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bfinance-Konsensus für Zinssätze und Wechselkurse (November 2003)

Quo vadis, Euro? Auf den ersten Blick weiter in Richtung der 1,20 Dollar-Marke. Für kommenden ...

Quo vadis, Euro? Auf den ersten Blick weiter in Richtung der 1,20 Dollar-Marke. Für kommenden April liegt der Mittelwert der europäischen Einheitswährung im bfinance-Konsensus bei 1,18 Dollar, im Jahresdurchschnitt könnte es der Euro nach den Berechnungen der 17 befragten Banken sogar auf 1,19 Dollar schaffen. Die Erwartungen für ein starkes Wachstum außerhalb der USA und der Druck der amerikanischen Verantwortlichen auf China und Japan, ihre Währungspolitik zu ändern, bestätigen nach Auffassung von Andy Bevan, Volkswirt bei Goldman Sachs, die Voraussage, dass der Dollarkurs weiter sinken wird. Und viele Experten pflichten ihm bei - die Investmentbanker von Merrill Lynch sehen den Euro im Jahresdurchschnitt 2004 sogar bis auf 1,30 Dollar klettern.
Doch ausgerechnet einige Ökonomen aus der Eurozone möchten diesen Optimismus nicht ganz teilen. Besonders die Volkswirte von Natexis Banques Populaires zeigen sich skeptisch, was die nahe Zukunft der Einheitswährung angeht. In der wenig glanzvollen Situation eines abgeschwächten Wachstums in Euroland, das nur auf einen Aufholprozess und Nebeneffekte der amerikanischen Wirtschaftsdynamik baut, könne man über die jüngsten Kursgewinne des Euro ganz objektiv nur lächeln. Die Grundtendenz eines Wirtschaftswachstums um drei Prozent in den Vereinigten Staaten und von gerade einmal 1,8 Prozent in der Eurozone, dazu noch niedrige Inflationsraten und ein immer weiter anwachsendes Defizit, stützten die Prognose eines Durchschnittskurses des Euro von 1,08 in 2004. Dabei geben ihnen nicht nur die Kollegen von der HypoVereinsbank, die den Euro im April bei 1,05 Dollar sehen, Recht. Denn auch die vor Kurzem bekannt gegebene Zahlen zum Wirtschaftswachstum in den USA, das sich im dritten Trimester auf 7,2 Prozentpunkte belief, unterstreiche die Möglichkeit einer baldigen Euro-Baisse.
Kaum Bewegung gebe es hingegen bei den kurzfristigen Zinsen. Am 28. Oktober bestätigten die amerikanischen Zentralbanker noch einmal das Niveau der Fed Funds von einem Prozentpunkt, und die Mehrzahl der am bfinance-Konsensus teilnehmenden Banken vertraut darauf, dass sich daran in den kommenden sechs Monaten nichts ändern wird. Phillippe d'Arvisenet, Chefvolkswirt von BNP Paribas, hält jedoch für kommendes Jahr eine Hausse der US-Zinsen um 25 bis 50 Basispunkte für wahrscheinlich. Und Marc Touati von Natexis Banques Populaires ist der Ansicht, "dass die Fed sich schließlich wieder an die ökonomische Wirklichkeit in den Vereinigten Staaten annähern und den Leitzins innerhalb eines Jahres auf zwei Prozent anheben wird." Auch von der EZB erwarten die Ökonomen derzeit keinen Aktionismus. Inflationstendenzen seien nicht in Sicht, eine Zinserhöhung wäre daher unnötig und bei der aktuellen Wirtschaftslage Gift für das Wachstum. Eine Senkung sei dagegen wahrscheinlicher, stehe aber zumindest noch nicht zur Debatte.
Die zunehmende Verschuldung der öffentlichen Haushalte in den Vereinigten Staaten, der wirtschaftliche Wiederaufschwung sowie auf lange Sicht Antizipationen auf kletternde Börsenkurse und Leitzinsen bringen schon jetzt die Prognosen der US-Langfristzinsen in Fahrt. Diese liegen aktuell bei 4,30 Prozent, doch bereits im bfinance-Konsensus des Vormonats hatten die Volkswirte eine Steigerung bis zum Jahreswechsel auf 4,39 Prozentpunkte vorausgesehen. Nun legten sie noch einmal nach: Auf 4,49 sollen die Sätze bis Ende Januar 2004 klettern.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 12.11.2003

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