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Betriebsbedingte Kündigungen zentraler Streitpunkt bei Karstadt-Quelle

Die Sanierung von Karstadt-Quelle AG droht am Streit über betriebsbedingte Kündigungen zu scheitern. Das Management lehne einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen ab, sagte ver.di- Vorstandsmitglied Franziska Wiethold am Mittwochabend in einer Verhandlungspause.

dpa-afx ESSEN. Die Sanierung von Karstadt-Quelle AG droht am Streit über betriebsbedingte Kündigungen zu scheitern. Das Management lehne einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen ab, sagte ver.di- Vorstandsmitglied Franziska Wiethold am Mittwochabend in einer Verhandlungspause. Dies sei aber ein Schlüsselelement in den Forderungen der Gewerkschaft. "Wir haben ein richtig großes Problem", sagte Wiethold. Sie und Konzernsprecher Jörg Howe zeigten sich jedoch zuversichtlich, dass eine Einigung bis zur Aufsichtsratssitzung am Donnerstag noch möglich sei.

Nur mit einem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen könne von Beschäftigungssicherung gesprochen werden, betonte Wiethold. Die Gewerkschaft wolle ihn auch von möglichen neuen Eigentümern zum Verkauf stehender Karstadt-Häuser einfordern. Howe sagte, auch in den Gesprächen über die Sanierung des Versandhandels gebe es noch keine Einigung. Dort sitze Konzernchef Christoph Achenbach mit am Verhandlungstisch.

Mit dem Beitrag der Belegschaft stehen oder fallen auch die anderen Bausteine des milliardenschweren Rettungsprogramms für den Handelsriesen. Achenbach will bis zum Donnerstag eine Einigung mit den Arbeitnehmern erreichen, weil der Aufsichtsrat am selben Tag die Weichen für die geplante Kapitalerhöhung im Volumen von 500 Mill. Euro stellen soll. Zudem verhandelt Karstadt-Quelle noch mit Banken über die Verlängerung von Kreditlinien im Volumen von 1,75 Mrd. Euro. Auch dies wird nach Aussage von Howe grundsätzlich von einem Durchbruch mit den Arbeitnehmern abhängig gemacht. "Wenn es nicht zu einer Einigung kommt, kommen wir in ernsthafte Schwierigkeiten", sagte er.

"Schmerzlich"

ver.di legte nach Darstellung von Wiethold ein eigenes Paket auf den Tisch, mit dem in den nächsten drei Jahren bei Karstadt Personalkosten im Volumen von 480 Mill. Euro gespart werden können. Im Kern gehe es darum, den angestrebten Stellenabbau - rund 3 000 in der Verwaltung und 600 bis 800 in der Hauptverwaltung - ohne betriebsbedingte Kündigungen zu bewerkstelligen. Dazu sollten die Betroffenen in den Verkaufsbereich versetzt werden, auch wenn dies für die Einzelnen "schmerzlich" sein könne, sagte Wiethold.

Dieses Angebot ist nach Aussage Howes vom Vorstand als unzureichend abgelehnt worden. "Wir müssen einen Einsparungsbetrag von über 500 Mill. Euro erreichen, diese Zahl ist nicht verhandelbar", sagte der Konzernsprecher. Außerdem gebe es Differenzen bei der Berechnung des Spareffekts. Zusätzlich gehe es in der Versandhandelssparte - mit Quelle und Neckermann - um einen dreistelligen Millionenbetrag, nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) handelt es sich um 250 Mill. Euro.

"Ideologische Gründe"

ver.di warf dem Management vor, aus "ideologischen Gründen" jeden Vorschlag der Beschäftigtenseite zu blockieren. Viele Sparvorschläge würden nicht akzeptiert, damit "aus Prinzip" tiefe Tarifschnitte vorgenommen werden könnten. "Ich habe den Eindruck, es wird ein Grundsatzstreit auf unseren Knochen geführt, wie man auch gegen Arbeitnehmervertreter einen Sanierungsbeitrag durchsetzen kann", sagte Wiethold. Die Arbeitnehmer haben bislang den Verzicht auf übertarifliche Leistungen angeboten, lehnen die verlangten Einschnitte in die Tarifeinkommen und längere Arbeitszeiten aber ab.

Bei der geplanten Trennung von großen Konzernteilen kommt das Management nach eigener Darstellung zügig voran. Dies ist ein weiterer Baustein des Sanierungskonzeptes, der 1,1 Mrd. Euro einbringen soll. Einer der ersten, unmittelbar vor dem Abschluss stehenden Schritte werde der Verkauf der Logistikaktivitäten sein, sagte Achenbach der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch). Allein damit dürfte fast die Hälfte der Summe gesichert sein. Für die 77 zur Disposition stehenden Karstadt-Warenhäuser liegen nach Aussage von Warenhausvorstand Helmut Merkel bereits "mehr als 100 Anfragen von Investoren" vor. "Mit drei potenziellen Investoren verhandeln wir konkret", sagte er dem Magazin "Capital".

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