Bevölkerungsumfrage
Väter setzen zunehmend auf Teilzeit

In Deutschland arbeiten immer mehr Väter auf Teilzeitbasis. Auch wenn ihre Zahl insgesamt und im Vergleich zu Müttern gering bleibt, stieg sie in den vergangenen Jahren um fast 40 %.

Reuters BERLIN. "Hier vollziehen sich in unserer Gesellschaft ganz erhebliche Wandlungen", bewertete der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, am Donnerstag in Berlin eines der Ergebnisse der jüngsten Bevölkerungsumfrage vom April 2002. Während 35 % der erwerbstätigen Mütter Teilzeit arbeiteten, waren es drei Prozent bei den Vätern. Im Vergleich zu 1996 stieg die Zahl der Teilzeit arbeitenden Väter jedoch um 38 % auf 260 000 an.

Während Mütter in Westdeutschland insgesamt weniger arbeiten als Mütter im Osten, ist der Anteil der Teilzeitarbeit in den alten Bundesländern größer als in den neuen. In Ostdeutschland haben hingegen weit mehr Mütter einen Vollzeitjob.

Zum wachsenden Anteil der Teilzeit arbeitenden Väter sagte Hahlen: "Das hat es vor Jahrzehnten überhaupt noch nicht gegeben." Die traditionellen Rollen in den Familien seien zwar noch sehr beherrschend, es gebe aber "beträchtliche Verschiebungen". Während gut drei Viertel der Mütter ihre Teilzeittätigkeit mit persönlichen oder familiären Verpflichtungen begründeten, tat dies nur jeder dritte Vater. Stattdessen arbeitete jeder vierte Vater Teilzeit, weil er keinen Vollzeitjob gefunden hat.

Mütter arbeiten der Studie zufolge mit zunehmendem Alter ihrer Kinder mehr. Der Anteil der Teilzeit arbeitenden Frauen ist mit 46 % am größten, wenn ihre Kinder im Grundschulalter sind. Vollzeitjobs haben indes nur rund 20 % der Mütter mit Kindern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren. Je älter die Kinder werden, desto mehr weichen die Teilzeitjobs der Mütter einer Vollzeitbeschäftigung.

Der so genannte Mikrozensus ist nach Angaben des Statistikamtes die größte jährliche Haushaltsbefragung in Europa. Im April 2002 wurden in Deutschland 830 000 Menschen in rund 390 000 Haushalten befragt - unter anderem auch zu ihrer Arbeitssituation.

"Wir haben festgestellt, dass ein Berufsabschluss auf unserem Arbeitsmarkt mit Gold nicht aufzuwiegen ist", sagte Hahlen. Von den Erwerbstätigen hatte nur etwa jeder sechste keinen beruflichen Abschluss, bei den Erwerbslosen war es fast jeder vierte. Schwer vermittelbar war nach den Statistik-Angaben die Gruppe der Langzeitarbeitslosen, deren Zahl in den vergangenen Jahren erheblich zunahm. Suchten 1991 nur rund ein Drittel der Arbeitslosen seit mehr als einem Jahr nach einem neuen Job, tat dies im April 2002 bereits jeder zweite.

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