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Bewährungsstrafe für Kölmel - 'kein Schwerverbrecher'DPA-Datum: 2004-07-22 13:19:28

(dpa-AFX) München/Leipzig - Der Kinowelt-Gründer < KNM.ETR > und einstige Börsenstar Michael Kölmel ist vom Landgericht München wegen Untreue und Insolvenzverschleppung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Außerdem muss er insgesamt 326.000 Euro Geldstrafe und Geldbuße bezahlen. "Bei dem Angeklagten handelt es sich keinesfalls um den Schwerverbrecher, als der er dargestellt wurde", sagte der Vorsitzende Richter Hans-Günther Melchior am Donnerstag in seiner Urteilsbegründung.

(dpa-AFX) München/Leipzig - Der Kinowelt-Gründer < KNM.ETR > und einstige Börsenstar Michael Kölmel ist vom Landgericht München wegen Untreue und Insolvenzverschleppung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Außerdem muss er insgesamt 326.000 Euro Geldstrafe und Geldbuße bezahlen. "Bei dem Angeklagten handelt es sich keinesfalls um den Schwerverbrecher, als der er dargestellt wurde", sagte der Vorsitzende Richter Hans-Günther Melchior am Donnerstag in seiner Urteilsbegründung.

Auch in Leipzig war das Urteil mit Spannung erwartet worden, nachdem die Staatsanwaltschaft neun Jahre Gefängnis für Kölmel gefordert hatte. Der Geschäftsmann hatte mit einem Millionen-Kredit der Leipziger Sparkasse aus dem Kern der alten Kinowelt AG die neue Kinowelt Gmbh gegründet und sich mit der Firmengruppe in Leipzig angesiedelt. Hier hatte er vor einigen Jahren auch den Umbau des Zentralstadions übernommen, das erst vor einigen Wochen eröffnet wurde und einer der Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ist. Auch als Geldgeber für den örtlichen Fußball ist Kölmel für die Stadt wichtig.

Kölmel waren insgesamt 15 Fälle der Untreue sowie Betrug und Insolvenzverschleppung vorgeworfen worden. Nur ein Teil der Vorwürfe habe sich als begründet erwiesen, sagte Melchior. Dabei handelte es sich um Zahlungen der Kinowelt, die Kölmel seit dem Frühsommer 2001 veranlasst habe. Da seinerzeit die finanzielle Schieflage des Unternehmens bereits klar war, habe Kölmel die Geldtransfers pflichtwidrig und vorsätzlich veranlasst und sich in vier Fällen der Untreue mit einem Schaden von rund 2,5 Millionen D-Mark sowie der Insolvenzverschleppung schuldig gemacht. Die Staatsanwaltschaft war von einem Schaden von 59 Millionen D-Mark ausgegangen.

Kernpunkt der Anklage war die geplante Übernahme der Sportwelt durch die Kinowelt, die Kölmel aus Sicht der Staatsanwaltschaft am Aufsichtsrat vorbei betreiben wollte und dafür vorab 30 Millionen D- Mark erhielt. Beide Unternehmen waren später Pleite gegangen. Nach Auffassung des Richters war ein Erfolg der Übernahme jedoch nicht von vornherein ausgeschlossen. "Entscheidend ist, ob der Angeklagte davon ausgehen durfte, dass die Sportwelt faktisch der Kinowelt angehörte, dies war bis zum Sommer 2001 der Fall."

Kölmel zeigte sich von dem Richterspruch erleichtert. "Es bleibt das Gesamtergebnis, dass ich in wesentlichen Punkten freigesprochen wurde." Sein Anwalt Kurt Bröckers kündigte dennoch an, vorsorglich Revision einzulegen. "Wir warten die Urteilsbegründung ab, dann sehen wir, ob wir die Sache weiter verfolgen." Bröckers hatte lediglich den Vorwurf der Insolvenzverschleppung eingeräumt und eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen für ausreichend gehalten. "Der Vorwurf der Untreue besteht aus unserer Sicht zu unrecht", sagte Bröckers.

Auch die Staatsanwaltschaft kündigte eine Überprüfung der Entscheidung an. Er wolle das Urteil nun erst einmal "verstehen", sagte Staatsanwalt Markus Kammann.

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