Betriebsrat will übertarifliche Leistungen stunden
Opel-Belegschaft muss neue Opfer bringen

Opel muss kräftig sparen. Weil der operative Verlust auch in diesem Jahr hoch ausfällt, werden von der Belegschaft des Rüsselsheimer Automobilherstellers zusätzliche Opfer verlangt.

RÜSSELSHEIM. Opel-Vorstandschef Carl-Peter Forster hat einen scharfen Sparkurs vorgegeben. Weil sich die Absatzzahlen des Rüsselsheimer Autoherstellers auch in diesem Jahr nicht entscheidend verbessern werden und der Verlust deshalb groß bleibt, müssen die Mitarbeiter dem Unternehmen entgegen kommen. Auf 150 Mill. ? jährlich sollen die gut 40 000 deutschen Opel-Mitarbeiter verzichten. Gespart werden muss vor allem bei übertariflichen Leistungen.

Die deutsche Tochter des amerikanischen Automobilriesen General Motors (GM) steckt tief in der Krise, seit mehreren Jahren häufen sich die Verluste in Rüsselsheim. Im vergangenen Jahr war am Ende ein operatives Minus von knapp 700 Mill. ? geblieben. Weil die Verkaufszahlen in den ersten Monaten von 2002 noch einmal deutlich gefallen sind, hat das den Sparkurs bei Opel zusätzlich verschärft. In Deutschland sind die Opel-Verkaufszahlen in den ersten vier Monaten dieses Jahres um mehr als 21 % gefallen, in Westeuropa um knapp 14 %. Im Rahmen des Sanierungsprogramms "Olympia" müssen dieses Jahr 3 000 Mitarbeiter gehen, im Bochumer Werk ist bereits ein komplette Produktionslinie (Kapazität: etwa 50 000 Autos jährlich) gestrichen worden.

"Kreative Lösungen"

Eine Opel-Sprecherin bestätigte, dass es zum Wochenende erneut Verhandlungen zwischen der Unternehmensführung und der Arbeitnehmerseite gegeben hat. Sie äußerte sich positiv über die Chancen für eine Einigung. "Bei Opel hat es immer schon kreative Lösungen gegeben", sagte sie. Die in der jüngsten Metalltarifrunde ausgehandelten Lohnsteigerungen von 4 % sind für Opel eine echte Belastung. Möglicherweise wird diese Anhebung mit bestehenden übertariflichen Leistungen verrechnet.

Auf Arbeitnehmerseite wurde von zum Teil "fest gefahrenen Verhandlungen" gesprochen; es sei zu unerwarteten Verzögerungen gekommen. Die Unternehmensseite habe überzogene Sparvorschläge vorgelegt, die die Opel-Belegschaft so nicht akzeptieren könne. Unter den Mitarbeitern seien zusätzliche Einsparungen nur schwer zu vermitteln, da die Beschäftigten bereits in der Vergangenheit große Opfer gebracht hätten.

Der Opel-Betriebsrat ist mit einem neuen Modell in die Verhandlungen mit dem Management gezogen. Übertarifliche Leistungen des Unternehmens sollen befristet gestundet und mit Verzögerung an die Belegschaft ausgezahlt werden. "Bis es Opel wieder besser geht", betonte ein Sprecher. Im Gespräch ist auch die Ausgabe von Belegschaftsaktien. Mit einer Unterschriftenaktion unter den Mitarbeitern will sich der Betriebsrat für diesen neuen Verhandlungskurs die Zustimmung der Belegschaft sichern. Betriebsratschef Klaus Franz bezeichnete den Stundungs-Vorschlag als Beweis dafür, dass die Arbeitnehmer die schwierige Situation mit "innovativen Lösungen" überwinden helfen.

In Rüsselsheim ist jetzt davon die Rede, dass sich Unternehmen und Belegschaft noch vor der Sommerpause auf ein neues Sparmodell verständigen könnten. Opel-Chef Forster will in diesem Jahr die operativen Verluste zumindest verringern. Im Jahr 2003 soll die deutsche GM-Tochter wieder schwarze Zahlen schreiben. Forster setzt dabei auch auf eine Wiederbelebung der Automobilkonjunktur in der zweiten Jahreshälfte. Bleibt die Nachfrage jedoch auf Dauer schwach, drohen der Belegschaft möglicherweise noch weitere Sparprogramme.

Der deutsche Markt wird aller Voraussicht nach in diesem Jahr das dritte Mal in Folge schrumpfen. Mit einer durchgreifenden Belebung ist erst im nächsten Jahr zu rechnen.

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