Betroffene dürfen mit der Situation nicht zu defensiv umgehen
Der ungekündigte Mitarbeiter ist eine aussterbende Spezies

Jetzt, da die Konjunkturprognosen alles andere als rosig sind, sind sie wieder unterwegs, die Rechner mit den spitzen Stiften, die die Kosten hin und her wälzen, um Sparpotential zu entdecken. Ihnen voraus eilen Gerüchte - oft mit einem Fünkchen Wahrheit. Denn vor allem ein Kostenverursacher gerät sofort ins Visier der Sparkommissare: die Personalpolitik.

Da wird die Weiterbildung zusammen gestrichen, obwohl doch jeder weiß, dass ein Mangel an Qualifikation ein Unternehmen langfristig die Marktmacht kosten kann. Und da werden in allen Abteilungen Köpfe gezählt. Es wird scharf kalkuliert: Neueinstellungen werden gestoppt; Planstellen werden gestrichen, die Mitarbeiter versetzt oder entlassen; Beschäftigte, die noch in der Probezeit arbeiten, werden nicht übernommen.

Inzwischen trifft es nicht nur Leute, die innerlich sowieso schon gekündigt haben, sondern auch engagierte und gute Mitarbeiter. Wenn Abteilungen geschlossen werden, weil die Dienstleistung künftig preisgünstiger bei den ehemals angestellten Mitarbeitern und jetzt selbstständigen Jungunternehmern eingekauft werden kann, wenn Unternehmensteile mit der bisherigen Konkurrenz fusioniert werden, wenn ganze Produktlinien gestoppt werden, dann bleiben nicht einmal die berühmten Leistungsträger verschont.

Kündigungen kommen fast immer unerwartet

Kündigungen treffen immer unerwartet ein. Denn trotz vieler gegenteiliger Meldungen halten die Menschen gerade ihren Arbeitsplatz für sicher. Sie schauen sich nicht um, weniger aus Sorglosigkeit denn aus Angst vor der Realität. Doch auch wer die Augen fest schließt, um sich in Sicherheit zu wiegen, den kann die Kündigung ereilen. Zu stark ist jeder einzelne Arbeitsplatz verflochten mit dem Gesamtergebnis, als dass er alle schlechten Zeiten überdauern wird.

Der Gekündigte muss sofort über seine Situation reden. Auch wenn es schwer fällt und vor allem, wenn er Opfer einer unausgegorenen Personalpolitik oder eines konzeptlosen Sparprogramms wird. Ehepartner und Kinder müssen als erste eingeweiht werden, Freunde und Kollegen - gerade die, die es womöglich auch getroffen hat - sind geeignete Gesprächspartner. Wer mit dem Gedanken spielt, die Kündigung zu vertuschen, sollte sich klar machen, dass er sich nur behindert, seine Kräfte vergeudet. Zu neuen Ufern gelangt nur, wer morsche Brücken abreißt und bessere baut. Damit meine ich keinesfalls, dass die Gefühle der Enttäuschung, der Frust über die vermeintliche Niederlage, die Angst vor der Zukunft unterdrückt werden sollen. Im Gegenteil: Erst einmal muss alles raus. Schreien, heulen, sich mit einem Essen vom Sternekoch verwöhnen, drei Tage mit Garcia Marquez "Hundert Tage Einsamkeit" im Bett bleiben - alles ist erlaubt, wenn sich der Gekündigte danach wieder aufrafft, in Ruhe seine Situation überdenkt und gezielt handelt.

Nicht zu defensiv agieren

Arbeitslose dürfen nicht zu defensiv agieren. Sie müssen lernen, sich zu verkaufen. Nicht, weil sie künftigen Arbeitgebern etwas vormachen wollen, sondern weil sie sich nicht unter Wert präsentieren sollten. Die Einstellung mag ein bisschen weltfremd klingen, hilft aber, sich auf Bewerbungen und Vorstellungsgespräche vorzubereiten. Denn die führt der Bewerber nur erfolgreich, wenn er sich kennt: seine Fähigkeiten und seine Macken, sein Potential und seine Schwächen. Der eine setzt sich mit Bleistift und Papier hin und schreibt auf, was er schon immer einmal arbeiten wollte. Der andere surft durch die Internetwelt und sucht nach der ganz anderen Idee, die zu seiner Qualifikation passt. Ein Dritter tüftelt an einer Geschäftsidee und einem Businessplan, um sich selbstständig zu machen - etwas, wozu ihm bisher der Mut fehlte in seiner scheinbar gut abgesicherten Arbeitswelt. Vorwärts bringt es, ehrliche Freunde als Korrektoren des Selbstbildes und der Zukunftspläne einzubeziehen. Denn alleine verrennt man sich leicht.

Fazit: Sperren Sie Augen und Ohren auf. Gerade in diesen Zeiten des Krisengemunkels. Aber lassen Sie sich nicht verrückt machen, sonst verderben Ihnen die Gerüchte noch den Spaß an der Arbeit. Und denken Sie daran: In Zukunft wird es kaum noch einen Arbeitnehmer geben, der sein ganzes Leben im gleichen Unternehmen verbringt. Der ungekündigte Mitarbeiter ist eine aussterbende Spezies.

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