Biedenkopf: "Unglaubliche Solidaritätserklärung der Bevölkerung"
Biedenkopf: König Kurt dankt ab

Mehr als elf Jahre hat Kurt Biedenkopf als CDU - Ministerpräsident die Geschicke des Freistaates Sachsen gelenkt. Mit seinem Rücktritt endet eine Ära. Selbst sein designierter Nachfolger Georg Milbradt ist sich in dieser Einschätzung mit Landes- und Bundespolitikern aller Couleur einig. Die Ära Biedenkopf steht für den Nachwende-Aufbau des Freistaates, für wiedergewonnenes sächsisches Selbstbewusstsein, aber auch für gesamtdeutsche Solidarität und Aufbau Ost. Mit Biedenkopf geht der dienstälteste Ministerpräsident im Osten.

dpa DRESDEN. So selbstbewusst, wie Biedenkopf 1989 dem Ruf nach Sachsen folgte, so selbstwusst blickt der 72-Jährige heute - trotz Affären und innerparteilichem Druck im letzen Amtsjahr - auf seine Zeit im Freistaat zurück. "Das letzte Jahr ist für mich abgehakt, da rede ich auch nicht mehr drüber", weist er fast gequält lächelnd Fragen zurück. Auch zu seinen Auseinandersetzungen mit dem einstigen Finanzminister Milbradt, der Biedenkopf gegen dessen Willen beerben wird, ist ihm nichts mehr zu entlocken: "Das hat die Partei entschieden, das werde ich nicht kommentieren." Er wendet sich lieber den aus seiner Sicht positiven Seiten seines vorzeitigen Abganges zu: der "unglaublichen Solidaritätserklärung der Bevölkerung".

Tatsächlich kann "König Kurt" - er hat diesen Spitznamen als liebevoll akzeptiert - auf viel Sympathie in der Bevölkerung verweisen. Selbst PDS-Anhänger meinen, er sei mit seinen Erfahrungen und Kontakten zur Wirtschaft für die Aufbaujahre in Sachsen genau der richtige Mann gewesen. Allerdings greift auch im Freistaat immer mehr die Erkenntnis, dass diese Zeiten vorbei sind. Inzwischen liegt im Freistaat die Arbeitslosenquote mit 18,8 % genau auf Ost- Mittelmaß und nur 1,5 %punkte über dem Schlusslicht-Land Sachsen-Anhalt.

Aus Sicht der CDU steht beim Blick zurück ganz oben die Tatsache, dass sie mit Biedenkopf drei Mal bei Landtagswahlen die absolute Mehrheit einfahren konnte. "Das muss erst mal einer nachmachen", schätzt CDU-Fraktionschef Fritz Hähle ein. Zum Verhängnis sei ihm jedoch geworden, dass sich in seinem Schatten nie ein Nachfolger profilieren konnte, urteilen Parteifreunde. Der Anfang 2001 darum ausgebrochene Streit war "der Anfang vom Ende der Ära Biedenkopf", meinte schon damals der frühere Innenminister Heinz Eggert. Hinzu kamen die Affären-Vorwürfe, die Biedenkopf erneut in die bundesweiten, diesmal aber negativen Schlagzeilen brachten.

Dass Biedenkopf all das nicht kampflos hinnahm, entsprach der Biografie des "Querdenkers" aus dem Westen. Er kämpfte, so wie er in den 70er und 80er Jahren in der Bundes-CDU als deren Generalsekretär und in Nordrhein-Westfalen als CDU-Chef kämpfte. Doch er unterlag wie einst, als er sich nach dem Zerwürfnis mit Parteivorsitzendem Helmut Kohl und Misserfolgen in seiner Heimat enttäuscht aus der Politik zurückgezogen hatte. In Sachsen konnte er trotz aller Gegenwehr seinen Widersacher Milbradt nicht verhindern, an den er nun den Staffelstab weiterreichen muss.

"Ich werde mit Sicherheit kein Pensionär sein", schaut Biedenkopf auf die nächsten Jahre. Er will vor allem seine Erfahrungen um den Aufbau im Osten weitergeben. Immerhin hatte er maßgeblich die Verhandlungen um den ersten Solidarpakt für die neuen Länder geprägt. Zu seinem Erfahrungsschatz gehören auch seine Beiträge zur Debatte um Rente und demographische Entwicklung. Zu diesen Themen will er sich weiter äußern. Wo der künftige Lebensmittelpunkt von Kurt und Ingrid Biedenkopf sein wird, dazu hat sich der geborene Ludwigshafener noch nicht abschließend geäußert. "Ich werde auf alle Fälle weiter für die Sachsen da sein."

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