BGH klärt Schadensersatz bei Missachtung von Vorgaben zur Anlagestrategie
Keine fiktiven Fonds-Gewinne

Wer sein Geld in die Hände eines Finanzdienstleisters gibt, vereinbart gewöhnlich - je nach Temperament - eine vorsichtige oder spekulative Anlagestrategie. Hält sich der Dienstleister nicht an die Konzeption, muss er, wenn es schief geht, Schadensersatz zahlen - auch für den entgangenen Gewinn.

lg KARLSRUHE. Doch weil der nicht bis hinters Komma berechnen lässt - auch eine konservative Strategie lässt dem Vermögensverwalter einen beträchtlichen Spielraum - geht der Bundesgerichtshof (BGH) einen verbraucherfreundlichen Mittelweg: Der geprellte Anleger braucht lediglich die Umstände beweisen, aus denen sich mit "Wahrscheinlichkeit" ergibt, dass er den behaupteten Gewinn erzielt hätte.

In einem neuen Urteil macht der III. Zivilsenat jedoch deutlich, dass sich der eingeforderte Gewinn an der wahrscheinlichen Wachstumskurve der konkreten Anlageform orientieren muss. Ein Anleger hatte bei einem international tätigen Finanzdienstleistungsunternehmen im guten Börsenjahr 1997 einen Vermögensverwaltungsvertrag über rund 215 000 US-Dollar mit folgender Vorgabe unterschrieben: "konservativ, Wachstum, 5 % Aktienoptionen (Gewinne aus Optionsgeschäften können reinvestiert werden)". Doch von "konservativ" war hinterher nichts zu spüren: Der Dienstleister investierte - in einem unsystematischen "Herumgezocke", wie der Kläger behauptete - kräftig in Technologiewerte an der Nasdaq, außerdem lag auch der Anteil der naturgemäß hoch spekulativen Optionsscheine meist deutlich über 5 %. Als der Kunde im April 1998 kündigte, war sein Depot um etwa 70 000 Dollar geschrumpft. Er klagte auf Schadensersatz.

Bei der Schadensberechnung war das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf auf einen Kursgewinn von satten 56 % gekommen, den das Unternehmen erzielt hätte, wenn es 95 % des Depots mit konservativ-wachstumsorientierten Werten bestückt hätte. Es sprach dem Kläger fast 300 000 Dollar zu. Grundlage der Rechnung war ein vergleichbarer Fonds, der ebenjene Quote erzielt hatte.

Der BGH dagegen hielt dies für nicht tragfähig. Denn hier ging es um ein Einzeldepot, das nach Ansicht der Richter mit einem Fonds nur begrenzt vergleichbar ist: Ein Fonds könne auf Grund des größeren Anlagekapitals anders diversifizieren und damit Risiken besser ausgleichen als ein Einzeldepot. Zudem könne er wegen seiner starken Marktmacht möglicherweise günstigere Bedingungen für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren aushandeln.

Gleichwohl bleibt der BGH bei seiner Linie, geschädigten Anlegern keine detaillierten Schadensberechnungen aufzuerlegen. Ein geschätzter pauschaler Abschlag auf die Entwicklung eines Fonds mit gleicher Anlagekonzeption sei ausreichend.

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