Betriebsgewinn steigt geringer als erwartet
Schering enttäuscht die Analysten

Der Berliner Pharmakonzern Schering hat im dritten Quartal trotz eines zweistelligen Wachstums beim Betriebsgewinn die Erwartungen von Analysten verfehlt.

Reuters BERLIN. Der operative Gewinn stieg den Schering-Angaben vom Montag zufolge um 13 Prozent auf 146 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt aber ein Plus von 20 Prozent erwartet. Auch beim Umsatz und beim Reingewinn hatten die Branchenexperten mehr erwartet. Der Umsatz des Konzerns stieg Schering zufolge um fünf Prozent auf 1,212 Milliarden Euro und der Reingewinn ohne Sondereffekte auf 82 Millionen Euro von zuvor 67 Millionen Euro. Zu schaffen machte dem Unternehmen die Lateinamerika-Krise sowie die Schwäche des japanischen Yen. Das US-Geschäft lief dagegen weiter gut.

Die jüngsten Rückschläge bei Hormon-Ersatzpräparaten nannte Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen kein wirkliches Problem. Man halte an den Gewinn- und Umsatzprognosen für 2002 weiter fest. Die Schering-Aktie notierte am Vormittag als einer der wenigen Dax-Werte rund ein Prozent im Minus bei 45,50 Euro.

Konzern will Dividende um mehr als zehn Prozent erhöhen

Der Berliner Pharmakonzern hat für das Jahr 2002 eine Dividendenerhöhung von mehr als zehn Prozent angekündigt. Der Vorstand wolle dem Aufsichtsrat eine Ausschüttung in Höhe von 0,93 Euro je Aktie vorschlagen, sagte Finanzchef Klaus Pohle. Für 2001 hatte Schering eine Dividende von 0,83 Euro gezahlt. Es ist bei Schering Firmenpolitik, die Dividende analog zum Wachstum des Reingewinns - ohne Sondereffekte - anzuheben.

Probleme in Lateinamerika

Erlen sagte laut Redetext, das Umsatzwachstum hätte ohne die Währungsprobleme bei zehn Prozent gelegen. Die robuste Entwicklung in Europa und besonders in den USA hätten die Probleme in Lateinamerika und Japan wettgemacht. Das wichtigste Schering-Präparat, das Mulitple-Sklerose Medikament Betaferon, habe trotz neuer Konkurrenz in den USA weiter zugelegt. Der Absatz stieg um 21 Prozent, in Euro gerechnet stiegen die Einnahmen um 17 Prozent. Für das Gesamtjahr erwarte man daher weiter ein Plus zwischen 13 und 16 Prozent.

Anfang des Jahres war in den USA das Serono-Produkt Rebif auf den US-Markt gekommen. Die Branche hatte deshalb spekuliert, dies könne sich auf den Betaferon-Absatz massiv auswirken. Die neuen Verhütungsmittel Mirena und Yasmin entwickelten sich ebenfalls sehr gut, sagte Erlen weiter. Die Antibaby-Pille Yasmin habe in den USA mittlerweile einen Anteil bei den Neuverschreibungen von über fünf Prozent erreicht. Yasmin und Mirena trugen in den ersten neun Monaten des Jahres mit je 100 Millionen Euro zum Umsatz bei. In US-Dollar gerechnet habe man in den USA um 23 Prozent zugelegt. Am Ziel, den US-Umsatz bis 2005 innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln, halte man fest.

Rückschläge bei Hormon-Ersatzpräparaten nicht entscheident

Die jüngsten Rückschläge bei der geplanten Einführung von Hormon-Ersatzpräparaten werden sich Erlen zufolge nicht wesentlich auf das Geschäft auswirken. Den beiden Präparaten Angeliq und Climara Pro war vor kurzem zunächst die Zulassung in den USA verweigert worden. Im Jahr 2005 sei dadurch ein Umsatz von 120 Millionen Euro in Gefahr, was aber nur zwei Prozent des Gesamtumsatzes betrage. In den USA hatte eine Studie die Hormonersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren mit Herzinfarkten und Brustkrebs in Verbindung gebracht. Die Aktienkurse einer Reihe von Pharmafirmen, darunter auch von Schering, waren dadurch unter Druck geraten. Schering hatte aber stets betont, dass seine Produkte mit der Studie nicht in Verbindung gebracht werden könnten.

Im dritten Quartal schrieb Schering für sein neu erworbenes Krebs-Medikament Leukine 224 Millionen Euro ab. Damit soll dem Risiko Rechnung getragen werden, dass das Medikament für eine weitere Anwendung gegen die Krankheit Morbus Crohn nicht zum Einsatz kommt. Außerdem wurden 20 Millionen Euro für eine Schering-Wissenschaftsstifung ausgebucht. Diese Sondereffekte führten zu einem Konzernverlust von 73 Millionen Euro. Ohne die Effekte legte der Reingewinn aber um 22 Prozent auf 82 Millionen Euro zu.

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