Bevölkerung geht optimistisch ins neue Jahr
Arbeitslosigkeit nicht mehr Hauptsorge der Deutschen

ap BERLIN. Erstmals seit vielen Jahren ist die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes nicht mehr die Hauptsorge der Deutschen. Jetzt fürchten sie sich am meisten vor Jugendkriminalität und Rechtsextremismus. Das ergab die traditionelle Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach zum Jahresende, die der Berliner Rundfunksender "Hundert,6" am Dienstag veröffentlichte. Wie schon Ende 1999 blickt wieder eine Mehrheit der Einwohner Deutschlands optimistisch in das kommende Jahr. 56 % sind hoffnungsfroh gestimmt.

Auf der Liste der Sorgen und Befürchtungen ist die Arbeitslosigkeit auf den fünften Platz abgerutscht. 37 % der Befragten bangen vor allem um ihren Job. 42 % fürchten sich vor der zunehmenden Jugendkriminalität, 41 % vor dem ausufernden Rechtsextremismus, der bisher überhaupt nicht auf der Sorgenskala stand. Auf Platz drei und vier finden sich die Rentenreform und die organisierte Kriminalität. Nach der Arbeitslosigkeit folgen die Angst vor einem schwachen Euro und der Gesundheitsreform auf Platz sechs und sieben.

"Mehr für die Gesundheit tun" - das wollen etwas mehr als 40 % der Deutschen als guten Vorsatz im nächsten Jahr verwirklichen, wie bei einer Erhebung für die Zeitschrift "Funk Uhr" ermittelt wurde. Jeder Vierte plant, abzuspecken. 23,1 % der Befragten wollen sich wieder stärker ihrer Familie oder Freunden zuwenden, 11,6 % mit dem Rauchen aufhören.



Mentale Unterschiede zwischen Ost und West



Nach wie vor stünden sich in Ost- und Westdeutschland "mental zwei Welten gegenüber", sagte Allensbach-Chefin Elisabeth Noelle-Neumann. Die Ostdeutschen fühlen sich durch Rechtsextremisten und junge Straftäter wesentlich stärker bedroht als die Westdeutschen. So nannten in den alten Ländern 38,5 % der Befragten die Jugendkriminalität als ihre größte Sorge, in den neuen Ländern waren es 53,6 %. Ähnlich sieht das Verhältnis beim Rechtsextremismus aus: Diesen fürchten im Westen 38,7, im Osten 51,1 %. Deutliche Unterschiede zwischen den Bewohnern in Ost und West gibt es auch an anderer Stelle. So ist laut Allensbach für lediglich jeden Vierten (25 %) in den neuen Ländern die Freiheit ein höher einzustufender Wert als die Gleichheit. Im Westen meinen dies mehr als 60 %. Nur 18 % stufen dort die Gleichheit höherwertig ein, in der früheren DDR sind es 57 %.



Klage über Kluft zwischen Armen und Reichen



Etwa jeder zweite Ostdeutsche (51,1 %) beklagt der Umfrage zufolge die aus seiner Sicht wachsende Kluft zwischen Armen und Reichen. Ebenso viele glauben an zunehmende soziale Ungerechtigkeit im Lande. Im Westen empfinden nur knapp 31 % genauso. Egoismus und Kälte in der Gesellschaft kritisierten 43,3 % in Ostdeutschland, aber lediglich 25,7 % in Westdeutschland.

Nach wie vor einig sind sich die Einwohner in Ost und West darüber, dass der erste Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, der bisher bedeutendste deutsche Staatsmann sei. 24 % votierten für ihn. Trotz der Parteispendenaffäre stimmten 19 % für Helmut Kohl, der damit Zweiter wurde. Mehr als die Hälfte der Befragten würdigten seinen Beitrag zur Wiedervereinigung. 31 % teilen diese Meinung nicht.



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