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Bewegung im Mercedes-Streit - Vorstand bietet Gehaltsverzicht anDPA-Datum: 2004-07-18 17:50:41

(dpa-AFX) Stuttgart/Berlin - Nach Protesten zehntausender Mitarbeiter kommt Bewegung in den schweren Personalkosten-Streit bei Daimlerchrysler < DCX.ETR > . Der Vorstand um Konzernchef Jürgen Schrempp ist Medienberichten zufolge bereit, auf bis zu zehn Prozent des Gehalts zu verzichten. Schrempp sagte, er rechne mit einer baldigen Einigung. Laut Zeitungsberichten könnte es in den nächsten Tagen eine Lösung geben. Am Samstag legten die Proteste erneut die Mercedes-Produktion in Sindelfingen lahm. Am Dienstag sollen weitere Aktionen folgen. Der Streit um eine mögliche Verlagerung von Jobs aus Baden-Württemberg nach Bremen und Südafrika greift auch verstärkt in die Politik über.

(dpa-AFX) Stuttgart/Berlin - Nach Protesten zehntausender Mitarbeiter kommt Bewegung in den schweren Personalkosten-Streit bei Daimlerchrysler < DCX.ETR > . Der Vorstand um Konzernchef Jürgen Schrempp ist Medienberichten zufolge bereit, auf bis zu zehn Prozent des Gehalts zu verzichten. Schrempp sagte, er rechne mit einer baldigen Einigung. Laut Zeitungsberichten könnte es in den nächsten Tagen eine Lösung geben. Am Samstag legten die Proteste erneut die Mercedes-Produktion in Sindelfingen lahm. Am Dienstag sollen weitere Aktionen folgen. Der Streit um eine mögliche Verlagerung von Jobs aus Baden-Württemberg nach Bremen und Südafrika greift auch verstärkt in die Politik über.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir in Kürze eine Lösung herbeiführen", sagte Schrempp der "Welt am Sonntag". "Wir sind in konstruktiven Verhandlungen. Die bisher erreichten Ergebnisse wollen wir aber noch nicht öffentlich diskutieren." Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zufolge sind Schrempp und Konzernbetriebsratschef Erich Klemm zuversichtlich, dass es eine Einigung bereits am Mittwoch geben könnte. Auch Mercedes-Chef Jürgen Hubbert zeigte sich im "Spiegel" optimistisch über eine Lösung.

Schrempp und seine Vorstandskollegen hätten einen Gehaltsverzicht von bis zu zehn Prozent angeboten, berichteten die "Bild am Sonntag" und die "Berliner Morgenpost". Die Schätzungen über Schrempps Jahresgehalt reichten dabei von 7,5 bis 10,8 Millionen Euro. Das Top- Management unterhalb der Vorstandsebene wolle im kommenden Jahr auf eine Gehaltserhöhung verzichten, hieß es unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Der Betriebsrat ist laut Medienberichten zu Zugeständnissen bereit. So könne es für die Beschäftigten in Kantine, Druckerei, Werksschutz und Putzkolonnen einen Ergänzungstarifvertag geben, mit dem sie nicht mehr nach den hohen Tarifen der Metallindustrie entlohnt würden. Auch "Jungfacharbeiter" könnten demnach künftig schlechter bezahlt werden. Über die Höhe der Einsparungen und die betroffenen Arbeitnehmergruppen solle am Montag gesprochen werden, die Gespräche zwischen Vorstand und Betriebsrat werden am Dienstag fortgesetzt. Dann will nach Zeitungsinformationen die komplette Spätschicht in Sindelfingen die Arbeit ausfallen lassen.

Der Vorstand will bei der Produktion der neuen C-Klasse von 2007 an 500 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Der Betriebsrat bot bisher Einsparungen von rund 200 Millionen Euro.

IG-Metall-Vize Berthold Huber machte deutlich, dass dem Entgegenkommen der Gewerkschaft Grenzen gesetzt seien. Die Wiederholung der Forderung "Wir wollen 500 Millionen Euro von euch" sei nicht kompromissfähig, sagte Huber der "Stuttgarter Zeitung" (Montag). Als Voraussetzung für eine Lösung verlangte er längerfristige Sicherheit und Perspektiven für die Standorte und die Beschäftigung.

Im Werk Sindelfingen bei Stuttgart blieb am Samstagmorgen die komplette Frühschicht mit 12 000 Mitarbeitern zu Hause. Rund 1000 Autos wurden dadurch nicht gebaut. Der Betriebsrat hatte Überstunden für die Mitarbeiter der Instandhaltung abgelehnt. Im größten Werk des Autokonzerns stand damit bereits am zweiten Samstag in Folge die Produktion still. Auch im Motorenwerk in Stuttgart-Untertürkheim kam es am Samstag zu einem Produktionsstopp. Die Überstunden von 2500 Mitarbeitern fielen aus.

Die Proteste zehntausender Daimlerchrysler-Beschäftigten in den vergangenen Tagen riefen auch deutsche Spitzenpolitiker auf den Plan. SPD-Chef Franz Müntefering warf Konzernchefs vor in der "Berliner Zeitung" vor, die Arbeitnehmer knebeln zu wollen. Keinerlei Verständnis habe er in diesem Zusammenhang für die Millionengehälter von Spitzenmanagern wie Schrempp: "Die Beträge, die sich manche Großverdiener bei uns in die Tasche stecken, sind jenseits aller Moral."

"Wenn ein Unternehmen den selben Autotyp in Bremen billiger produzieren kann als in Sindelfingen, dann will es diese Kostenvorteile auch nutzen", sagte dagegen die CDU-Vorsitzende Angela Merkel der selben Zeitung. "Das ist doch normal." CSU-Chef Edmund Stoiber betonte in der "Bild am Sonntag", Tarifverträge, die fünf Minuten Pause pro Stunde und Spätzuschläge ab 12.00 Uhr mittags festschrieben, passten nicht mehr in die Landschaft.

Der Daimlerchrysler-Vorstand droht mit dem Abbau von 6000 der mehr als 30 000 Arbeitsplätze in Sindelfingen. Die Produktion könnte dann nach Bremen und Südafrika verlagert werden.

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