Biedenkopf und Vogel halten Schäuble für einen geeigneten Kanzlerkandidaten
Merkel stellt sich in der „K-Frage“ der Südwest-CDU

Der Vorsitzende der baden-württembergischen CDU, Ministerpräsident Erwin Teufel, versucht die aufgeregten Gemüter zu beruhigen: "Alles, was zu der Sache zu sagen ist, sage ich am Freitag in Rust." Die "Sache" ist die leidige Frage um den Spitzenkandidaten der Union für die Bundestagswahl im nächsten Jahr, die den Parteitag der Südwest-CDU am Wochenende im südbadischen Rust überlagert. Den Delegierten liegt ein Antrag vor, der für Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber als Kanzlerkandidat plädiert und am Samstag ausgerechnet in Anwesenheit der CDU-Bundesvorsitzenden Angela Merkel diskutiert werden soll. "Schöner Schlamassel" kommentiert ein Regierungsmitglied die Lage.

pre/HB STUTTGART/BERLIN. Merkel will den Fehdehandschuh aufnehmen. Statt unmittelbar nach ihrer seit langem geplanten Rede zum nächsten Termin in Thüringen zu eilen, will sie sich nach der geballten Kritik aus dem Südwesten und den zahlreichen Stellungnahmen pro Stoiber nun der Aussprache über die K-Frage persönlich stellen. Für Furore hatte am Wochenende die Aufforderung des Präsidiums der Südwest-CDU an Teufel gesorgt, Merkel möglichst schnell zum öffentlichen Verzicht auf die Spitzenkandidatur zu bewegen. Dieser Beschluss datiert zwar schon vom 22. Oktober, dem Tag nach der CDU-Schlappe bei der Berlin-Wahl, wurde aber erst am vergangenen Wochenende bekannt.

Nach der aufgeflogenen Palastrevolte haben Teufel und seine Mitstreiter mit der Schadensbegrenzung alle Hände voll zu tun. Öffentliche Beiträge zum Personalstreit und zum Fahrplan der Nominierung sind tabu. Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Günther Oettinger, lässt sich nur noch entlocken, dass die Sache innerhalb des nächsten Vierteljahres entschieden sein muss, nicht aber beim Bundesparteitag Anfang Dezember.

Trotzdem findet die Südwest-CDU nicht zur Ruhe, weil immer mehr Leute aus der zweiten Reihe sich für Stoiber aussprechen. Der Bundestagsabgeordnete Andreas Schockenhoff, als CDU-Bezirkschef von Südwürttemberg Mitglied im Präsidium der Landespartei, war gestern der prominenteste Fürsprecher. Reihenweise votierten danach Landtagsabgeordnete für Stoiber oder aber für den früheren CDU-Chef Wolfgang Schäuble.

Teufel liegt mit Schäuble über Kreuz, seit der Südbadener ihn zu Gunsten von Annette Schavan aus der Spitze der Bundes-CDU gedrängt hatte. Allerdings genießt Schäuble bei Teilen der Parteibasis nach wie vor hohes Ansehen. Schavan, die als Merkel-Vize die Vorsitzende unterstützt, vermeidet jede öffentliche Stellungnahme. Aber auch sie könnte mit dem Kompromissvorschlag leben, über den die 400 Delegierten am Samstag abstimmen sollen: In diesem Text ist nicht mehr von Stoiber die Rede. Der Bundesvorstand wird darin lediglich aufgefordert, in Dresden "einen Vorschlag über das Nominierungsverfahren des Spitzenkandidaten zu machen".

Die CSU pochte am Dienstag auf die Aufstellung einer "Kernmannschaft", in der Unionspolitiker bestimmte Sachthemen mit ihrer Person verbinden sollen. Laut CSU-Generalsekretär Thomas Goppel sollte das Projekt Kernmannschaft schon bis zum Bundesparteitag vorangetrieben werden. Inzwischen hält auch Sachsens CDU-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf Schäuble für einen geeigneten Kanzlerkandidaten: "Schäuble ist, so hat es Bernhard Vogel formuliert, zweifellos geeignet." Thüringens Ministerpräsident hatte sich ähnlich geäußert.

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