BGA erwartet nur noch 1,3 % Wachstum in Deutschland
Deutscher Groß- und Außenhandel im Stimmungstief

Die Stimmung bei den Unternehmen im Groß- und Außenhandel hat sich im Verlauf dieses Jahres stark eingetrübt. Während zu Beginn dieses Jahres nur 22 % der Firmen die wirtschaftliche Lage als schlecht bis sehr schlecht bewerteten, sind es jetzt 55 %.

hop BERLIN. Nur noch 5 % der Unternehmen erteilen der aktuellen Wirtschaftslage die Noten gut bis sehr gut, vor einem halben Jahr war es noch ein Viertel. Dies geht aus der Sommer-Umfrage des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) bei mehr als 1 000 Unternehmen hervor.

Innerhalb Deutschlands gebe es ein starkes Gefälle, erläuterte BGA-Präsident Anton Börner gestern in Berlin. Besonders schlecht sei die Stimmung bei den Unternehmen in Ostdeutschland. Dort halten fast drei Viertel der befragten Firmen die Lage für schlecht bis sehr schlecht. In Westdeutschland sind es etwas mehr als die Hälfte. Bundesweit hängt der Groß- und Außenhandel laut Börner "in einem Stimmungstief".

Der Verband hat deshalb die Wachstumserwartungen für die Gesamtwirtschaft in diesem Jahr zurückgenommen. "Wir sehen nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,3 %", sagte Börner. Im Januar hatte der BGA noch 1,9 % Wachstum prognostiziert. Auch für 2002 sind die Mitglieder des BGA, der 150 000 Unternehmen vertritt, skeptisch. 45 % der Befragten erwarten ein Wachstum zwischen 1 und 1,5 %, mehr als ein Drittel (38 %) geht sogar von weniger als 1 % aus.

Entsprechend zurückhaltend sind die Umsatz- und Ertragserwartungen. Im Sommer 2000 hatte noch gut jedes zweite Unternehmen mit besseren Geschäften und steigenden Umsätzen gerechnet. In diesem Sommer seien es nur noch 37 %, sagte Börner. Und für das nächste Jahr falle der Anteil weiter: auf 32 %. Hingegen befürchteten jetzt 38 % der Firmen im laufenden Geschäftsjahr rückläufige Umsätze und 42 % schrumpfende Gewinne. Weniger als ein Viertel erwartet eine Ertragsverbesserung. Für 2002 sieht die Mehrheit jedoch ein Ende der Talfahrt und wenigstens eine Stagnation bei Umsatz und Gewinn.

Unternehmen planen weniger Investitionen

"Das Stimmungstief ist fatal für die Investitionen", betonte Börner. In diesem Jahr wollten nur noch 28 % der Unternehmen ihre Investitionen erhöhen, für das nächste Jahr planten dies sogar nur noch 18 %. Im Jahr 2000 habe der entsprechende Anteil noch bei 38 % gelegen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen wolle für Investitionen nicht mehr ausgeben als bisher.

Angesichts der eingetrübten Erwartungen werde vor allem weniger Geld in die Geschäftserweiterung gesteckt. Während dies vor einem Jahr noch 38 % der Firmen planten, sind es jetzt nur noch 21 %. Wichtiger werden Ersatzinvestitionen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, und Rationalisierungsinvestitionen.

Laut Börner "drückt diese Entwicklung voll auf die Beschäftigung". Während in diesem Jahr ein Viertel der Unternehmen wahrscheinlich Mitarbeiter entlassen muss, wollen nur noch 14 % zusätzliche Stellen schaffen - eine Halbierung in Jahresfrist. Auch im nächsten Jahr sei kaum mit mehr Arbeitsplätzen zu rechnen.

BGA für Spitzensteuersatz von 33 Prozent

Börner räumte trotz der negativen Umfrageergebnisse ein: "Die Daten sind gar nicht so schlecht. Was wirklich schlecht ist, ist die Stimmung." 83 % der Firmen hätten die zu hohe Steuer- und Abgabenlast, 73 % die Überregulierung des Arbeitsmarktes und zwei Drittel die rot-grüne Wirtschaftspolitik als Hauptursache für die Konjunktureintrübung genannt.

Um die Stimmung wieder zu verbessern, fordert Börner ernst zu nehmende Signale der Politik, die Steuerlast senken und die Arbeitsmärkte deregulieren zu wollen. Bei der Einkommensteuer schlug der BGA-Präsident einen Spitzensteuersatz von 33 % vor. Eine tief gehende Steuerreform finanziere sich vor allem durch stärkeres Wirtschaftswachstum selbst. Außerdem müsse die Ökosteuer zurückgenommen werden. Zur konsequenten Haushaltskonsolidierung von Finanzminister Hans Eichel sieht Börner keine Alternative.

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