Bieterfrist läuft morgen ab
Zukunft der Ost-Strombranche weiter offen

Eigentlich sollte am Mittwoch das stabile Gerüst eines schlagkräftigen Nordost-Versorgers stehen. Nach der Bewag wird aber nun auch um die Veag gestritten.

Reuters BERLIN. Eigentlich sollte am Mittwoch das stabile Gerüst eines schlagkräftigen Nordost-Versorgers stehen. Doch keiner der am Bau beteiligten Konzernchefs kann zufrieden sein. Zwar will der Berliner Senat seinen Widerstand gegen einen Verkauf der Bewag voraussichtlich an diesem Tag per Vertrag aufgeben. Doch damit ist weder die Bewag-Zukunft noch die der ostdeutschen Versorger und Braunkohleförderer geklärt. Denn am 15. November Punkt 17.00 Uhr läuft zudem die Frist für ein gemeinsames Gebot der Konzerne für die angeschlagene Veag ab. Nach der Bewag wird aber nun auch um die Veag gestritten.



Senat zieht Verfügung zurück

Das Dilemma zeichnete sich bereits im August kurz nach dem geplanten Coup der Hamburgischen Electricitätswerke (HEW) und von Eon ab. Eon wollte seine Bewag-Anteile an die HEW verkaufen und damit die Hamburger zum Bewag-Eigner machen. Anschließend sollten dann HEW/Bewag gemeinsam die Veag und den Braunkohleförderer Laubag übernehmen. Unter dem Dach des schwedischen HEW-Großaktionärs Vattenfall wäre mit Vattenfall/HEW/Bewag/Veag/Laubag die vierte Kraft auf dem deutschen Strommarkt gezimmert.

So der Plan. Doch man fragte weder den Berliner Senat noch den Bewag-Mehrheitseigner Southern Energy. Beide erreichten unter Hinweis auf den Bewag-Privatisierungsvertrag vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen den Verkauf des Versorgers. Nach zähen Verhandlungen und einigen Zusagen zieht der Senat die Verfügung nun zurück - vor allem aus Angst vor einer Isolierung der Bewag.



Eon will seine Anteile offenbar ebenfalls verkaufen

Denn in Branchenkreisen gilt es als sicher, dass Eon seine Anteile an Veag und Laubag ebenfalls an die HEW verkaufen will. Dies sei schon in den Gesprächen mit Eon-Vorstandschef Hans-Dieter Harig mit dem Berliner Senat und den Chefs von Vattenfall/HEW besprochen worden. Darauf deutet hin, dass schon vertraglich geregelt wurde, den Sitz des Nordost-Versorgers in Berlin einzurichten. Außerdem wollen Vattenfall/HEW den Amerikaner von Southern Energy eine Sperrminorität von 25,1 % an dem neuen Konzern einräumen - für den Fall eines Zuschlags bei Veag/Laubag, wie es heißt.

Die Offerten machen durchaus Sinn: Blockiert Southern weiter den Verkauf der Bewag, dann fehlt Vattenfall/HEW und Veag/Laubag ein entscheidender Baustein im neuen Konzern. Denn die Bewag hat einen Stamm von rund zwei Mill. Kunden und ist einer der größten Kunden der Veag. Ohne Bewag hätte der neue Konzern zwar riesige Erzeugerkapazitäten, aber der Absatzmarkt wäre zu klein. Umgekehrt wären auch Bewag/Southern Energy zu schwach für den europäischen Strommarkt.

Da Southern aber bislang alle Angebote abgelehnt hat und selber mit der Bewag für Veag/Laubag bieten will, ist kein Ende der verfahrenen Situation abzusehen. Auf einen langwierigen Gerichtsstreit mit ungewissem Ausgang will es zwar keiner der Beteiligten ankommen lassen, gepokert wird aber weiter. Besonders für die Veag ist das unangenehm: Der angeschlagene Versorger hat zwar den modernsten Kraftwerksparkt Europas aufgebaut, sitzt deswegen aber auch auf gewaltigen Schulden. Wegen der Überkapazitäten und dem Preiskampf auf dem Strommarkt büßte die Veag in den ersten neun Monaten dieses Jahres ein Viertel ihres Umsatzes ein. An der Veag hängt wiederum praktisch die gesamte ostdeutsche Braunkohleindustrie mit vielen Tausend Arbeitsplätzen. Deshalb hat sich auch die Bundesregierung eingeschalte. Das Bundeswirtschaftsministeriums hat bei einem Verkauf zur Bedingung gemacht, das der Käufer mindestens 50 Terrawattstunden Strom pro Jahr aus Braunkohle erzeugen muss. Damit soll verhindert werden, dass ein neuer Eigner Braunkohlekraftwerke schließt.

Bis zum 13. Dezember, dem Verkaufsdatum für die Veag müssen Konzerne und Politik nun Southern Energy zum Einlenken bewegen. Andernfalls würde das Gerüst einer starken vierten Kraft auf dem deutschen Strommarkt einstürzen, bevor mit dem Bau begonnen wurde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%