Archiv
Betrug am Sieger

Ende, Aus, verloren! Wieder wurden wir betrogen. Wieder hat sich der Westen gegen uns verschworen und verlieren lassen.

Ende, Aus, verloren! Wieder wurden wir betrogen. Wieder hat sich der Westen gegen uns verschworen und verlieren lassen. Wie schon unsere Eiskunstläufer bei der Winter-Olympiade um ihre Goldmedaillen betrogen und unsere Goldläuferinnen beim Biathlon mit Dopingtests aus der Bahn geworfen wurden, so war auch dieser „Schwarze Mittwoch“ wieder ein Rückfall in den Kalten Krieg. Der Westen hat uns noch immer nicht lieb.

So oder ähnlich werden Moskaus Medien morgen die schmachvolle Niederlage der russischen Hauptstadt bei ihrer Olympia-Bewerbung kommentieren. Genau so auch glauben es die meisten Moskowiter. Denn sie bekommen im Staats-TV nur das verlockendste aller Angebote gezeigt: Da versprach Moskaus Oberbürgermeister Jurij Luschkow in Singapur dem Internationalen Olympischen Komitee, die Hälfte aller olympischen Sportarten bis zu dem Mega-Event 2012 zu erlernen, wenn, ja wenn die Spiele nur an die Moskwa gingen. Bisher ist Luschkow begeisterter Kicker und Tennisspieler, dem seine Frau kürzlich den Pferdesport beigebracht hatte.

Nicht zu sehen hingegen bekommen die Russen in ihren Medien, dass das IOC die Moskauer Bewerbung als die schlechteste aller Zeiten abgebürstet hat, aus der nicht einmal ansatzweise eine Konzeption herauszulesen sei.

Nicht zu hören bekommen sie auch, dass Präsident Wladimir Putin zu Sportlern seines Landes bei einem Stadionbesuch kürzlich gesagt hat: „Hoffentlich bekommen wir die Olympiade 2012 nicht. Das können wir uns nicht leisten. Schon allein bei der Bewerbung sind so viele der dafür bereitgestellten staatlichen Mittel veruntreut worden, dass uns die Spiele selbst das Genick brechen würden.“

Vielmehr wird statt Sportsgeist und dem „Dabeisein ist alles“ die Olympia-Entscheidung wieder einmal für den momentan hoch im Kurs stehenden Patriotismus missbraucht. Und dabei ist es nicht der Westen, der den Kalten Krieg wiederbelebt, sondern – der Kreml selbst. Denn er schürt Misstrauen und Missgunst. Wie schon 1980, der damals vom Westen boykottierten Olympiade in Moskau.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%