Bier-Geld in Afrika
Poker und Streit vor der WM-Endrunde

Rekordprämien für die US-Kicker, Bescheidenheit beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Streitereien in Afrika: Bevor bei der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan der Ball rollt, liefen die Herren Fußball-Profis an den Verhandlungstischen bereits zur Hochform auf.

sid NEUSS. Es wurde gepokert und bisweilen sogar gedroht - am Ende entlockten die Spieler ihren Verbandsbossen dann doch teilweise fürstliche Entlohnungen. Hin und wieder mussten allerdings Sponsoren einspringen, um die "Schlichtungsgespräche" zu erleichtern. Wieder einmal zeigten sich dabei die Amerikaner als besonders geschäftstüchtig. Für den WM-Titel könnte jeder Spieler umgerechnet bis zu 533.500 Euro einstreichen. Voraussetzung: Alle WM-Spiele, im Idealfall also sieben, müssten gewonnen werden. Inklusive der Gagen für die WM-Qualifikationsspiele wäre für einige WM-Fahrer sogar eine Gesamtsumme von knapp 577.000 Euro möglich. Allerdings: Bei der WM 1998 waren die Summen ähnlich hoch, ausgezahlt wurde fast nichts - die USA gewannen kein Spiel.

Der DFB lässt dagegen Vernunft walten. 92.000 Euro erhalten Oliver für den Titelgewinn - bei einem Ausscheiden in der Vorrunde gibt es gar nichts. "Bei uns steht das Leistungsprinzip im Vordergrund", erklärte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und lobte den Realitätssinn seiner Nationalspieler: "Die Gespräche fanden in einer äußerst harmonischen und sachlichen Atmosphäre statt." Immerhin bedeutet die ausgehandelte Maximal-Prämie eine Steigerung von 43 Prozent im Vergleich zum WM-Triumph von 1990 in Italien. Damals erhielten die DFB-Akteure umgerechnet 64.102 Euro pro Mann für den dritten Titelgewinn. Nicht viel schlechter erging es den Spielern 26 Jahre zuvor: Für den WM-Gewinn 1974 bekamen Franz Beckenbauer und seine Kollegen immerhin schon 30.770 Euro - sowie ein Käfer-Cabrio.

Fast schon mit Almosen ließen sich bislang die Spieler von Saudi-Arabien abspeisen. Von wegen Millionen-Prämien: Zunächst gab es für die "Wüstensöhne" nur knapp 19.000 Euro für die geglückte WM-Qualifikation. Verbands-Chef Prinz Sultan bin Fahid obliegt die Honorierung der WM-Vorstellung. Luxus-Karossen und erkleckliche Summen für die Beteiligten soll es bei würdigen Leistungen geben. Nicht lumpen lässt sich auch der englische Verband (FA). Umgerechnet knapp 310.000 Euro ist der Football Association der zweite Titelgewinn nach 1966 wert. "Das war ein faires Angebot", bilanzierte Kapitän und "Chef-Unterhändler" David Beckham nach den Verhandlungen, auch wenn die Summe nur knapp über seinem künftigen Wochengehalt bei Manchester United (ca. 260.000 Euro) liegt.

Zunächst nur um die Ehre spielen die Argentinier. Das Land ist pleite, der Verband ebenso. Nationaltrainer Marcelo Bielsa hat noch Gehalts-Außenstände von 540.000 Euro. Während der WM-Qualifikation haben die Spieler ihre Flüge sogar selbst bezahlt. Eine WM-Prämie bekamen sie nicht in Aussicht gestellt. Zwar nicht spitze, aber immerhin ein wenig mehr als beim Titelgewinn 1998 zahlt Weltmeister Frankreich bei einem neuerlichen Triumph. 268.310 Euro würde jeder Spieler der Equipe Tricolore beim einer erfolgreichen Titelverteidigung einstreichen. Vor vier Jahren flossen 244.275 Euro in die Taschen der Spieler. Die Belgier wären mit 175.000 Euro dabei, die Italiener mit 170.000 Euro, für einen fünten WM-Titel bekäme jeder Brasilianer 150.000 Euro.

Äußerst turbulent verlief der Prämien-Poker in Afrika. Die nigerianischen Fußballer etwa drohten sogar mit dem Boykott eines Länderspiels. Hintergrund war das Ausbleiben der 78.000-Euro-Gage für die geschaffte WM-Qualifikation. Ähnlich sah es beim Afrika-Cup aus, als über die Höhe der Reisekosten gezofft wurde. Entspannung brachte schließlich das Angebot einer irischen Brauerei, die der Mannschaft eine Titel-Prämie von 1,1 Millionen Euro zahlen will. Das identische Angebot erhielten auch Deutschland WM-Gegner Kamerun sowie Tunesien und der Senegal. Auch im Senegal hatte die erstmalige WM-Qualifikation schnell für Ärger gesorgt. Kaum war das Ticket für Asien gebucht, forderten die Spieler einen Aufschlag von 15.000 auf 40.000 Euro für ihre "Heldentat". Der angedrohte Boykott wurde schließlich erst zurückgezogen, als weitere Gelder für die Entwicklung des Fußballs im Senegal zugesagt wurden. Neue Zeiten scheinen dagegen in Russland angebrochen zu sein.

Der nationale Verband würde insgesamt 4,9 Millionen Euro und damit doppelt so viel wie der DFB ausschütten. Außerdem erhält nach jeder Partie der jeweils beste russische Spieler einen Porsche. Sieben der flotten Flitzer stehen schon bereit. Ein Luxusauto winkt auch auf den Akteuren des Co-Gastgebers Südkorea für das Erreichen des Achtelfinals. Gleichzeitig gibt es 106.600 Euro. Im Erfolgsfall würde dann weiterverhandelt. Trainer Guus Hiddink hat die Verhandlungen schon weiter getrieben. Rund 1,1 Millionen Euro erhielte er beim Titelgewinn. Generalstabsmäßig haben die Japaner die Prämien von Runde zu Runde durchgeplant: Für den Titel gäbe es schließlich 254.700 Euro pro Nase.

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