Bietverfahren für Telekom-Kabel
Liberty wahrscheinlich aus dem Rennen

Das US-Medienunternehmen Liberty Media ist Angaben aus Branchenkreisen zufolge nicht mehr am Bietverfahren für die zum Verkauf stehenden Kabelnetze der Deutschen Telekom beteiligt.

Reuters FRANKFURT/M. Aus den Kreisen verlautete am Mittwoch, Liberty Media gehöre keinem der bevorzugten fünf internationalen Konsortien an, mit denen die Telekom nach Durchsicht der ersten unverbindlichen Offerten nun eingehende Verkaufsverhandlungen führt. Grund sei, dass Liberty Media bislang keine grundsätzliche Änderung seiner geplanten Geschäftsstrategie beim Kabel-TV gegenüber dem Bundeskartellamt bekundet habe. Ohne Änderungen an den Geschäfts- und Investitionsplänen seien die Aussichten gering, im zweiten Anlauf eine Genehmigung der Behörde zu erhalten.

Ein Sprecher der Telekom lehnte einen Kommentar ab. Bei Liberty Media war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Auch mit der Deutschen Bank führt die Telekom den mit der Situation vertrauten Kreisen zufolge keine Verhandlungen über den Kabelnetz-Verkauf. Die Bank gehöre ebenfalls keinem der von der Telekom bevorzugten Konsortien an. In Medienberichten war die Deutsche Bank wiederholt als Interessent für das TV-Kabelgeschäft der Telekom genannt worden, um das eigene Geschäft der Kabelnetz-Tochter Telecolumbus zu erweitern. Zuletzt hatte die Bank Presseberichten zufolge lediglich an einzelnen Netzen in Norddeutschland Interesse gezeigt.

Die Telekom hatte am Montag mitgeteilt, nur den Komplettverkauf der verbliebenen sechs Kabelnetzregionen in Ost- und Norddeutschland sowie Bayern und Rheinland-Pfalz weiter verfolgen zu wollen. Von den neun eingegangenen unverbindlichen Angeboten seien fünf Offerten von internationalen Konsortien für weitere Verhandlungen ausgewählt worden. In Telekom-Kreisen hatte es geheißen, "überraschenderweise" bestehe überwiegend Interesse an der Übernahme aller sechs Regionen. Die Kabelnetze Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen mit zusammen rund acht Millionen Kunden sind bereits mehrheitlich an die Investmentgesellschaften Klesch sowie Callahan veräußert worden.

Mit dem Komplettverkauf der restlichen Regionen mit rund zehn Millionen Kunden an Liberty Media für 5,5 Milliarden Euro war die Telekom im Februar am Einspruch des Bundeskartellamts gescheitert. Die Behörde hatte von dem US-Medienkonzern Liberty verlangt, dass die im Zuge einer Übernahme erlangte Macht auf dem Medienmarkt durch den Ausbau des Kabelnetzes als Infrastruktur für Internet und Telefonie kompensiert werden müsse. Liberty hatte jedoch einen schnellen multimedialen Ausbau abgelehnt. Die Telekom hatte wegen des Zahlungsausfalls aus dem schon sicher geglaubten Geschäft ihren Schuldenabbauplan gestreckt und erstmals ihre Dividende um 40 Prozent gekürzt.

Aus den Branchenkreisen verlautete weiter, die Chancen der Telekom im zweiten Bietverfahren einen Käufer für die sechs Kabelgesellschaften im Paket zu finden, seien gestiegen. Im ersten Bietverfahren im Jahr 2001 sei nur Liberty bereit gewesen, das Netz im Paket zu kaufen. Nun gebe es immerhin fünf Interessenten.

Die Nicht-Berücksichtigung von Liberty Media kommt überraschend, da auch in Telekom-Kreisen der US-Konzern noch vor wenigen Wochen als Bieter genannt worden war. Liberty Media habe sein Interesse am Kabelnetz immer wieder betont, um mit dem direkten Markteinstieg in Deutschland seine europäischen Kabelaktivitäten bei UPC und Telewest auszubauen, hatte es geheißen. Der jüngsten Analyse von Merrill Lynch zufolge verfügt Liberty über Barreserven von 2,3 Milliarden Dollar bei einer Verschuldung von 6,3 Milliarden Dollar. Deutschland ist in Europa der größte Kabel-TV-Markt.

In den Branchenkreisen hieß es, gegen eine weitere Berücksichtigung von Liberty Media spreche vor allem, dass das Bundeskartellamt voraussichtlich erneut Zugeständnisse für die angenommene Verschlechterung der Bedingungen auf dem Medienmarkt einfordern werde. Da Liberty ebenso wie die Behörde keine Änderung der bisherigen Haltung zu erkennen gegeben habe, seien die Verhandlungen mit den fünf Konsortien aussichtsreicher als mit dem US-Konzern. Analysten hatten darauf spekuliert, dass Liberty Media möglicherweise in einem zweiten Anlauf gemeinsam mit Partnern biete, um das Kartellamt zu besänftigen.

Die von der Telekom bevorzugten Bietern können in den kommenden Wochen die Geschäftsunterlagen der Kabelgesellschaften eingehend prüfen und müssen bis Ende September verbindliche Angebote abgeben. Die Telekom geht davon aus, die Kabelnetze noch in diesem Jahr verkaufen zu können. Den Verkaufserlös soll für den Abbau der Verschuldung auf 50 Milliarden Euro zum Jahresende 2003 von derzeit 67 Milliarden Euro genutzt werden. Analysten hatten zuletzt geschätzt, dass die Telekom zwischen zwei bis 4,5 Milliarden Euro für die Netze erlösen könne.

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