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Bewegung in Eigentümerfrage bei Telekom Austria

In die Eigentümerfrage bei der Telekom Austria AG könnte schon bald Bewegung kommen. Die Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG) hat am Mittwoch bestätigt, dass sie über Alternativen für die TA nachdenkt, falls der Miteigentümer Telecom Italia eine Veränderung herbeiführen möchte.

rtr WIEN. Dass sich etwas ändern könnte, davon geht auch der Chef der TA, Heinz Sundt, aus. In einem am Mittwoch erschienenen Interview mit der Illustrierten "News" sagte Sundt zur Eigentümerfrage: "Ich gehe davon aus, dass sich etwas tut und bin überzeugt, dass entsprechende Kontakte zu möglichen Investoren gepflogen werden". Er rechne damit, dass die TI ihre Absichten in den nächsten Wochen deklarieren werde. An der Börse hat die anhaltende Übernahmephantasie die TA-Aktie am Mittwoch auf ein neues Jahreshoch von 8,43 % geführt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie damit um gut 40 % zugelegt. Sie notiert auch nur mehr einen halben Euro unter dem Emissionskurs von 9 ?.

Die TI ist mit 29,8 % an der TA beteiligt, die ÖIAG mit 47,8 % größter TA-Aktionär. Die Syndikatspartner haben gegenseitige Vorkaufsrechte. Die TI ist darüber hinaus noch direkt mit 25 % plus einer Aktie an der Mobilkom Austria AG beteiligt.

Hauptaspekt für die ÖIAG sei aber die Wertsteigerung der TA. Vor einem weiteren Privatisierungsschritt solle der Unternehmenswert noch erheblich steigen. Die ÖIAG sei damit im Einklang mit der TI, sagte ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis am Mittwoch. Gleichzeitig sei man aber dabei, Handlungsalternativen für den Fall zu entwickeln, dass die TI aus ihrer neuen Eigentümersitution heraus eine Veränderung der TA-Beteiligung herbeiführen möchte.

Bisher sei die TI noch nicht mit Veränderungsabsichten an die ÖIAG herangetreten, so Michaelis. Es sei auch noch nicht "mit letzter Klarheit entschieden, was die TI macht". Die ÖIAG erwarte aber noch vor Jahresende eine klare Stellungnahme der TI zu ihrer TA-Beteiligung.

Noch erheblicher Nachholbedarf bei Performance

"Der Transformationsprozess bei der TA ist noch am Anfang - da gibt es deutlichen Nachholbedarf", sieht Michaelis Einigkeit mit den Italienern, die Performance der TA zu verbessern. "Der Aktienkurs von 9 ? ist die Messlatte des Handelns", so Michaelis, der auch TA-Aufsichtsratspräsident ist.

Angesichts der derzeit tristen Börsenentwicklung des Telekomsektors mache ein Secondary Public Offering (SPO) keinen Sinn, so Michaelis, der mit einer nachhaltigen Erholung der Telekombranche erst in zwei bis drei Jahren rechnet. Auch strategische Partner aus dem Bereich seien angesichts der europaweit hohen Verschuldung der Telekomunternehmen derzeit kaum zu finden.

Dass die TI überlege, sich aus Beteiligungen zurück zu ziehen, um ihre Verbindlichkeiten zu reduzieren, sei bekannt und könnte auch die TA betreffen. "Finanzinvestoren könnten eine Alternative sein", sagte Michaelis, der dazu aber keine näheren Angaben machen wollte.

In Medien war zuletzt darüber spekuliert worden, dass der Festnetzbereich der TA an Finanzinvestoren verkauft werden könnte, während die Mobilfunktochter Mobilkom zur Gänze an die TI gehen könnte. Als Muster dafür war die Übernahme der irischen Eircom genannt worden. Große Investoren haben die Führung der Eircom übernommen. In anderen Medien waren große Telekom-Unternehmen als Käufer genannt worden.

Die ÖIAG präferiere eine Lösung, die sich mittelfristig orientiere und die Möglichkeit eröffne, das Potenzial der Telekom Austria zu entwickeln und den Wert des Unternehmens zu steigern, sagte Michaelis. Die Pirelli-Gruppe, die die TI kontrolliert, hatte Ende September bekannt gegeben, dass im Rahmen eines Restrukturierungsplans für die angeschlagenen Töchter Vermögenswerte verkauft werden sollen. Benetton und Pirelli hatten über die Olimpia-Holding den Telekomkonzern Olivetti mit der TI im Juli erworben.

Bei den Festnetzumsätzen liege die TA etwas unter Plan, sagte Sundt in dem "News"-Interview, zugleich seien aber auch die Kosten stärker als geplant reduziert worden. "Das heißt, wir werden den von den Finanzmärkten erwarteten Deckungsbeitrag von 1,2 Mrd. ÖS erreichen", bekräftigte Sundt die Prognose für das Ergebnis. Gegenüber dem Vorjahr werde man den Deckungsbeitrag um 20 % erhöhen, sagte der TA-Chef.

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