Betroffenheit von Gorbatschow und Barbara Bush
Hannelore Kohl hinterließ mindestens acht Abschiedsbriefe

Hannelore Kohl hat bei ihrem Tod mindestens acht Abschiedsbriefe hinterlassen. Neben den Briefen an ihren Ehemann, Alt Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), und die beiden Söhne Walter und Peter schrieb sie mindestens fünf weitere Briefe an enge Freunde, berichtete die "Bild am Sonntag".

ddp/ap LUDWIGSHAFEN. Ihrem Ehemann dankte sie ganz persönlich für die gemeinsame Zeit. Der geistliche Beistand der Familie Kohl, Monsignore Erich Ramstetter, sagte: "Sie schrieb ihm: "Ich habe Dich immer sehr geliebt." Und: "Ich danke Dir für alles, was Du mir geschenkt hast."

Den thüringischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU), der sich noch am vergangenen Samstag mit dem Ehepaar Kohl zum Abendessen getroffen hatte, traf die Nachricht ihres Selbstmords völlig unerwartet. "Ich hätte niemals gedacht, dass Hannelore Kohl dies tun könnte", sagte er. Der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow nannte den Tod Hannelore Kohls, einen "großen Verlust für Deutschland". Der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel betonte, wo immer sie aufgetreten sei, "legte sie Ehre für unser Land ein".

Hannelore Kohl, die schon seit Jahren an einer schweren Lichtallergie litt, war am Donnerstag tot in ihrer Wohnung gefunden worden. Sie hatte sich aus Verzweiflung über ihren aussichtslosen Gesundheitszustand das Leben genommen. Die Straße zu dem Haus der Kohls im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim blieb auch am Wochenende abgesperrt. Es seien aber nur wenige Schaulustige und Medienvertreter gekommen, teilte ein Sprecher der Polizei mit.

Vogel sagte über seine letzte Begegnung mit Hannelore Kohl: "Es war eine fröhliche Runde." Die Kohls hätten auch über ihren geplanten Urlaub am Wolfgangsee gesprochen. Dass die Frau des Alt-Kanzlers Selbstmord begehen könnte, habe außerhalb seiner Vorstellungskraft gelegen. Sie sei immer eine kämpferische Person gewesen, die nie ihre Meinung zurückgehalten habe, "auch wenn ihr Mann anderer Auffassung war". Von allen Ehefrauen der deutschen Bundespräsidenten und Bundeskanzler sei sie wohl die stärkste Persönlichkeit gewesen, so Vogel weiter.

Betroffenheit von Gorbatschow und Barbara Bush

Gorbatschow betonte, es sei "ein nicht geringes Verdienst" von Hannelore Kohl und seiner verstorbenen Frau Raissa gewesen, dass sich seine Beziehung zum damaligen Kanzler Helmut Kohl freundschaftlich entwickelt habe. Die Gefühle, "die heute das Herz von Helmut Kohl und all jener erfüllen, die ihr nah standen", seien ihm verständlich.

Auch die Frau des ehemaligen US-Präsidenten George Bush, Barbara, zeigte sich betroffen. Hannelore Kohl sei über Jahrzehnte hinweg zu einer guten und vertrauten Freundin geworden. Sie sei nicht nur eine schöne, elegante Frau, sondern auch "eine der Tapfersten gewesen".

Waigel hob ebenfalls die Stärke Hannelore Kohls hervor. An der Seite ihres Mannes sei sie durch alle Höhen und Tiefen der Politik gegangen. Vor allem in den letzten Jahren habe sie "wie eine Löwin" gegen die Angriffe, "die seine Ehre und sein Lebenswerk streitig machen wollten", gekämpft.

Dem "Spiegel" zufolge klebte Hannelore Kohl vor der Einnahme der Tabletten-Überdosis in der Nacht zum Donnerstag an ihre Schlafzimmertür einen gelben Zettel mit der Aufschrift: "Bin spät ins Bett gegangen. Bitte nicht stören. Möchte länger schlafen." Offenbar wollte sie verhindern, zu früh aufgefunden und womöglich noch gerettet zu werden. Im Schlafzimmer selbst lag laut "Bild am Sonntag" neben den verschlossenen Abschiedsbriefen ein offenes Schreiben, in dem sie sich bei denjenigen entschuldigt habe, die sie auffinden würden.

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