Betrügerische Online-Bestellungen: Ebay gleicht Kundendaten mit der Schufa ab

Betrügerische Online-Bestellungen
Ebay gleicht Kundendaten mit der Schufa ab

Das Internetauktionshaus Ebay ergreift Maßnahmen, um die Seriosität des Handels im Netz zu verbessern. Ebay hat einen Test zur Adressprüfung von Nutzern gestartet und arbeitet dabei mit dem Kreditinformations-Dienstleister Schufa zusammen.

DÜSSELDORF. Schufa, hinter der Banken und Handel stehen, sammelt Daten zur Bonität von Privatpersonen. Bevor ein Kunde bei Ebay handeln kann, werden die Nutzerangaben versuchsweise mit der Schufa-Datenbank abgeglichen. Gelingt dies nicht, wird die Identität schriftlich per Post und Anmeldecode festgestellt.

Hintergrund: Im Internet nehmen die Bestellungen von Waren mit falscher Kontaktadresse oder falschem Namen zu. Leidtragende sind dabei meist die anbietenden Unternehmen, die das Produkt verschicken und dann vergeblich auf ihr Geld warten. Einer Studie von Gartner Research zufolge stieg in den USA der Gesamterlös im E-Business von 42 Mrd. $ im Jahr 2000 auf 91 Mrd. $ im Jahr 2002. Die Verluste durch Betrugsfälle im Online-Handel verdoppelten sich im gleichen Zeitraum von 800 Mill. auf 1,6 Mrd. $. Im Gegensatz dazu werden Kreditkartennummern selten beim Internet-Einkauf missbraucht, obwohl gerade diese Fälle immer wieder für Aufregung gesorgt haben.

Ebay will durch den Datenabgleich für zusätzliche Sicherheit auf Seiten der Käufer und Verkäufer sorgen. "Bei dem Test handelt es sich nicht um eine Bonitätsprüfung", sagt Joachim Guentert, Sprecher von Ebay Deutschland. Außer Namen und Adresse werde zur Sicherheit zusätzlich auch das Geburtsdatum abgeglichen.

Fachanwälte sind jedoch skeptisch, ob Ebay überhaupt auf Schufa-Daten zurückgreifen darf. "Problematisch ist, dass Ebay in diesem Fall weder Käufer noch Verkäufer ist, sondern nur Vertragsmittler", sagt ein Anwalt für Internetrecht aus Düsseldorf. Für eine Schufa-Auskunft müsse man jedoch Vertragspartner sein. Zudem sei der Abgleich im Hinblick auf den Datenschutz brisant, auch wenn keine Informationen über die Kreditwürdigkeit der Kunden ausgetauscht würden. Die Schufa wiegelt ab: Da keine Bonitätsdaten abgefragt würden und Kundensie schon bei der Ebay-Anmeldung auf die Datenabfrage hingewiesen würden, erden, sei die Ebay-Überprüfung unkritisch", sagte eine Schufa-Mitarbeiterin.

Schon jetzt versuchen Online-Portale, Betrug weitgehend einzudämmen: Grundsätzlich ist jeder Ebay-Kunde über ein kostenloses Käuferschutzprogramm teilweise abgesichert. Wem dies zu wenig ist, der kann zusätzlich gegen eine Gebühr einen Treuhänder einschalten. Firmen wie die Nürnberger Iloxx AG stellen Treuhänderkonten zur Verfügung und übernehmen die ordnungsgemäße Abwicklung. Diesen Service bieten auch andere Online-Plattformen an.

Die Gebühr, die meist zwischen Käufer und Verkäufer geteilt wird, bewegt sich zwischen 2 Euro bei einem Warenwert bis 100 Euro und 75 Euro (Warenwert bis 50 000 Euro). Ein Ebay-Sprecher glaubt, dass der Käufer diese Gebühr im Zweifelsfall auch selbst übernehmen könne. Sträube sich der Verkäufer selbst dann gegen die Einschaltung eines Treuhänders, wenn für ihn keine Kosten entstünden, sei das Angebot sehr verdächtig.

Das Portal Yahoo! Inc. listet eine Liste von Indizien auf, die auf Betrugsversuche hindeuten können. Vorsicht sei etwa bei Lieferungen in Länder wie Russland, Malaysia oder Indonesien angebracht, besonders in Verbindung mit kostenlosen Internet-Email-Adressen, die schwer nachzuverfolgen sind. Großbestellungen, insbesondere von teuren Markenwaren, seien ebenfalls verdächtig.

Hilfe durch Gesetzeshüter kommt im Betrugsfall meist zu spät, denn die Staatsanwaltschaft gerät bei der Verfolgung oft ins Hintertreffen. So erstattete der Betreiber einer B2B-Handelsplattform aus Solingen Anzeige gegen einen Anbieter, der offenbar mit sechs verschiedenen Identitäten Laptops in Großmengen angeboten, die Produkte jedoch nie verschickt hatte. "Seit November 2002 wird der Fall von Abteilung zu Abteilung weitergereicht, ohne dass etwas passiert. Unserer Erfahrung nach sind die Staatsanwaltschaften zurzeit personell unterbesetzt und mit solchen Fällen vollkommen überlastet", sagt Rechtsanwalt Tim Geißler, der den Internet-Händler juristisch vertritt.

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