Betriebswirtschaftlich sinnvoll, aber wettbewerbsschädlich: Der Zusammenschluss von LBBW und BW-Bank kommt nicht voran
Sauers kleine Klimmzüge

Die Landesbank Baden-Württemberg ist seit Jahresbeginn an der privaten BW-Bank mehrheitlich beteiligt. Doch das Sagen hat sie dort nicht. Die Pläne für eine Fusion beider Institute liegen auf Eis, weil sich das Land Baden-Württemberg als der zweitgrößte LBBW-Aktionär dagegen sperrt.

STUTTGART. Dietmar Sauer, Chef der Landesbank Baden-Württemberg AG (LBBW) äußert sich öffentlich nicht mehr über die Zukunft der Tochter Baden Bank. -Württembergischen Bis vor kurzem sah er noch in einer Vollfusion beider Institute die einzig betriebswirtschaftlich sinnvolle Lösung. Davon hat er jetzt offenbar Abstand genommen. "Diese Idee wird bei der LBBW nicht mehr verfolgt", heißt es aus der Landesbank.

Stattdessen arbeiten deren Strategieexperten an einem Modell der Arbeitsteilung zwischen den beiden Banken. Nach Informationen des Handelsblatts könnten dabei große Teile des LBBW-Geschäfts auf die BW-Bank verlagert werden, die im Gegenzug mehr Leistungen von der Mutter bezieht. Dahinter steht, dass die beiden Kreditinstitute nicht mehr konkurrieren sollen. "In der heutigen schwierigen Marktsituation kann sich das weder die Landesbank noch die BW-Bank leisten", sagt LBBW-Sprecher Stefan Schütz.

Die börsennotierte BW-Bank ist eine kleine und feine Adresse für mittelständische schwäbische und badische Kunden. Das mit 60 Filialen auf Baden-Württemberg konzentrierte Kreditinstitut liegt in der Rangliste der deutschen Banken auf Platz 44. Die Rating-Agentur Fitch senkte jetzt die Bonitätsbewertung der BW-Bank. Begründung: Verminderte Vermögensqualität und stark rückläufige Erträge.

Die LBBW als achtgrößte deutsche Bank gehört zum konkurierenden Lager der öffentlich-rechtlichen Banken. Ihre Eigentümer sind das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart und der baden-württembergische Sparkassenverband. Bis heute wird deshalb der Einstieg der LBBW bei der BW-Bank von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen als Sündenfall kritisiert. Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel erklärte zur Beruhigung von Kunden und Mitarbeitern der BW-Bank, dass er zwei regionale, gegeneinander konkurrierende Banken im Land haben wolle. "Teufel steht im Wort", wird bei der kleinen Bank betont. Man wiegt sich in der Sicherheit, dass sich nichts ändert, solange Teufel regiert.

Solange wird auch die LBBW nicht den erhofften Nutzen aus ihrer Beteiligung ziehen können. Mitarbeiter der Bank haben ausgerechnet, dass eine Fusion der beiden Banken bis zu 150 Mill. Euro Einsparungen bringen könnte.

Sauer peilt jetzt erst einmal eine kleineren Lösung an: Beide Banken bleiben rechtlich eigenständig, aber machen sich keine Konkurrenz mehr. Doppelarbeit soll vermieden werden. Ein erster Schritt ist mit der BW-Bank vereinbart: Die Datenverarbeitung, die Wertpapierabwicklung und der Zahlungsverkehr werden zusammengelegt. Noch simnd die Projektgruppen nicht fertig, aber es zeichnet sich ab, dass die LBBW diese Arbeiten künftig erledigen und das Personal von der BW-Bank übernehmen wird. Die Einsparungen sollen mittelfristig zwischen 30 und 50 Mill. Euro pro Jahr liegen, aber zuerst muss kräftig investiert werden.

Auf anderen Gebieten ist es schwieriger, Doppelarbeit zu vermeiden. Das Modell sieht vor, große Teile der LBBW-Geschäftskundschaft auf die BW-Bank zu verlagern. Denn die LBBW ist ein Sonderfall unter den deutschen Landesbanken. Bei der Fusion der SüdwestLB mit der Landesgirokasse kamen auch normale Sparkassenkunden zur LBBW. Für die Verlagerung benötigt Sauer die Zustimmung der Landespolitiker, aber mit denen hat er über dieses heikle Thema noch nicht gesprochen.

Zunächst will Sauer auf einer anderen Baustelle vorankommen. Derzeit arbeitet die LBBW und die Sparkassen Baden-Württembergs an einer Vereinbarung über eine engere Zusammenarbeit. Erst wenn dafür der Vertragsentwurf steht, will sichder LBBW-Chef wieder der BW-Bank zuwenden.

Insider bei beiden Banken rechnen frühestens 2004 damit, dass die beide Institute enger zusammen rücken. Sauer wird dies in seiner jetzigen Amtszeit, die bis Ende 2004 geht, kaum noch umsetzen können.

Aber Sauer könnte noch eine Chance haben, mehr Einfluss bei der BW-Bank auszuüben. Der Vertrag des BW-Bank-Chefs Frank Heintzeler, einem energischen Kämpfer für die Eigenständigkeit der Bank, läuft Ende Oktober 2003 aus. Sein Vertrag ist bis jetzt nicht verlängert worden. Das deutet daraufhin, dass die LBBW einen Mann aus den eigenen Reihen als Nachfolger schicken könnte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%