Bierpreiserhöhungen sollen die Erträge der Branche aufbessern
Brauer mixen für neue Zielgruppen

Die deutschen Brauer tun sich mit Produktinnovationen seit eh und je schwer. Vor mehr als zehn Jahren brachten sie Leichtbiere auf den Markt, woraus ein Flop wurde. Nun haben sie zur Welternährungsmesse Anuga die Biermixgetränke als vermeintliches Trendprodukt entdeckt.

kv KÖLN. Zwei Themen interessieren Aussteller und Besucher der Bierhalle auf der Kölner Anuga besonders. Zum einen die Bierpreiserhöhung, bei der Marktführer Warsteiner im Frühjahr notfalls allein vorangehen will, zum anderen der Vormarsch der Biermixgetränke, der fast allerorten zu erkennen ist.

Frank Spitzhüttl, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb der Warsteiner Brauereihaus Cramer, will nicht verhehlen, dass die Einführung des Euros einen Handlungsbedarf für die Brauer bringt. Bei den Spitzenmarken pendelt der Preis in sich wieder häufenden Aktionen derzeit bei 19,98 DM je 20er-Kiste. Nach der Umstellung auf die europäische Währung würde er 10,22 Euro entsprechen. Das ist nach Spitzhüttls Worten allerdings eine Größenordnung, die erfahrungsgemäß nicht verbrauchergerecht ist. Der Handel würde wahrscheinlich auf die gängigere Größe von 9,98 Euro gehen.

Mit der Preiserhöhung, die auch von anderen Brauereien durchgezogen werden soll, so war auf der Anuga zu hören, soll ein "Eckpreis" von 10,99 Euro etabliert werden. Spitzhüttl muss allerdings zugestehen, dass die letzte Preiserhöhungsrunde von Mitte 2000, die im Vorfeld der Währungsumstellung ein ähnliches Ziel hatte, wenig erfolgreich war. Die Aktionspreise blieben unter der magischen 20-DM-Marke.

Nachdem sich der Biertrinker jahrzehntelang sein Bier je nach Bedarf mit Cola oder Zitronenlimonade selbst gemischt hatte, hatte zunächst die Henninger-Bräu mit ihrem Radler auch auf Mixgetränke gesetzt. Den Durchbruch brachte allerdings die Karlsberg-Brauerei mit ihrem poppig aufgemachten Mixery. In den Spezialmärkten folgte die Privatbrauerei Frankenheim mit einem Altbier/Cola-Mix. Die überraschenden Erfolge der neuen Marken rufen nun fast überall weitere Brauer auf den Plan, deren Phantasie keine Grenzen gesetzt sind.

Zielgruppen sind junge Leute bis zu 30 Jahren. "Wir haben uns in Geschmack und Sortenauftritt ganz nah am Zeitgeist der jungen Zielgruppe orientiert", sagt Volker Kuhl, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb bei der Brauerei C. & A. Veltins. Veltins kommt gleich mit Cola- und Lemon-Mix auf den Markt.

Kuhl verweist darauf, dass die Absätze der Mixgetränke im vergangenen Jahr um 27 % nach oben schnellten und auf dem nordrhein-westfälischen Markt sogar um 74 %. Das Getränk besteht zu 60 % aus Veltins Pilsener. Der Rest ist Limonade. Dadurch wird ein Alkoholgehalt erreicht, der im Grunde genau den Leichtbieren entspricht, die vor mehr als zehn Jahren zuerst auf den Markt kamen.

Die deutschen Brauer tun sich mit Produktinnovationen seit eh und je schwer. Vor mehr als zehn Jahren brachten sie Leichtbiere auf den Markt, woraus ein Flop wurde. Nun haben sie zur Welternährungsmesse Anuga die Biermixgetränke als vermeintliches Trendprodukt entdeckt.

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