Biedenkopf mahnt zu Geduld mit Merkel und Merz
In der CDU werden Zweifel an Zukunft von Merz lauter

ddp BERLIN/MÜNCHEN. Angesichts schlechter Umfragewerte wachsen in der Union Zweifel an der Zukunft von Unions-Fraktionschef Friedrich Merz (CDU). Sollten die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg der CDU nur magere Ergebnisse bescheren, müsste Merz möglicherweise sein Amt an CDU-Chefin Angela Merkel abgeben, sagte ein Unions-Abgeordneter. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" schreibt unter Berufung auf Unions-Politiker, Merz könnte vor allem im Falle einer Wahlschlappe in Baden-Württemberg seinen Posten an die CDU-Chefin verlieren. Rückendeckung erhielt der Fraktionschef vom sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) und vom Bremer CDU-Chef Bernd Neumann.

Es gebe "überhaupt keine Veranlassung, den Fraktionsvorsitzenden im Falle einer Wahlniederlage abzulösen", sagte Neumann und fügte hinzu: "Es wäre doch zu einfach gestrickt, ein schlechtes Wahlergebnis einfach auf Merz zu schieben." Auch andere Unions-Politiker hätten in jüngster Zeit zum disharmonischen Bild der Union beigetragen, sagte Neumann. Sachsens Ministerpräsident Biedenkopf mahnte trotz des Umfragetiefs der CDU zu Geduld mit Merz und Merkel.

Der "Spiegel" schreibt, Unions-Politiker wollten im Falle einer Wahlniederlage in Baden-Württemberg das mögliche Bedürfnis nach einem Einschnitt mit einem Wechsel an der Fraktionsspitze befriedigen. Die Südwest-CDU ist in Umfragen auf unter 40 % abgerutscht. Merz - der zuletzt bei Sympathie-Umfragen einen Negativrekord als Oppositionsführer eingefahren hatte - müsste dann der an der Basis beliebteren Parteichefin Merkel weichen, schreibt der "Spiegel".

Vorgriffsrechte auf Kanzlerkandidatur

Selbst wenn die baden-württembergische CDU die Koalition mit der FDP nach der Wahl fortsetzen könne, werde ein Opfer von Merz erwartet. Dieser müsse Merkel öffentlich das Vorgriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur einräumen, heißt es laut "Spiegel" in der Parteispitze. Weder die Berliner CDU-Zentrale noch ein Sprecher der Unions-Fraktion wollten den Bericht kommentieren.

Laut "Spiegel" drängen Spitzenpolitiker der Union darauf, dass neben Merkel und Merz auch andere Unions-Politiker stärker zur Geltung kommen. Nach Angaben des Blattes ist CDU-Vize Volker Rühe mit CSU-Landesgruppenchef Michael Glos und CSU-Vize Horst Seehofer bei einem informellen Treffen überein gekommen, dass Seehofer und Rühe selbst sowie der ehemalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) stärker in den Vordergrund gestellt werden sollen. Ein Mitarbeiter Rühes sagte dazu, es habe kein informelles Treffen gegeben. Vielmehr hätten sich mehrere Teilnehmer der letzten Sitzung des Geschäftsführenden Fraktionsvorstandes nachher "zu einem Glas Wein" zusammengesetzt. Auch eine Sprecherin der CSU-Landesgruppe bestritt ein informelles Treffen.

Seehofer sagte, als Konsequenz aus dem Umfragetief müsse die Union ihr Profil schärfen. CDU und CSU müssten zu einem "glasklaren strategischen Ansatz zurückfinden". Notwendig seien nun "Geduld, Disziplin und Kompetenz". Mit Blick auf die Kanzlerkandidaten-Debatte sagte Seehofer, erforderliche Personalentscheidungen sollten erst im nächsten Jahr fallen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%