Beziehungen zu Russland könnten sich verschlechtern
USA weisen mehr als 40 russische Diplomaten aus

Die USA haben einen Monat nach der Festnahme des Moskauer Spions Robert Hanssen die Ausweisung Dutzender russischer Diplomaten angeordnet. Sechs Diplomaten sollten noch im Laufe des Donnerstags offiziell zu "personae non gratae" erklärt werden. Zwischen 40 und 50 weitere würden "gebeten", das Land demnächst zu verlassen. Dies wäre die massivste Ausweisung russischer Diplomaten seit 1986.

dpa WASHINGTON. Die sechs ersten Diplomaten auf der Liste sollen unmittelbar in den Spionagefall Hanssen verwickelt gewesen sein. So hätten sie unter anderem seine in toten Briefkästen im Raum Washington verteilten geheimen Unterlagen eingesammelt und ausgewertet.

Laut dem Fernsehsender CBS wurde der russische Botschafter Juri Uschakow am Mittwochnachmittag ins Außenministerium zitiert. Dort habe ihm Außenminister Colin Powell erklärt, die sechs Diplomaten müssten das Land in den nächsten Tagen verlassen. Für die bis zu 50 weiteren Diplomaten, die noch ausgewiesen werden sollen, wurde aber kein Zeitrahmen genannt.

Von den sechs Diplomaten haben bereits einige nach unbestätigten Berichten das Land verlassen. Unter anderem war der Presseattache der Botschaft, Wladimir Frolow, kürzlich überraschend abgereist. Die übrigen müssen die USA innerhalb von 48 Stunden verlassen, sobald sie zur unerwünschten Person erklärt werden. Das Außenministerium rechnet damit, dass Moskau mit Ausweisungen von amerikanischen Diplomaten reagieren wird.

Nach amerikanischen Medienberichten ist dies die massivste Ausweisung von russischen Diplomaten seit 1986, als der damalige Präsident Ronald Reagan 80 Botschaftsangehörige des Landes verwies. Aus dem Bundeskriminalamt FBI verlautete, der neue Präsident George W. Bush nehme den Fall Hanssen nur als Vorwand, um die russische Spionagetätigkeit in den USA einzuschränken. Nach Einschätzungen des US-Geheimdienstes operieren zurzeit etwa 450 russische Spione in den USA. Dies sei ein deutlicher Anstieg gegenüber den vergangenen Jahren.

Der hochrangige FBI-Mitarbeiter Hanssen war Mitte Februar festgenommen worden. Der 56-Jährige soll unter anderem einen geheimen Abhörtunnel des US-Geheimdienstes unter der Moskauer Botschaft in Washington verraten haben. Hanssen hatte 25 Jahre lang für das FBI gearbeitet, zuletzt als Verbindungsmann zum Außenministerium, wo er die Akkreditierung ausländischer Diplomaten in den USA überprüfte.

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