte aber auf hohem Niveau verharren, habe sich "die relative Einkommenssituation verbessert". Überhaupt seien die deutschen Ärzte im europäischen Vergleich am besten bezahlt. Ein Allgemeinmediziner mit eigener Praxis kommt im Schnitt auf eine jährliche Honorarsumme von über 170 000 Euro. Davon gehen zwar noch die Betriebskosten ab, trotzdem bleibt für geschäftstüchtige Ärzte noch ein Einkommen übrig, das dem eines Geschäftsführers in einem mittelständischen Betrieb entspricht.

Ärzte-Aufschrei ist verstummt

"Jede dritte Arztpraxis steht vor der Pleite", verkündete hingegen Jörg-Dietrich Hoppe, der Präsident der Bundesärztekammer vor einem Jahr. Die Ärztevertreter hatten sich auf die Gesundheitsreform von Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) eingeschossen und malten regelrechte Horror-Szenarien an die Wand. Doch der Aufschrei der Ärzte-Vertreter ist mittlerweile verstummt. Auch weil die Zahlen eine andere Sprache sprechen: In diesem Jahr werden nicht mehr Arztpraxen aufgeben als schon in den Vorjahren. Jedes Jahr schließen rund 1000 von insgesamt 93 000 Arztpraxen - das wären lediglich 1,1 Prozent. "Der Betrieb einer Praxis ist praktisch risikolos", sagt der Kölner Gesundheitsökonom Karl Lauterbach.

Den Ärzten geht es also nicht so schlecht wie sie selbst immer wieder gerne behaupten. Lauterbach geht in seiner Bewertung sogar noch weiter: "Die niedergelassenen Ärzte sind die Gewinner der Gesundheitsreform", sagt er. Er begründet dies mit einem simplen Zusammenhang. Die Kassen würden nach wie vor die gleich hohen Vergütungen an die Ärzte überweisen, aber weniger Menschen suchten die Ärzte auf - wegen der Praxisgebühr. "Dadurch hat sich die relative Einkommenssituation der Ärzte verbessert."

Nach seiner Ansicht sind die Einkünfte der deutschen Ärzte im EU-Vergleiuch ohnehin am höchsten. Im Schnitt lag das Honorar von einem Allgemeinarzt im Jahr 2001 bei 171 000 Euro. Davon gehen zwar noch die Betriebs- und Personalkosten für die Praxis ab, doch viele Ärzte sind traditionell eher knausrig. So müssen Arzthelferinnen in der Regel mit einem Brutto-Verdienst von unter 2000 Euro monatlich auskommen. Im Durchschnitt bleiben einem westdeutschen Arzt rund 100 000 Euro an Honoraren im Jahr. Nicht eingerechnet sind dabei bis zu 30 Prozent an Einnahmen von Privatpatienten.

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