BGH-Urteil zu Immobilienkrediten
Banken reagieren gelassen

Kreditinstitute rechnen nach dem BGH-Urteil zu Immobilienkrediten nicht mit Rückzahlungen in erheblichem Ausmaß. Analysten empfehlen unterdessen wieder die Aktie der Hypo-Vereinsbank.

HB/mv DÜSSELDORF. Lebhaft diskutieren Experten die Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH), wonach Immobilienkredite, die "an der Haustür" abgeschlossen wurden, widerrufen werden können. Die Kernfrage lautet: Welche Folgen kommen nun auf die Banken zu? Nach dem am Dienstag verkündeten Urteil können Verbraucher einen Immobilienkredit, der durch Vermittler in einer Haustürsituation abgeschlossen wurde, unbefristet widerrufen, wenn sie nicht ordnungsgemäß über ihr Widerrufsrecht belehrt wurden.

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) bemühte sich auch gestern, die bereits vor dem Urteil laut gewordenen Vermutungen zu zerstreuen, die Bank müsse jetzt mit Rückforderungen in Milliardenhöhe rechnen. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung hatte ein Sprecher darauf hingewiesen, dass der Anteil an Kreditvermittlungen durch Strukturvertriebe, die möglicherweise widerrufen werden könnten, nur einen Bruchteil des gesamten Volumens der Immobiliendarlehen ausmache.

Wie groß der sei, könne man nicht sagen: Die Datenerfassung in der Bank unterscheide nicht nach Vertriebsformen. Auf jeden Fall aber müsse immer eine "Haustürsituation" nachgewiesen werden. Außerdem bleibe der Bankkunde auch nach einem Widerruf des Kreditvertrages Eigentümer der Immobilie und müsse die offene Darlehenssumme zurückzahlen. Der BGH hatte dazu in seinem Urteil erklärt, dass der Widerruf des Darlehens nicht ohne weiteres auch die Rückabwicklung des Immobilienkaufvertrages zur Folge habe.

Andere Banken wie etwa die aus der Spaltung der DePfa Deutsche Pfandbrief Bank hervorgegangene Aarealbank, die in Finanzkreisen neben der HBV nach dem BGH-Urteil als "betroffen" genannt wurde, befürchtet keine negativen Auswirkungen: Haustürgeschäfte seien nie ein Vertriebsweg der DePfa gewesen, erklärte ein Sprecher.

Auch der Name Berliner Bankgesellschaft fiel im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften im Osten. Die Berliner Bank und die Landesbank hätten in der Immobilienfinanzierung und im Vertrieb mit externen Vermittlern kooperiert, hieß es. Dennoch gehe man davon aus, dass man vom BGH-Urteil nicht betroffen sei, da in den meisten Fällen keine "Haustürsituation" vorgelegen habe.

Bei den Analysten waren die Unsicherheiten über die Auswirkungen des BGH-Urteils gestern ebenfalls Tagesthema. Die HVB-Aktie war unmittelbar nach der Urteilsverkündung um fast 4 % eingebrochen. "Viel Rauch um nichts" schreibt jedoch die WestLB in einer Mitteilung. Die Entscheidung habe keine signifikante Bedeutung für die HVB, sagen die WestLB-Analysten und zitieren zum Beleg die Rechtsauffassung der Bank. Sie sehen die aktuelle Kursschwäche als "exzellente" Gelegenheit, die unterbewertete Aktie der HVB zu kaufen, die stark auf eine konjunkturelle Erholung reagieren dürfte. Ihre Kollegen von Sal. Oppenheim rechnen dagegen mit einem dauerhaften negativen Einfluss, wenn die Unsicherheit über die Folgen des Urteils für die Bank länger anhalte. HelabaTrust gewichtet die HVB-Aktie weiterhin neutral.

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