Beweisaufnahme noch nicht abgeschlossen
Urteilsverkündung im Prozess wegen Minen an DDR-Grenze vertagt

Reuters MAGDEBURG. Die für Donnerstag erwartete Urteilsverkündung gegen einen Major der DDR-Grenztruppen wegen der Minenfelder an der deutsch-deutschen Grenze ist überraschend auf Freitag verschoben worden. Die Vorsitzende Richterin der Ersten Großen Strafkammer am Magdeburger Landgericht sagte, entgegen der ursprünglichen Planung sei die Beweisaufnahme noch nicht abgeschlossen. Die Anklage wirft dem 64-Jährigen versuchten Totschlag in fünf Fällen und gefährliche Körperverletzung in drei Fällen vor, weil der ehemalige stellvertretende Kompaniechef eines Pionierbataillons der Nationalen Volksarmee im Jahr 1962 die Verlegung von Minen an der DDR-Grenze bei Walbeck und Beendorf in der Nähe von Helmstedt angeordnet hatte.

Nach Angaben der Anklage hatten zwischen 1962 und 1965 insgesamt fünf Personen durch explodierende Minen schwere Verletzungen erlitten. Sie hätten versucht, die Grenze von der Bundesrepublik aus in Richtung DDR zu überqueren. Einigen von ihnen seien dabei Gliedmaßen abgerissen worden.

Das Gericht hatte dem Angeklagten bereits zu Prozessbeginn eine Höchststrafe von eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung in Aussicht gestellt, falls er sein Schweigen zu den Vorwürfen der Anklage brechen sollte. In den Vernehmungen bei Polizei und Staatsanwaltschaft hatte der Mann die Aussage verweigert. Nach dem Angebot des Gerichts hatte er dann aber umfassend ausgesagt. Er hatte seinen Einsatz bei der Minenverlegung zugegeben und sich auf die Befehlskette berufen, in der er nach eigenen Angaben "nur ein kleines Glied" gewesen war.

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