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Bielefeld entzaubert Bremen 2:1

Aufsteiger Arminia Bielefeld mischt mit erfrischendem Offensivfußball weiter die Bundesliga auf und zwingt nun sogar Meister Werder Bremen, seine Saisonziele zu überdenken.

dpa BIELEFELD. Aufsteiger Arminia Bielefeld mischt mit erfrischendem Offensivfußball weiter die Bundesliga auf und zwingt nun sogar Meister Werder Bremen, seine Saisonziele zu überdenken.

"Wir müssen uns neu orientieren. Vielleicht sollte man nicht so viel nach oben schauen und rechnen, wie groß der Abstand ist, sondern sich mehr auf die Spiele konzentrieren", kritisierte Fabian Ernst nach der 1:2-Niederlage in Ostwestfalen. Der Nationalspieler, der Werder zum Saisonende verlassen wird, machte eine gefährliche Entwicklung beim Double-Gewinner aus: "Wenn man immer wieder entscheidende Fehler macht, kann man keine Spiele gewinnen."

Ähnlich ernüchternd fiel das Fazit von Klaus Allofs nach der vierten Ligapartie ohne Sieg aus. "Wir sind jetzt im Mittelfeld und müssen so schnell wie möglich die Fehler abstellen. Wenn man so einfach Tore gegen uns erzielen kann, ist das nicht gut", prangerte Werders Sportdirektor das zuletzt häufig beobachtete mangelhafte Defensiv-Verhalten an, das Fatmir Vata (45.) und Marco Küntzel (77.) nach blitzschnellen Kontern nutzten. Dabei war das zweite Tor eine Kopie des ersten. Top-Schütze Delron Buckley, der bis dato alle vier Heimtore erzielt hatte, glänzte vor 26 601 Fans als Vorbereiter mit tollen Pässen in den Rücken der Werder-Abwehr. Allofs ärgerte sich nicht nur über die Rote Karte für Nelson Valdez (88./Notbremse), sondern auch über die "geschenkten Tore": "Unser Blick geht nur zum Ball führenden Spieler, und der andere läuft hinten weg."

Thomas Schaaf war es zu einfach, die "verdiente Niederlage" in der Schüco Arena nur an der Abwehr festzumachen. "Das fängt vorne an. Da verlieren wir den Ball und können den Gegner nicht richtig stellen", so der Coach, der weitere Probleme ausmachte. "Der entscheidende Pass kam heute nicht. Und wir müssen daran arbeiten, unsere Chancen besser zu nutzen und effektiver zu spielen." Obwohl am Ende vier hochkarätige Stürmer auf dem Platz standen, traf nur Ivan Klasnic (83.). "Es fehlt an Durchschlagskraft", meinte Allofs.

"Aber wir haben die Chance es besser zu machen", sagte Schaaf mit Blick auf das Champions-League-Highlight gegen Inter Mailand. Doch der Meister wäre gut beraten, sich nicht nur auf sporadische Galaauftritte in der Königsklasse zu beschränken. Sonst droht ein weiterer Absturz. Vorsorglich plädiert Allofs schon mal für das "Eichhörnchenprinzip": "Bis Weihnachten müssen wir in der Bundesliga - möglichst unbeobachtet - fleißig Punkte sammeln."

Besonders emsig taten dies bisher die Arminen. 23 Punkte nach 14 Spieltagen, zwei Zähler mehr als Bremen - das ist aller Ehren wert. "Vor der Saison galten wir als Absteiger Nummer eins. Umso mehr freut es mich, dass wir schon so lange auf solch hohem Niveau mithalten können. Wir spielen im Moment den besten Fußball der Clubgeschichte", lobte Präsident Hans-Hermann Schwick Spieler und Trainer Uwe Rapolder, der in der Winterpause seinen Vertrag verlängern soll.

Bei dem ostwestfälischen Fußball-Märchen droht niemand abzuheben. "Unser Ziel bleibt der Klassenverbleib", betonte Schwick, und auch Rapolder, der "ausnahmsweise" in Patrick Owomoyela und Benjamin Lense zwei Spielern ein Sonderlob zukommen ließ, mag trotz Höhenflug und Platz sechs kein neues Ziel definieren. "Nicht bevor wir 40 Punkte auf dem Konto haben."

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