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Bierhoff als DFB-Auswahl-Manager im GesprächDPA-Datum: 2004-07-12 16:04:01

Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem unprofessionellen Führungsstreit im Präsidium und der Pleitenserie bei der Bundestrainersuche nimmt der Druck auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus dem Profibereich zu.

Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem unprofessionellen Führungsstreit im Präsidium und der Pleitenserie bei der Bundestrainersuche nimmt der Druck auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus dem Profibereich zu.

Mit der Forderung, die DFB-Auswahl unter dem Dach der Deutschen Fußball Liga (DFL) anzusiedeln und dem künftigen Trainer einen Manager zur Seite zu stellen, hat Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge eine neue Runde im seit Monaten schwelenden Machtkampf zwischen dem Verband und der Liga eingeläutet.

«Die Nationalelf muss dringend dem Profi-Fußball angegliedert werden. In der Nationalelf spielen Profis, deshalb sollte sie auch von einem Vertreter der Profis betreut werden», sagte Rummenigge in einem Interview des «kicker». Er forderte zudem eine drastische Verjüngung der Funktionärsriege im DFB, die er mit Hilfe einer Alterbegrenzung auf 65 Jahre durchsetzen will.

«Es muss Schluss damit sein, dass man bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag die Geschäfte führt», erklärte der Bayern-Vorstand, der mit massivem Widerstand aus den Reihen des Verbandes rechnet. «Beim DFB wird man sich mit Händen und Füßen gegen solche Reformen wehren», sagte Rummenigge, der beide Themen auf dem Bundestag am 22./23. Oktober in Osnabrück diskutieren möchte.

Liga-Präsident Werner Hackmann äußerte sich zurückhaltend zu den Reformvorschlägen Rummenigges. «Dies ist im Moment der Vorstoß eines Einzelnen und nicht die offizielle Position der DFL», sagte er der dpa. Weitere Kommentare lehnte er ab, doch die Stoßrichtung ist klar. Schon im Verlauf der Europameisterschaft hatte sich Hackmann mit DFB - Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder angelegt und dabei mehr Einfluss für die DFL gefordert.

Unterstützung erhielt Rummenigge von Franz Beckenbauer. «Wir müssen über neue Strukturen nachdenken. Der Bundestrainer braucht einen Nationalmannschafts-Manager, der ihm den Rücken frei hält», bekräftigte der DFB-Vizepräsident in einem Interview der «Bild»- Zeitung. «Vielleicht macht es der Reiner Calmund. Der könnte das und hat ja jetzt viel Zeit», sagte Beckenbauer.

Rummenigge brachte dagegen den ehemaligen DFB-Kapitän Oliver Bierhoff ins Gespräch. «Ich halte ihn für einen idealen Mann. Er hat eine sehr gute Entwicklung hinter sich, tritt stilvoll auf, diplomatisch, höflich geschickt; und er spricht mehrere Sprachen. Bierhoff könnte das Nationalteam im Auftrag der Liga betreuen», sagte Rummenigge.

Bierhoff reagierte zwar überrascht, nannte den Manager-Posten aber «eine interessante Aufgabe, die ich mir vorstellen könnte». Auch ihm ist die große Unzufriedenheit der Bundesligavereine über die Außendarstellung des deutschen Fußballs durch die Nationalmannschaft nicht entgangen. Er sei bereit, sich künftig einzubringen. Als Aufgaben für einen Manager nannte der Europameister von 1996 an erster Stelle den professionelleren Umgang mit Sponsoren und Fans.

Als neuen Bundestrainer empfahl Bierhoff den Franzosen Arsene Wenger. «Ich würde mehrmals bei ihm nachfragen», sagte der 36-Jährige. Laut Beckenbauer hat es bislang noch keine offizielle Anfrage bei dem Deutsch sprechenden Elsässer gegeben. «Er ist von uns nicht kontaktiert worden», sagte der Kopf der Trainerfindungskommission (TFK), die sich nach der Absage von Otto Rehhagel in den kommenden Tagen auf einen neuen Kandidaten festlegen will. Allerdings habe ihm Wenger am Rande der EM bestätigt, dass er bis 2005 beim englischen Meister Arsenal London unter Vertrag steht. «Da brauchen wir gar nicht mehr weiterreden», meinte Beckenbauer.

Offenbar hat sich die DFB-Spitze damit abgefunden, bis zum Länderspiel gegen Österreich am 18. August in Wien keinen Nachfolger für Rudi Völler präsentieren zu können. «Wenn es bis dahin keinen gibt, wird man eine Übergangslösung finden. Beim DFB sind ja eine Reihe von tüchtigen Leuten da. Ich halte das nicht für sehr wichtig», sagte Beckenbauer, der die Turbulenzen im DFB als Schlammassel auch im Hinblick auf die WM 2006 bezeichnete.

Gerhard Mayer-Vorfelder wollte angesichts des Dilemmas selbst eine kurzzeitige Rückkehr von Völler nicht mehr ausschließen. «Da gibt es noch keine Signale. Er müsste zumindest die Bereitschaft signalisieren. Seit 10. Juli besteht eine neue Situation, da sind alle Möglichkeiten denkbar», sagte der DFB-Präsident dem «kicker».

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