Betrugsverdacht bei elektronischer Stimmabgabe
Vivendi Universal will neue Hauptversammlung

Wegen Betrugsverdacht bei der Hauptversammlung in der vergangenen Woche will der Vorstand von Vivendi Universal die Aktionäre im Juni noch einmal zusammenrufen.

WiWo/ap PARIS. Der französische Mischkonzern wollte am Montag Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Möglicherweise hätten Hacker das elektronische Abstimmsystem manipuliert. Vivendi Universal sei vor allem wegen der hohen Enthaltungsrate misstrauisch geworden, erklärte das Unternehmen am Sonntag. Die Entscheidungen großer Aktionäre seien offenbar systematisch in Enthaltungen umgewandelt worden. Das sei ein äußerst schwerer Zwischenfall, der den gesamten Finanzplatz Paris in Mitleidenschaft ziehen könne.

Auf der turbulenten Hauptversammlung in einer großen Pariser Veranstaltungshalle hatten die Aktionäre den umstrittenen Konzernchef Jean-Marie Messier zwar gestützt, ihm jedoch einen Aktien-Optionsplan für das Topmanagement verweigert.

Die Vorsitzende eines Verbands von Kleinaktionären, Colette Neuville, sagte der Zeitung "Les Echos", der Vorstandsvorsitzende einer Aktiengesellschaft dürfe nicht einfach eine Hauptversammlung für ungültig erklären. Das könne allein die Justiz.

Die Aktionärsversammlung vom vergangenen Mittwoch sollte nach dem Willen Messiers eigentlich einen Schlusspunkt unter wochenlange Querelen setzen, bei denen auch über einen Rücktritt des Konzernchefs spekuliert worden war. "J2M" hatte die einstige Compagnie Générale des Eaux mit Milliardenaufkäufen in wenigen Jahren zum Global Player im Mediengeschäft umgebaut.

Nach der Börsentalfahrt der Medienunternehmen waren Goodwill-Abschreibungen in Milliardenhöhe fällig und Messier musste für 2001 einen Rekordverlust ausweisen. Mit dem Rauswurf des Chefs des Pay-TV-Senders Canal Plus rief der Konzernchef in Frankreich einen Sturm der Entrüstung hervor. Investoren bemängelte seine unklare Strategie. Die Aktie verlor seit Jahresbeginn rund 40 Prozent an Wert.

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