Bewertungsabschläge steigern Attraktivität
Bei Midcaps schlägt die Stunde der Rosinenpicker

Die Terroranschläge vom 11. September haben die Rezessionsgefahren nochmals verschärft. Vor allem europäische Unternehmen mit mittelgroßer Marktkapitalisierung, die als konjunkturabhängig gelten, bescherte dies heftige Kurseinbrüche.

DÜSSELDORF. Ob hier das Ende schon erreicht wurde, ist unsicher, heißt es in einer Studie der Deutschen Bank. Doch die schlechte Bewertung einiger Titel biete jetzt Gelegenheit zu manchem Schnäppchen. Dabei gilt mehr denn je die ebenso banale wie zutreffende Wahrheit, dass Anleger sich ihre Werte sorgfältig aussuchen sollten. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Bank einige Perlen herausgefischt.

Dazu gehört die im Nemax-50 gelistete Medion AG, eine schnell wachsende Marketing- und Dienstleistungsfirma, die Verbraucher- und Unterhaltunselektronik vertreibt. Vorzugsweise arbeitet Medion als Partner großer Discountläden wie Aldi. "Getrieben durch die digitale Revolution wird der Markt für Verbraucherelektronik stark wachsen", heißt es in der Studie. Medions Stärke sei dabei sein Portfolio an Blue-Chip-Kunden, von deren Wachstum das Unternehmen profitieren könne. Das Kursziel sieht Analystin Cora Flurschütz bei 75 Euro in 2002 (aktueller Kurs: 38 Euro)

Nach wie vor mit "strong buy" wird die französische Medidep bewertet. Das Wachstum des Dienstleisters für häusliche Krankenpflege sei ein Symptom für eine Strukturveränderung in Europa; der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung und dem dadurch wachsenden Bedarf an Pflege-Dienstleistungen. In diesem Bereich werden immer mehr ehemals öffentlich erbrachte Leistungen in die Privatwirtschaft ausgelagert. Grund dafür sei der Zwang zur Sanierung der Haushalte. Die Expansion von Medidep werde sich vorerst auf Frankreich beschränken. Das 12-Monats-Kursziel sieht Stephane Radiguet, Analyst der Deutschen Bank, bei 26 Euro (aktueller Kurs: 18 Euro).

Eine Rosine des Telekomsektor stellt nach Ansicht der Experten der britische Telekomausrüster Fibernet dar. Zu seinen Kunden, die er unter anderem mit Intranet und Lokal Area Networks-Lösungen versorgt, gehören Goldman Sachs, die Deutsche Bank und der Daily Telegraph. "Das Wachstumspotenzial in Kombination mit dem fundierten Businessplan macht Fibernet zu einem zwingenden "kaufen"-Kandidaten", heißt es in der Studie.

Vom Trend zu immer stärkerem Outsourcing ehemals öffentlicher Leistungen sowie einer steigenden Nachfrage nach kompletten Dienstleistungsangeboten profitiere auch der ehemalige Bauunternehmer Amey, heißt es in der DB-Studie. Amey hat sich zu einem Dienstleister und Straßenbauer und Transportunternehmen gewandelt. Als Kursziel für die Aktie des Dienstleisters nennt Chris Bamberry von der Deutschen Bank laut Studie 460 Pence (Kurs aktuell: 315 Pence).

Die Firma Dialog Semiconductor aus dem schwäbischen Kirchheim-Teck entwirft komplexe analoge und digitale integrierte Schaltkreise (so genannte Mixed Signal-ICs) und liefert sie an ihre Kunden. Obwohl die Umsatzzahlen für das dritte Quartal auf 20,7 Mill. Euro fielen (Q2: 25,5 Mill.) behalten die Analysten der Deutschen Bank ihre "strong buy" bei.

"Boss-Aktien sollte man kaufen, wenn sie nicht zu teuer sind", sagt Matthias Jörss, Analyst der Sal. Oppenheim Bank und das sei momentan der Fall. Solide Verkaufszahlen (Nettoverkauf: 923,4 Mill. Euro, geschätzt: 1128,6 Mill. Euro 2001) des schwäbischen Herrenmodendesigner Boss lassen der Deutschen Bank zufolge ein Wachstum von 8 bis 10 % pro Jahr erwarten. Gute Wachstumsaussichten habe vor allem die Frauenmode-Kollektion, da das relevante Segment doppelt so groß sei wie das für Männer und der Kollektion die Stärke der Marke "Boss" zugute kommt. Auf Grund dieser Faktoren setzen die Experten das Kursziel für die Boss-Aktie bei 37 Euro fest (aktuell: 18,50 Euro).

Als "sehr attraktiv" bezeichnet Oppenheim-Experte Jörss auch den MDax-Wert Douglas Holding: "Das Unternehmen ist sehr gut positioniert, der Wert ist im Vergleich zum Sektor deutlich unterbewertet." Die Aktie weist derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 aus. Zum Vergleich: Der M-Dax ist mit einem KGV von 19 bewertet.

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