BFH: Abzugsverbot für „häusliches Arbeitszimmer“ greift nicht: Notfallpraxis im Haus voll absetzbar

BFH: Abzugsverbot für „häusliches Arbeitszimmer“ greift nicht
Notfallpraxis im Haus voll absetzbar

Aufwendungen für eine ärztliche Notfallpraxis im eigenen Haus können grundsätzlich als Betriebsausgaben voll von der Steuer abgezogen werden. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) jetzt in einem aktuellen Urteil entschieden.

ke DÜSSELDORF. Das Abzugsverbot für ein häusliches Arbeitszimmer greife bei dieser Konstellation nicht ein, und zwar selbst dann nicht, wenn die Praxis mit Wohnräumen des Arztes räumlich verbunden sei, urteilten die Richter des IV. Senats. Der BFH hatte in den letzten Wochen schon in mehreren Entscheidungen die steuerliche Einordnung von Arbeitszimmern präzisiert.

Im Urteilsfall betrieb ein Ärzteehepaar eine Gemeinschaftspraxis. Das Paar selbst lebte in einem Wohnhaus im selben Ort und unterhielten dort im Keller einen Behandlungsraum für Patienten. Daran angrenzend befand sich eine Patiententoilette. Die Eheleute nutzten diese Räume während der Bereitschaftsdienste als Notfallpraxis. Gegenüber dem Finanzamt machten sie anteilig Gebäudeaufwendungen und Abschreibung als Betriebsausgaben geltend. Finanzamt und später Finanzgericht verweigerten jedoch die Anerkennung mit Verweis aus das Abzugsverbot bei häuslichen Arbeitszimmern. Das Abzugsverbot greift immer dann, wenn die Berufstätigkeit hauptsächlich in anderen Räumen ausgeübt wird.

Der BFH revidierte nun diese Entscheidung und verwies die Sache an das Finanzgericht zurück. Dies müsse noch klären, zu welchem Anteil die Kläger die Notfallpraxis auch zu außerbetrieblichen Zwecken genutzt hätten. In der Sache hob der BFH zudem hervor, dass eine Notfallpraxis, also Räume, die erkennbar zur Behandlung von Patienten eingerichtet und für diese leicht zugänglich seien, sich im Hinblick auf Ausstattung und Widmung für den Publikumsverkehr deutlich von einem Arbeitszimmer unterscheide. Stelle das Finanzgericht fest, dass die Voraussetzungen für eine Notfallpraxis vorlägen, seien die durch die betriebliche Nutzung veranlassten Kosten voll abziehbar, wenn die Räume nahezu ausschließlich betrieblich genutzt würden. Zeiten der Nichtnutzung dürften allerdings nicht der privaten Nutzung zugerechnet werden.

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BFH: IV R 7/01

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