Bewertung der Geschäftslage
DIHK sieht Konjunktur auf neuem Tiefpunkt

Die Konjunktur in Deutschland hat nach der jüngsten Firmenumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) erneut einen Rückschlag erlitten und wird sich im kommenden Jahr nur mühsam erholen.

Reuters BERLIN. Die Bewertung der Geschäftslage durch die Unternehmen habe im Herbst 2002 einen neuen Tiefpunkt erreicht und den Negativrekord aus dem Rezessionsjahr 1993 durchbrochen, teilte der DIHK als Ergebnis seiner Konjunkturumfrage heute in Berlin mit. "Hoffnungen auf einen Aufschwung in diesem Jahr haben sich somit als trügerisch erwiesen", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben laut Redetext. Für die nächsten Monate rechneten die Unternehmen sogar mit einem weiteren Rückgang. "Im Winter müssen wir uns konjunkturell auf eine Durststrecke einstellen. Rezessive Tendenzen sind nicht auszuschließen", sagte Wansleben weiter.

Erst im Laufe des kommendes Jahres dürfte sich das Konjunkturklima etwas aufhellen und werde dabei vom Export getragen, hieß es. Die kraftlose Binnennachfrage bleibe 2003 die Schwachstelle der Konjunktur. Von den inländischen Investitionen und vom Arbeitsmarkt erwartet der DIHK keine Signale für das kommende Jahr. Im Jahresdurchschnitt 2003 werde es weniger Beschäftigte geben als in diesem Jahr.

Tiefstand vom Herbst 1993 übertroffen

Bei der traditionellen Herbstumfrage des DIHK wurden mehr als 25 000 Unternehmen befragt. Die aktuelle Geschäftslage beurteilen dem zufolge nur noch 13 Prozent der befragten Unternehmen als gut. Im Frühsommer seien es noch 15 Prozent gewesen. Fast vier von zehn Firmen gäben jetzt ein Negativ-Urteil ab. Dies seien so viele wie zuletzt im Herbst 1993. Noch zu Beginn dieses Jahres seien es drei von zehn Unternehmen gewesen. Der Saldo zwischen den Positiv- und Negativ-Beurteilungen haben sich gegenüber der Frühjahrs-Umfrage weiter verschlechtert und sogar den bisherigen Tiefstand aus dem Herbst 1993 übertroffen.

Zur Erwartung ihrer künftigen Geschäfte äußerten sich 26 Prozent der Unternehmen positiv, 29 Prozent indes rechnen mit einer Verschlechterung. Anfang des Jahres waren der Umfrage zufolge nur 22 Prozent der Firmen von besseren Geschäftserwartungen ausgegangen, jedoch 34 Prozent von schlechteren. Wansleben betonte, diese aktuellen Erwartungen stünden unter dem Vorbehalt, dass die angespannte Situation im Mittleren und Nahen Osten nicht außer Kontrolle gerate. "Als weiteres Risiko neben einem möglichen Krieg im Irak werden schwerwiegende Terroranschläge genannt", sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer mit Blick auf die Umfrage.

Auf dem Arbeitsmarkt erwarten die Firmen für 2003 zunächst keine Entspannung. Nur noch neun Prozent der Firmen planten derzeit Neueinstellungen. Einen niedrigeren Anteil habe es nur zu Jahresbeginn 1996 sowie 1993 gegeben. Ein Drittel der Firmen baue derzeit Arbeitsplätze ab. Die Streichungspläne fielen bei Großunternehmen dabei drastischer aus als in kleineren Firmen. Der Mittelstand büßt nach den Worten von Wansleben jedoch seine Rolle als Stabilisator auf dem Arbeitsmarkt mehr und mehr ein. "Per Saldo ist auch bei den kleinen und mittleren Unternehmen ein verstärkter Trend zum Personalabbau festzustellen", sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

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