Betriebsgewinn fast verdoppelt – Weiterer Stellenabbau in Netzwerksparte
Siemens setzt ein Hoffnungszeichen

Der Siemens-Konzern sorgte gestern für eine positive Überraschung: Der operative Gewinn verdoppelte sich im Quartalsvergleich nahezu. In der defizitären Netzwerksparte gehen 6 500 Jobs verloren.

cbu ERFURT. Heinrich von Pierer war sichtlich zufrieden. Bei der Präsentation der Quartalszahlen gestern in Erfurt konnte der Siemens-Chef einen deutlichen Gewinnanstieg vermelden. So lag das Konzernergebnis nach Steuern für das zweite Quartal 2001/02, also von Januar bis März, bei knapp 1,3 Mrd. Euro, im Vorquartal waren es noch 538 Mill. Euro. Darin enthalten ist ein Gewinn durch den Verkauf von Infineon-Aktien in Höhe von 600 Mill. Euro.

Auch im operativen Geschäft legte Siemens eine gute Bilanz vor. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) liegt bei 919 Mill. Euro, etwa doppelt so hoch wie im Vorquartal. Insbesondere der positive Trend in der Medizintechnik und in der Energieerzeugung sorgte für den Gewinnsprung. Tief im Minus ist weiter das Netzwerkgeschäft und erstmals der Bereich Industrielösungen und Anlagenbau.

Siemens übertrifft mit den Quartalszahlen deutlich die Analystenprognosen. Im Vorfeld wurde in einer Reuters-Umfrage unter 15 Analysten im Durchschnitt ein Ebit von etwa 340 Mill. Euro prognostiziert. "Die Zahlen sind fast alle besser als erwartet", sagte WestLB-Analyst Adrian Hopkinson.

Von Pierer zeigte sich verärgert über die Fehleinschätzung, die zuletzt auch die Siemens-Aktie nach unten drückte. Lehman Brothers etwa hatte Siemens einen Tag vor den Zahlen von der Empfehlungsliste genommen, weil schlechte Zahlen erwartet wurden. "Die Damen und Herren müssen aufpassen, dass sie nicht zu sehr ihre Glaubwürdigkeit verlieren", sagte er mit Blick auf die Analysten. Er empfinde das Verhalten als "zunehmend problematisch", sagte der Konzernchef. Offenbar hatten viele Beobachter angesichts der Nachrichten von Ericsson, ABB oder General Electric auch Siemens nicht viel zugetraut. Gestern ging die Siemens-Aktie deutlich nach oben.

Größtes Sorgenkind bleibt die Netzwerksparte. "Für den Bereich ICN können wir noch keine Entwarnung geben", sagte von Pierer. Der Bereich wird weitere 6 500 Stellen streichen, überwiegend im Ausland - und damit erneut 1,5 Mrd. Euro einsparen. Zuvor hatte der Konzern den Abbau von etwa 10 000 Jobs angekündigt, damit geht hier jeder dritte Arbeitsplatz verloren.

Das Netzwerkgeschäft ist insbesondere wegen der Zurückhaltung der großen Telekommunikationskonzerne in Turbulenzen. Auftragseingang und Umsatz von ICN gehen stark zurück. Von Pierer sagte, ein Aufschwung sei erst in 12 bis 18 Monaten zu erwarten: "Das ist ein Wachstumsgebiet, aber es wird seine Zeit dauern." Die Sparte, die in den nächsten zwei Quartalen weitere Sanierungskosten von bis zu 300 Mill. Euro verkraften muss, wird im Minus bleiben. Gewinne werden erst im übernächsten Geschäftsjahr wieder erwartet. Weitere Sparmaßnahmen wurden nicht ausgeschlossen.

Auf gutem Weg sieht sich Siemens dagegen im Mobilfunk. Die Zahl der verkauften Handys lag bei 8,3 Millionen. Auch das Infrastukturgeschäft laufe gut, hieß es. Einen hohen Beitrag zur Ergebnisrechnung lieferten die Bereiche Medizintechnik und Energieerzeugung, die beide bereits ihre mittelfristigen Margenziele erreichen. Auch die Lichttochter Osram macht trotz der schlechten Konjunktur deutliche Gewinne. In den Bereichen kommt Siemens jetzt an die Margen von Konkurrent GE heran.

Prognosen zum weiteren Geschäftsverlauf gab Siemens nicht. Das konjunkturelle Umfeld sei noch nicht klar genug einzuschätzen. Der operative Gewinn soll aber deutlich steigen. Der Quartalsumsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 3 % auf 21,3 Mrd. Euro.

Zu den weiteren Verkaufsplänen für die verbliebenen 41,3 % am Chipkonzern Infineon gab sich Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger bedeckt. Demnächst werde es nicht zu weiteren Verkäufen kommen, weil viele Händler darauf spekuliert hätten und Leerverkäufe getätigt hätten. "Denen werden wir keinen Gefallen tun", sagte Neubürger. Der Durchschnittspreis für die bisherigen Infineon-Verkäufe seit dem Börsengang im März 2000 liegt bei etwa 40 Euro je Aktie und damit noch immer deutlich über dem damaligen Emissionpreis von 35 Euro.

Quelle: Handelsblatt

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