Biergeschäft läuft erstmals besser als in der Branche
Brau und Brunnen muss noch einige Hürden nehmen

Die Sanierung von Brau und Brunnen erweist sich erwartungsgemäß als schwierig. So wird das Planergebnis im laufenden Jahr verfehlt. Dennoch soll 2002 die Gewinnschwelle überschritten werden und der Konzern in spätestens eineinhalb Jahren wieder nachhaltig rentabel arbeiten. Dann fühlt sich die Gruppe auch allein stark genug.

kv DORTMUND. Beim seit längerem Not leidenden Getränke- und Immobilienkonzern Brau und Brunnen AG (BuB) sehen die Perspektiven wieder etwas freundlicher aus. Nach den Worten vom Vorstandschef Michael Hollmann hat sich der in den ersten neun Monaten aufgelaufene Verlust gegenüber der Jahresmitte verringert. Noch im September waren die Aktionäre wieder einmal geschockt worden, als der Vorstand trotz aller Sanierungsversprechen zur Jahresmitte einen gegenüber dem Vorjahr auf 40 (-18) Mill. DM gestiegenen Fehlbetrag meldete.

Genaue Zahlen wollte Michael Hollmann, seit Februar an der Spitze des zum Dauersanierungsfall gewordenen Konzerns, zwar noch nicht nennen. Doch allmählich, wenn auch noch nicht in vollem Umfang, zeige das Sanierungspaket seine Wirkung, sagte Hollmann im Gespräch mit dem Handelsblatt: "Wir stehen nach neun Monaten deutlich besser da als zur Jahresmitte."

Seit der Gründung vor rund 30 Jahren schreibt die mehrheitlich zur Hypo-Vereinsbank gehörende BuB rote Zahlen im Biergeschäft. Das wird nach Hollmans Worten auch im laufenden Jahr noch so sein. Das Planergebnis werde mit 35 Mill. DM bei den alkoholfreien Getränken und-2 bis 3 Mill. DM bei den Immobilien zwar erreicht, nicht aber beim Bier, wo-38 Mill. DM angesetzt waren. Der 20 %-ige Personalabbau sei zunächst nicht so schnell gelungen wie geplant, laufe jetzt indessen zügig. Das Einsparpotenzial bei den Kosten insgesamt, das Hollmann ab 2002 auf jährlich zwischen 25 und 40 Mill. DM beziffert, könne in diesem Jahr nur mit 10 bis 15 Mill. DM realisiert werden. Die durch zu starke Expansion in früheren Jahren auf 380 Mill. DM gestiegene Verschuldung ist inzwischen auf unter 250 Mill. DM gedrückt worden. Allerdings haben sich bei den Veräußerungen von nicht betriebsnotwendigen Immobilien Verzögerungen ergeben, so dass die Zinslast höher sein wird als geplant. Von den Immobilien im Wert von insgesamt 200 bis 230 Mill. DM seien inzwischen Grundstücke für 120 Mill. DM verkauft worden. Rund 80 bis 100 Mill. DM sollen in den nächsten sechs bis acht Monaten folgen. Buchgewinne seien aus den Veräußerungen indessen nicht in Sicht. Mit der Eigenkapitaldecke habe man derzeit keine akuten Probleme mehr.

Hollmann zeigt sich für 2002 zuversichtlich. Alle Braustätten sollen im Verlauf des Jahres die Gewinnschwelle überschreiten. "Von heute aus gesehen sind wir in ein bis anderthalb Jahren wieder rentabel", sagte Hollmann. Im kommenden Jahr liefen im Biergeschäft noch leicht rote Zahlen auf, während die alkoholfreien Getränke ihre gewohnt starke Rendite bringen sollen. Immobilien spielen dann keine Rolle mehr.

Erstmals seit Jahren läuft das Biergeschäft besser als bei der Konkurrenz. Der deutsche Bierabsatz, der nach den Prognosen der Marktforscher auch künftig um 1 bis 2 % jährlich schrumpfen dürfte, ist in den ersten neun Monaten 2000 um rund 2 % gefallen. Bei BuB waren es nur 1,5 % und bis Oktober 0,7 %. Deshalb sieht Hollmann sein Ziel in greifbarer Nähe, die Vorjahresmenge wieder zu erreichen. Eine Absatzstabilisierung ist nach Analystenmeinung eine Grundvoraussetzung, um den Konzern wieder in den Griff zu bekommen. Hollmann führt die ersten Erfolge nicht zuletzt darauf zurück, dass die einzelnen Brauereien ihr Geschäft eigenverantwortlich betrieben und die Spitzenmarken wie etwa Jever von höherer Werbung, aber auch neuen Besetzungen an der Spitze profitierten.

Von Ausverkauf ist inzwischen keine Rede mehr. Zur Disposition steht noch der Standort Iserlohn, für den ein Käufer gesucht wird. Darüber hinaus werden in Düsseldorf die Überkapazitäten deutlich gekappt. Dort soll eine kleinere Braustätte für den gesunkenen Bedarf entstehen. Was bisher als sicher galt, nämlich dass Brau und Brunnen nach der Sanierung verkauft werde, stellt Hollmann nun in Frage: "Warum sollten wir nicht allein stark genug sein?" Auf jeden Fall könne sich der Großaktionär bei der Suche nach einem neuen Großaktionär Zeit lassen. Denkbar sei auch der Verkauf des Aktienpaketes an einen Finanzinvestor.

An der Börse führen die Aktien des Unternehmens weiter ein Schattendasein. Der Kurs verharrt bei 18 Euro. Analysten, die sich mit Brau und Brunnen beschäftigen, sind kaum noch zu finden. Auf Grund der bisher vorliegenden Zahlen beurteilt Christoph Schlienkamp, vom Bankhaus Lampe, die Situation weiterhin zurückhaltend: "Wir glauben, dass es Brau und Brunnen nicht vor dem Jahr 2003 gelingen sollte, in die Gewinnzone zurückzukehren."

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