Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen
Hypofusion kostet 800 Arbeitsplätze

Die am Dienstag offiziell bekannt gegebene Fusion der Hypothekenbankentöchter der drei Frankfurter Großbanken wird die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Bankbeschäftigte weiter verschärfen. Die Verschmelzung der Eurohypo (Deutsche Bank), der Rheinhyp (Commerzbank) und der Deutschen Hyp (Dresdner Bank) wird nach Angaben der Mutterinstitute zu einem Abbau von rund 800 Stellen führen.

vwd FRANKFURT. Wie Dirk Wilhelm Schuh, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der aus der Fusion hervorgehenden neuen Eurohypo AG in Frankfurt sagte, können nach derzeitigem Stand dabei auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen werden.

Allerdings soll bei den Stellenstreichungen "das gesamte personalpolitische Instrumentarium" wie Altersteilzeit zur Vermeidung von Entlassungen genutzt werden. Zuvor hatte der Vorstandsvorsitzende der neuen Eurohypo bereits einen Personalabbau als unumgänglich bezeichnet und die jährlichen Synergien ab 2004 mit 140 Mill. Euro beziffert. Alleine 70 Mill. Euro davon entfielen auf Einsparungen im Personalbereich, erläuterte er. Um die jährlichen Synergien heben zu können, müsse indes zuvor eine Summe von 170 Mill. Euro für die Restrukturierung aufgewendet werden. Davon fallen 90 Mill. Euro für die Kosten des Personalabbaus an. Von Köller betonte, der einmalige Restrukturierungsaufwand sei damit bereits nach zwei Jahren gedeckt.

Standort-Reduzierungen

Mit dem Personalabbau geht auch eine Reduzierung der Filialzahl der neuen Eurohypo von derzeit 25 Standorten einher. Im Ausland würden alle Standorte beibehalten, allerdings zugleich die Zahl der Filialen auf 17 von zur Zeit 33 reduziert.

Durch den Zusammenschluss entsteht der größte Immobilienfinanzierer Deutschlands mit einer Bilanzsumme von 237 Mrd EUR. Die Wertverhältnisse der Hypothekenbanktöchter zueinander betragen nach gegenwärtigem Stand 30 % für die Deutsche Hyp (Dresdner Bank) und jeweils 35 % für die Eurohypo (Deutsche Bank) und die Rheinhyp. Da bislang nur die alte Eurohypo die Anforderung für die BIZ-Kernkapitalquote erfüllt, müssen Commerzbank und Dresdner Bank in den Zusammenschluss noch Eigenmittel von 500 Mill. bzw 280 Mill. Euro "nachschießen".

Gemischtbankenprivileg bleibt erhalten

Konkret werden die jetzige Eurohypo und die Rheinhyp auf die Deutsche Hyp verschmolzen, die dann in Eurohypo umfirmiert wird. Dadurch bleibt das Gemischtbankenprivileg erhalten und steht auch den eingebrachten Instituten Eurohypo (alt) und Rheinhyp zur Verfügung. Durch das Gemischtbankenprivileg ist es den Instituten im Unterschied zu reinen Hypothekenbanken verstärkt möglich, im Ausland tätig zu werden. In die Eurohypo werden dann noch weitere Aktivitäten der Mütter übertragen, die bislang nicht Teil der Hypothekenbanken waren. Die juristische Umsetzung der Fusion soll Ende 2002 abgeschlossen sein, die Gesamtimplementierung bis Ende 2003. Widerstände von BaKred und Kartellamt werden nicht befürchtet.

Von Köller nannte als Ziele des neuen Instituts eine führende Position bei den gewerblichen Immobilienfinanzierungen in Europa, den Ausbau der Präsenz am nordamerikanischen Markt und verstärkte Aktivitäten im Immobilien-Investmentbanking. Beim Staatsfinanzierungsgeschäft soll eine "konservative Risikopolitik" Kennzeichen sein. Zudem soll sich die neue Eurohypo als Benchmark-Emittentin auf dem Pfandbrief-Markt etablieren. Gemeinsam erzielten von Köller zufolge die fusionswilligen drei Hypothekenbanken im vergangenen Jahr eine Vertriebsleistung in der gewerblichen Immobilienfinanzierung von 18,4 Mrd EUR. In der Staatsfinanzierung belaufe sich der gemeinsame Darlehensbestand der drei Hypobanken auf 138,3 Mrd EUR.

Wie Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen ankündigte, soll der Freefloat der neuen Eurohypo mittels einer Sekundärplatzierung erhöht werden. Wie er am Dienstag weiter mitteilte, soll der Eurohypo-Anteil bei seinem Institut mittelfristig voll dekonsolidiert werden. Die Vertreter der anderen Muttergesellschaften nannten ebenfalls dieses Ziel.

Neben von Köller und Schuh werden dem Vorstand noch Bernd Knobloch als stellvertrender Vorsitzender sowie Matthias Danne, Joachim Plesser und Henning Rasche angehören. Designierter Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Dresdner-Bank-Vorstand Joachim von Harbou, nachdem sein Kollege Heinz-Jörg Platzek das Aufsichtsratmandat aus persönlichen Gründen abgelehnt hatte.

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