BHW-Rückzug lähmt den Markt: Chance für Börsengänge sinkt auf Null

BHW-Rückzug lähmt den Markt
Chance für Börsengänge sinkt auf Null

In Deutschland wird es in den kommenden Monaten voraussichtlich keinen Anlauf für einen Börsengang geben. Nach der gescheiterten Platzierung der BHW-Aktien ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt.

HB FRANKFURT/M. Exakt eine Woche nach der Jubelmeldung über eine überraschend hohes Interesse von Privatanlegern an der BHW-Aktie kam das Aus: Nach der Bruchlandung von Private Media ist auch der zweite Versuch in diesem Jahr misslungen, ein größeres Aktienpaket in Deutschland zu emittieren. Die Niederlage für den Baufinanzierer BHW Holding AG und das Bankenkonsortium mit Dresdner Kleinwort Wasserstein und der CSFB an der Spitze lässt die Chancen für geplante Börsengänge bis Ende Frühjahr gegen Null sinken.

"Die Stimmung hat sich durch die Fehlschläge so verschlechtert, dass wir die ersten Börsengänge nun frühestens in vier Monaten sehen werden", sagt René Parmantier von der Gontard & Metallbank, und spricht damit deutlich aus, was seine Kollegen nur hinter vorgehaltener Hand sagen. Auch Roland Welzbacher, bei Concord Effekten für Corporate Finance zuständig, geht davon aus, dass in nächster Zeit keine großvolumigen Platzierungen erfolgen werden.

Damit dürfte auch die größte für Deutschland angekündigte Neuemission, der Börsengang der Telekom-Tochter T-Mobile, frühestens im Herbst stattfinden. Wunschtermin von Telekom-Chef Ron Sommer ist Juni. Um diesen Termin halten zu können, wäre nach Meinung von Carmen Weber, Fondsmangerin bei Metzler Investment ein "extremer Stimmungsumschwung zu Gunsten von Telekomwerten notwendig", den sie für unwahrscheinlich hält. Die Kursentwicklung der T-Aktie, aber auch die der amerikanischen T-Mobile-Konkurrenten wie Sprint, dessen Papiere seit Jahresanfang mehr als die Hälfte an Wert verloren haben, deuten nicht darauf hin. Weber kann sich sogar vorstellen, dass der Börsengang der Telekom-Tochter in 2002 überhaupt nicht ansteht. "Von Juni sind wir jetzt jedenfalls meilenweit entfernt", sagt ein Vertreter einer internationalen Großbank. Aus Kreisen der Telekom hieß es am Freitag jedoch, sowohl der Juni als auch der von der Telekom ins Spiel gebrachte Alternativ-Termin November seien noch möglich.

Optimismus der Telekom

Für den Optimismus der Telekom spricht, dass sowohl die BHW-Absage wie bereits das Scheitern des Pornoanbieters Private Media Gründe hatte, die nicht direkt auf andere Kandidaten zu übertragen sind. Ausschlaggebend ist jedoch der atmosphärische Schaden, den die beiden Fehlversuche anrichteten, sagen Experten. Bei Private handelte es sich um eine Zweitplatzierung, bei BHW um eine Umplatzierung eines Pakets von 58,5 Mill. Aktien - überwiegend aus dem Bestand der Beteiligungsgesellschaft des Beamtenbundes (BTA). Gescheitert ist die Platzierung der Aktien letztlich an den unterschiedlichen Preisvorstellungen. Selbst für 18,50 Euro soll die Nachfrage von institutioneller Seite nicht groß genug gewesen sein, hieß es aus Kreisen des Konsortiums. "BHW bot zu wenig Neues, um ein Interesse an der Aktie zu begründen. Bei stabilen aber nicht allzu hohen Wachstumsraten war die Aktie zu teuer", sagte Rolf Drees von Union Invest.

BHW und BTA ihrerseits erklärten, der realisierbare Platzierungspreis werde "der Substanz der Aktie in keiner Weise gerecht". Der Kurs war seit Dezember von 33 auf 19 Euro gefallen. Nach der Absage der Platzierung stieg er am Freitag zeitweilig um mehr als 20 % und schloss mit einem Plus von 16 % bei 21,98 - für Drees ein Hinweis, dass so genannte Short Seller mit Leerverkäufen den Kurs beeinflusst hatten. Sie hätten mit dem Verkauf von geliehenen Aktien den Kurs nach unten gedrückt, in der Hoffnung, sich billig wieder eindecken zu können. Diese Spekulanten mussten sich am Freitag am Markt mit Papieren eindecken, was den Kurs wieder anziehen ließ.

Tiefe Skepsis der Investoren

"Auch wenn der Fall BHW nicht unbedingt repräsentativ ist", wie auch Fondsmangerin Weber anmerkt, und "es immer ein schwieriges Unterfangen ist, 1,4 Mrd. Euro für einen M-Dax-Wert einzusammeln", wie Michael Bednar von UBS Warburg zu bedenken gibt, zeigt das Scheitern die tiefe Skepsis der Investoren. Frühestens im zweiten Halbjahr, bei deutlichen Anzeichen einer konjunkturellen Aufhellung und steigenden Kursen, dürfte die IPO-Konjunktur in Deutschland wieder in Gang kommen, glauben die Experten.

Die ursprünglichen Hoffnungen auf 40 bis 50 Börsengänge in diesem Jahr wurden durch Private und BHW zunichte gemacht. Fondsexperte Drees geht aber immerhin noch von einer deutlich zweistelligen Zahl an Platzierungen aus: "Dafür brauchen wir profitable Unternehmen mit einem überzeugenden Management, einer guten Story und einer guten Begründung dafür, wozu sie das Geld aus dem Börsengang verwenden wollen."

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