Bevölkerung hat Angst um ihre Ersparnisse
Peso fällt nach Freigabe nur zeitweilig

Der argentinische Peso hat sich am ersten Handelstag nach seiner vollständigen Freigabe von der Dollar-Bindung unerwartet stabil gezeigt. Der Dollar verteuerte sich zwar zunächst auf 2,20/30 Peso. Zum Schluss lag aber der Peso mit 2,00/03 zum Dollar auf dem Niveau, wo vor der einwöchigen Aussetzung des Handels am 1.Februar zuletzt notiert worden war.

Reuters BUENOS AIRES. "Es geschah das Gegenteil, was wir erwartet hatten", sagte ein Devisenhändler. Viele Anleger hatten befürchtet, dass der Peso am ersten Handelstag nach der vollständigen Freigabe des Kurses unkontrolliert fallen könnte.

Die Regierung hatte Anfang der vergangenen Woche, den bis dahin für die Exportwirtschaft gültigen festen Wechselkurs von 1,40 Peso je Dollar aufgegeben und die Landeswährung damit völlig dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen. Der Devisenhandel wurde aber erst am Montag erlaubt. Bereits Mitte Januar war die 1991 eingeführte Dollar-Bindung des Peso teilweise gelockert worden.

Am Markt bestünden allerdings erhebliche Zweifel an der Fähigkeit der Regierung von Präsident Eduardo Duahlde, die Finanz- und Wirtschaftskrise des mit 141 Mrd. Dollar hoch verschuldeten Landes in den Griff zu bekommen, sagten Händler. Der Peso könnte sich dementsprechend an den kommenden Tagen zum Dollar deutlich abschwächen. Dadurch könnte die Inflation im rezessionsgeplagten Argentinien weiter angeheizt und damit eine wirtschaftliche Erholung zusätzlich erschwert werden. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's warnte unterdessen, die Kapitalkontrollen könnten die Fähigkeit argentinischer Schuldner einschränken, ihren Zins- und Tilgungszahlungen nachzukommen. Daher sei nicht auszuschließen, dass einige in Zahlungsverzug geraten könnten.

Bevölkerung bangt um ihre Ersparnisse

Die Bevölkerung Argentiniens befürchtet indessen, ihre in Dollar angelegten Ersparnisse zu verlieren, da den Banken die Auszahlung der Dollar-Guthaben von der Regierung untersagt wurde. Lange Schlangen wartender Sparer, die ihre Dollar abheben wollten, bildeten sich deshalb am Montag vor den Wechselstuben und blockierten teilweise den Verkehr in Buenos Aires. Im Gegensatz zu den Geschäftsbanken dürfen Wechselstuben noch Dollar an- und verkaufen. "Ich bin schon um zwei Uhr heute Morgen hergekommen, um pünktlich zur Arbeit zu gehen. Ich habe einige Ersparnisse und ich will sie in Dollar", sagte eine junge Frau in einer Warteschlange vor einer Wechselstube.

Zusätzlich zu dem Verlust ihrer Ersparnisse befürchten die 36 Mill. Argentinier nach der Freigabe des Peso-Kurses eine neue Teuerungswelle. Importwaren und an internationalen Warenterminbörsen gehandelte argentinische Erzeugnisse, wie Rindfleisch und andere Agrarprodukte verteuerten sich bereits mit der Abwertung der Landeswährung deutlich. Zudem werden spekulative Preiserhöhungen beklagt. Eine Einkaufsgemeinschaft in Santa Rosa, in der Provinz La Pampa forderte ihre Kunden zum Boykott solcher Läden auf, die die Preise von Grundnahrungsmitteln, wie Mehl, Nudeln und Öl um bis zu 30 % erhöht haben.

Treffen mit IWF

Argentiniens Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov will sich am Dienstag in Washington mit IWF-Chef Horst Köhler treffen. Lenicov werde auch Gespräche mit dem Präsidenten der Weltbank, James Wolfensohn, führen, teilte ein Weltbank-Sprecher mit. Über die geplanten Themen wurden keine Angaben gemacht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte im Dezember 2001 sein Hilfsprogramm über 22 Mrd. Dollar ausgesetzt, nachdem die damalige Regierung die Staatsfinanzen nicht unter Kontrolle gebracht hatte. Das Land ist mit 141 Mrd. Dollar verschuldet und kann seine Verbindlichkeiten derzeit nicht bedienen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich wenige Tage vor seinem geplanten Besuch in Argentinien skeptisch über weitere internationale Finanzhilfen an Argentinien zum jetzigen Zeitpunkt gezeigt. Schröder sagte am Montag in Mexiko-Stadt, das Wirtschaftsprogramm von Präsident Eduardo Duhalde gehe in die richtige Richtung, müsse aber nachgebessert werden. Es sei "zur Zeit nicht letztlich zu klären", ob die internationalen Finanzorganisationen weitere Hilfen leisten könnten.

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