Betrugsvorwürfe wegen übertrieben positiver Analysten-Empfehlungen
US-Investmentbanken kaufen sich frei

Die US-Aufsichtsbehörden haben mit einem Vergleich im Gesamtvolumen von 1,4 Mrd. Dollar die Untersuchung von Betrugsvorwürfen gegen etliche Investmentbanken abgeschlossen.

Reuters WASHINGTON. Die Summe sei die höchste in der Geschichte der Wall Street, teilten die Aufsichtsbehörden am Montag mit. Drei Broker - die Citigroup-Sparte Salomon Smith Barney, die zur Credit Suisse gehörende CSFB und Merrill Lynch - legten im Zuge des Vergleichs Betrugsvorwürfe bei. Hintergrund der Ermittlungen sind Vorwürfe, Analysten hätten übertrieben positive Aktienempfehlungen abgegeben, um zusätzliche Geschäfte für die Investment-Sparten ihrer Arbeitgeber zu generieren. Alle zehn an dem Verfahren beteiligten Investmentbanken, darunter die Goldman Sachs Group und Morgan Stanley, legten weniger schwere Vorwürfe wegen des Verstoßes gegen Marktvorschriften bei.

"Wenn es zu Rechtsverletzungen kommt, müssen diese angegangen und bestraft werden", sagte SEC-Chef William Donaldson auf einer Pressekonferenz. Bei den Untersuchungen gegen einzelne Personen hoben die Aufsichtsbehörden die Rolle von Henry Blodget, einem früheren Internet-Analysten bei Merrill Lynch, und Jack Grubman, einem ehemaliger Telekom-Analysten bei Salomon Smith Barney, hervor. Beide haben sich bereit erklärt, Bußgelder in Höhe von fast 20 Mill. Dollar zu zahlen. Zudem dürfen sie nicht mehr im Finanzsektor arbeiten.

Neben Bußgeldern geht es bei dem Vergleich auch darum, den Verstoß gegen Interessenkonflikte der Analyse- und Investment-Banking-Abteilungen innerhalb eines Hauses zu verhindern. So müssen die an dem Verfahren beteiligten Investmentbanken unter anderem ihre jeweiligen Abteilungen physisch trennen. Treffen zwischen Mitarbeitern beider Abteilungen sollen unter Aufsicht gestellt werden.

Die härtesten Auflagen muss die Investmentsparte der Citigroup erfüllen, die sich mit den Aufsichtsbehörden auf Zahlungen in Höhe von 400 Mill. Dollar verständigte, darunter 300 Mill. Dollar an Strafen und Wiedergutmachungen. Merrill Lynch und CSFB sollen jeweils 200 Mill. Dollar zahlen. Auf die Grundzüge des Vergleichs hatten sich die US-Börsenaufsicht SEC, Staatsanwälte und die New Yorker Börse bereits vor vier Monaten mit den Investmenthäusern verständigt.

Trotz der Einigung könne es weitere Untersuchungen gegen einzelne Analysten geben, sagte New Yorks Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer. Anwälte gingen davon aus, dass die Behörden zudem zahlreiche Dokumente und E-Mails veröffentlichen würden, die ein Fehlverhalten der Analysten und Investmentbanker untermauern sollen. Es wird erwartet, dass dies zu einer neuen Welle von Zivilklagen führen könnte, die die Banken weit mehr kosten könnte, als in dem Vergleich vereinbart. "Wir reden über Dutzende Mrd. Dollar bei zukünftigen Verfahren", sagte ein Klägeranwalt.

Die ebenfalls beschuldigte Deutsche Bank nahm an dem Vergleich nach früheren Angaben nicht teil, da die Bank bestimmte von den Aufsichtsbehörden angeforderte Dokumente bislang nicht beibringen konnte. Im vergangenen Dezember waren die Deutsche Bank und andere Investmenthäuser mit einer Strafe von insgesamt mehr als acht Mill. Dollar belegt worden, weil sie E-Mails nicht ordnungsgemäß archiviert hatte.

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