Bewährungsprobe für das Weltfinanzsystem
Märkte zeigten ihre Widerstandsfähigkeit

Wie kein Ereignis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges markiert der 11. September 2001 auch für das internationale Finanzsystem eine neue Ära. Nach Geoffrey Bell, dem Chef der "Group of Thirty", haben "die tragischen Ereignisse des 11. September den damals bereits bestehenden gewaltigen Herausforderungen einer Stabilisierung des Weltfinanzsystems eine ganz neue Dimension der Verunsicherung hinzugefügt". Doch seien die meisten der damals an die Wand gemalten Horrorszenarien nicht eingetreten - so vor allem eine von den USA ausgehende, scharfe globale Rezession.

HB BERLIN. In einer von den führenden Versicherungskonzernen der Welt herausgegebenen Studie schreibt Bell den Großteil der Wohlstandsverluste - in Höhe von sieben Bill. Dollar an den US-Aktienbörsen und drei Bill. Dollar an den übrigen Finanzmärkten - dem Platzen des Börsenbooms und den nachfolgenden Bilanzskandalen zu.

In einem Punkt scheinen sich die Experten einig: Der 11. September 2001 hat auch gezeigt, was das seit den Finanzkrisen der neunziger Jahre reformierte Weltfinanzsystem an Schocks alles aushalten kann. Nicht zuletzt dank der engen Zusammenarbeit unter den westlichen Notenbanken, Finanzministern und Aufsehern habe ein Zusammenbruch im Zahlungsverkehr verhindert werden können, meint Andrew Crockett, Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Dass bei der Aufrechterhaltung des Clearings in New York auch führende Auslandsbanken an der Wall Street eine große Leistung vollbrachten, ging ebenfalls in die Annalen ein.

Die BIZ, die "Bank der Notenbanken", konnte in ihrem Dezember-Bericht bilanzieren: Die Terrorakte hätten zwar das Vertrauen der Verbraucher und Produzenten im Umfeld einer weltweiten Verlangsamung des Wachstums weiter erschüttert. Auch seien die unmittelbaren Folgen der tragischen Ereignisse beachtlich gewesen. Die US-Aktienmärkte mussten für vier Tage geschlossen werden. Hinzu kämen die Schäden, die im Geschäftsbetrieb von Inter-Dealer-Brokern, an Kommunikationsverbindungen und einigen Clearing-und Abwicklungssystemen in New York entstanden seien.

Doch konstatierten die BIZ-Chronisten: "Angesichts der Umstände erwiesen sich die meisten Märkte wie auch die Stimmung der Marktteilnehmer als bemerkenswert widerstandsfähig." In dem Bericht heißt es: "Die Währungsbehörden stellten mittels Offenmarktgeschäften, Diskontkrediten und Währungsswaps Liquidität bereit und verstärkten diese Maßnahmen noch durch Leitzinssenkungen." Innerhalb einer Woche arbeiteten daher die meisten Festzinsmärkte wieder, wenngleich mit geringerer Kapazität. Gegen Ende September erholte sich der Markt für Unternehmensschuldtitel. Und schon Mitte Oktober waren die Aktienkurse auf ihr Niveau wie vor den Terror-Anschlägen zurückgekehrt.

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