Bevölkerung unzufrieden mit Politik der pro-syrischen Regierung
Offenbar Wahlerfolg der Opposition im Libanon

Reuters BEIRUT. Bei der Parlamentswahl im Nordlibanon am Sonntag hat sich ein Teilerfolg der Opposition abgezeichnet. Erste vorläufige Ergebnisse, die am Montag veröffentlicht wurden, deuteten darauf hin, dass Drusen-Führer Walid Dschumblatt und der Sohn des früheren Präsidenten Gemajel, Pierre Gemajel, sowie Nassib Lahud, ein verfeindeter Cousin von Staatspräsident Emile Lahud, ihre Wahlkreise für die Opposition gewonnen haben. Sollte sich dieser Trend bestätigen, könnte dies auch Ausdruck der Unzufriedenheit der Wähler mit der schlechten Wirtschaftsentwicklung unter der pro-syrischen Regierung in Beirut sein.

Gewählt wurden im Norden 63 der 128 Abgeordneten. Der Süden des Landes mit der Hauptstadt Beirut soll am kommenden Sonntag abstimmen und 65 Abgeordnete wählen. Drei christliche Parteien hatten zum Wahlboykott aufgerufen. Sie werfen Syrien vor, das Ergebnis der Wahl zu bestimmen. Syrien hat als Ordnungsmacht 35 000 Soldaten im Libanon stationiert. Christen stellen 40 % der Bevölkerung des überwiegend von Moslems bewohnten Landes. Schätzungen zufolge lag die Wahlbeteiligung unter den 1,3 Mill. registrierten Wählern im Norden und im Libanon-Gebirge bei über 50 % und damit höher als bei den beiden Wahlen nach dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990.

Vor den Wahlen hatten die Christen-Parteien Syrien vorgeworfen, den Libanon zu einem Mündel gemacht zu haben und die Wahl massiv zu beeinflussen. Auch der Repräsentant der Glaubensgemeinschaft der Drusen, Walid Dschumblatt, warf der Regierung in Damaskus vor, die Wahlen manipulieren zu wollen.

Einer Rundfunkmeldung zufolge war Ministerpräsident Selim el Hoss nach Syrien geflogen, um mit Präsident Baschar el Assad über die Wahl zu sprechen.

Die Regeln für die Wahlen im Libanon sind durch die Vielfalt der Religionsgruppen bestimmt. Die 128 Mandate für das Parlament in Beirut werden je zur Hälfte zwischen Christen und Moslems und als nächstem Schritt zwischen den 18 anerkannten Glaubensrichtungen aufgeteilt. Deshalb werden im neuen wie im alten Parlament voraussichtlich 27 schiitische und 27 sunnitische Moslems sitzen. Acht Mandate gehen an die Drusen und zwei an die Alawiten.

Der Anteil der Christen geht an 34 Maroniten, 14 griechisch-orthodoxe, acht römisch-katholische und fünf armenisch-orthodoxe Abgeordnete sowie an einen armenischen Katholiken, einen Protestanten und einen Vertreter einer anderen christlichen Glaubensrichtung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%