Bieterkonsortium wirbt um Sony
Bauer sieht im Fall Kirch kein Kartellproblem

Der Zeitschriftenriese Bauer glaubt alle Steine aus dem Weg geräumt zu haben, um die Kirch Media zu übernehmen. Bis spätestens Mitte Dezember soll der Kaufvertrag unter Dach und Fach sein. Das Geld stehe bereit.

DÜSSELDORF. Deutschlands größter TV-Zeitschriftenverlag Bauer geht die geplante Übernahme der größten deutschen Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 Media AG gelassen an. "Wir gehen kein Risiko ein. Kartellrechtliche Probleme sehen wird nicht", sagte Konzernsprecher Andreas Fritzenkötter. Sollte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) die Kirch-Übernahme prüfen, sehe man dem entspannt entgegen. "Rechnet man die Regional- und Fensterprogramme heraus, liegt unser Anteil am deutschen Fernsehmarkt bei rund 25 Prozent", sagte der Bauer-Sprecher am Donnerstag.

"Nach einem Kaufvertrag wird die KEK die neuen Verhältnisse auf alle Fälle prüfen. Das ist vorgeschrieben", sagte KEK-Vorsitzender Prof. Peter Mailänder dem Handelsblatt. Wenn der größte deutsche Zeitschriftenverlag zur größten deutschen Fernsehgruppe komme, werfe das konzentrationsrechtliche Fragen auf.

Die 1997 gegründete KEK beurteilt die Veränderungen der Beteiligungsverhältnisse an Fernsehsendern. Eine marktbeherrschende Stellung wird dann vermutet, wenn ein Konzern im Jahresdurchschnitt einen Zuschaueranteil von 30 % erreicht. Die Medienwächter fürchten im Fall Bauer einen Verbund zwischen Sender und Fernsehzeitschriften. Bauer ist besonders im Bereich der TV-Programmblätter (TV Movie, TV Hören und Sehen, Fernsehwoche) stark.

"Eine weitere Schwierigkeit würde die Beteiligung an RTL 2 darstellen", sagte Mailänder. Bauer hingegen will auch nach einem Einstieg bei Kirch Media seinen Anteil von 31,5 % an der RTL 2 Fernsehen GmbH & Co. KG, Grünwald, nicht aufgeben. Schon lange hat Europas größter Fernsehkonzern, RTL Group, ein Auge auf diesen Anteil geworfen. "Wir haben schon immer gesagt, dass wir unseren Anteil an RTL 2 erhöhen wollen", sagte gestern ein RTL-Sprecher in Luxemburg. In Branchenkreisen wird davon ausgegangen, dass Bauer seinen Anteil an dem lukrativen Sender auch deshalb nicht verkaufen möchte, weil die Preise im Fernsehmarkt an einem Tiefpunkt angelangt sind.

Bauer und sein Finanzpartner HypoVereinsbank haben am Mittwoch den Zugriff auf die Kirch Media mit der Filmbibliothek und den TV Sendern Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N 24 erhalten. Bauer und Kirch Media bestätigen übereinstimmend, dass der Kaufvertrag bis spätestens Mitte Dezember unterzeichnet werden soll. Ob das Hollywood-Studio Sony Pictures - Tochter des japanischen Elektronikriesens Sony - noch hinzukommt, ist offen. "Wir befinden uns in sehr guten Gesprächen mit Sony", sagte Fritzenkötter gestern. Aus Sicht des Hamburger Verlags wäre die Filmtochter aus strategischen Gründen ein idealer Partner. Ein Hollywood-Gesellschafter würde vor allem dem Spielfilmkanal Pro Sieben unter die Arme greifen.

Ein weiterer Vorteil einer Sony-Beteiligung wäre, dass Bauer und Hypo-Vereinsbank nicht alleine die Finanzierung übernehmen müssten. Nach Brancheninformationen liegt der Preis für die Kerngesellschaft des einstigen Kirch-Imperiums zwischen 1,8 und 2 Mrd. Euro. Eine Entscheidung soll innerhalb der nächsten zwei Wochen fallen. Bauer gibt sich gelassen, selbst wenn Sony absagt. "Das Geld steht zur Verfügung", sagte Fritzenkötter gestern. Die Commerzbank als Hausbank sei nicht involviert. Zu weiteren Details wollte sich der Verlag nicht äußern.

Bauer gilt in der Branche als besonders renditestark. Mit ihren 116 Zeitschriften in zwölf Ländern ist der Hamburger Verlag von der Anzeigenkrise weniger stark betroffen als Mitbewerber. Die meisten Titel finanzieren sich vor allem über den Verkaufspreis.

Ob der neue Gesellschafter Bauer Veränderung im Management plant, ist offen. Die Pro Sieben Sat 1 Media AG unter Führung des Vorstandschefs Urs Rohner wollte sich zu anstehenden Veränderungen im Gesellschafterkreis nicht äußern. Zu Kirch Media gehören 52 % der Pro Sieben Sat 1 sowie Europas größter Filmrechtehandel mit rund 15 000 Filmen und 41 000 Serien-Stunden. Der Konzern hatte Anfang April Insolvenz anmelden müssen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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