Betriebssystem für Handys
Microsoft kämpft um Mobilfunk-Marktanteile

Vier große Mobilfunkgesellschaften wollen Microsofts neues Betriebssystem für Handys (Kodename "Stinger") testen. Die Telekom-Tochter T-Mobil, die britische Vodafone, die spanische Telefonica Moviles. und die australische Telstra könnten noch vor Ablauf des Jahres erste Geräte mit der multimedia-fähigen Software des Konzerns aus Redmond/Washington auf den Markt bringen, sagt Richard Lindh, Manager bei Microsoft Europe.

WSJ/HB LONDON. Durch Stinger sollen die Kunden mit ihrem Mobiltelefon auch Termine und Adressen verwalten, ins Internet gehen sowie Musik und Videos abspielen können. Das mit einem großen Farbdisplay ausgestattete Handy wird damit zum Multifunktionsgerät; Microsoft will so den Organizern etwa von Marktführer Palm Konkurrenz machen. Die Stinger-Software soll in der Bedienung Microsofts PC-Betriebssystem Windows ähneln.

Auch zwei Handy-Hersteller - Japans Mitsubishi und das britische Unternehmen Sendo - wollen Stinger nutzen. Bisher setzt Koreas Samsung die Software ein. Zusammen bedienen die Hardware-Partner von Microsoft allerdings weniger als ein Zehntel des Weltmarktes. Die Versuche des Softwarekonzerns, die Großen der Branche von Stinger zu überzeugen, sind bisher fehlgeschlagen. Vier der fünf größten Handyhersteller - Nokia, Motorola, Ericsson und Matsushita - entwickeln mit dem Software-Konsortium Symbian ein eigenes Handy-Betriebssystem, Pearl. Damit wollen sie die Kontrolle über die Mobilfunk-Software zurückgewinnen. Auch die Nummer vier der Branche, Siemens, nutzt ein eigenes Betriebssystem. Lediglich Ericsson hat zusätzlich eine Allianz mit Microsoft.

Um die Telefongesellschaften auf die Seite der Microsoft-Allianz zu ziehen, wird Partner Sendo seine Geräte unter der Marke des jeweiligen Netzbetreibers anbieten. Nicht erscheinen werde das Microsoft-Logo auf den Geräten, sagt Lindh. "Unser Marktanteil in der Telefonbranche ist zu gering", um den Mobilfunkfirmen Bedingungen zu stellen, begründete der Manager die Abkehr von der bisherigen Produktpolitik des Konzerns.

Firmen wie Nokia und Siemens haben viel Geld in den Aufbau der eigenen Marke gesteckt. Neil Ward-Dutton, Berater bei der Marktforschungsagentur Ovum, sieht gute Chancen für die Microsoft-Strategie. Durch die Internationalisierung der Telefonkonzerne seien Konzerne mit großer Marktmacht entstanden. Wer zehn Millionen Geräte bestelle, könne bestimmen, wie sie aussehen und was sie können - und welcher Name draufsteht.



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