Bezahlfernsehen bietet Hunderte von Filmen per Mausklick an
Premiere und Arcor starten Videothek im Internet

Das Bezahlfernsehen Premiere will nach Informationen des Handelsblatts erstmals mehrere hundert Filme auch im Internet vertreiben. In Zusammenarbeit mit Arcor wird ein gemeinsames Video-on-Demand (Film auf Abruf) eingeführt.

DÜSSELDORF. Premiere und die Telekommunikationsfirma haben einen Vertrag über eine Pilotprojekt über ein umfangreiches Spielfilmpaket auf der Online-Plattform von Arcor unterzeichnet. Man wolle alle Wege zum Kunden nutzen, die sich uns bieten, erklärte Georg Kofler, der vor zwei Monaten die Führung des angeschlagenen Bezahlfernsehens übernommen hat. Bisher verbreitet Premiere sein Programm über Kabel und Satellit. Mit der neuen Kooperation nützt das Pay-TV nicht nur einen neuen Vertriebskanal, sondern gibt zum ersten Mal - probeweise - auch das Endkundengeschäft aus der Hand. Der Testlauf ist vorerst auf sechs Monate begrenzt.

Kofler steht unter großem Erfolgsdruck. Das Bezahlfernsehen, an dem die Kirch-Gruppe mit 69,75 % und der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch mit 22,03 % beteiligt sind, schreibt einen Verlust von täglich 2 Mill. Euro. Bis Ostern muss der frühere Pro Sieben Chef einen Rettungsplan für das Pay-TV mit derzeit 2,4 Millionen Kunden vorlegen. Die liquiden Mittel reichen offenbar nur noch ein halbes Jahr.

Die Arcor Online GmbH, Eschborn, bietet seit Dezember Filme per Mausklick an. Die Preise liegen zwischen 2,50 bis 4 Euro. Die endgültige Liste der Premiere-Filme steht noch nicht. Erfolgsstreifen werden aber voraussichtlich bis zu 5 Euro kosten. Das neue Angebot mit dem Bezahlsender aus Unterföhring soll spätestens im Sommer starten.

Arcor, Tochter der britischen Vodafone (früher Mannesmann) und im Festnetz größter Konkurrent der Deutschen Telekom, will mit seinem Videodienst mehr Kunden ins Netz locken. "Video-on-Demand hat für uns eine hohe strategische Bedeutung", sagte gestern Thomas Götz (38), Chef der 85 Beschäftigte umfassenden Online-Tochter.

Voraussetzung für die Web-Videothek ist ein Breitbandinternetanschluss (DSL). Die Filme können von registrierten Benutzern in wenigen Minuten als verschlüsselte Dateien auf den PC oder Fernseher geholt werden. Der Film kann dann beliebig oft angeschaut werden. Zum Start im Dezember war das Angebot in der Filmdatenbank von Arcor dürftig. Bis nächste Woche wird sich das Angebot ohne Premiere bereits auf 400 Filme belaufen. "Die Kunden nehmen das Angebot erstaunlich gut an", freute sich Götz.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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