„Big Brother“ bald im T-Online-Portal zu sehen
Analysten: Mehr Geduld mit T-Online

T-Online setzt auf europäische Expansion, Flatrates und E-Commerce. Den Anlegern dauern die Fortschritte zu lange - der Kurs sinkt weiter. Die Analysten raten zu mehr Geduld: Die Strategie sei erfolgversprechend.

DÜSSELDORF. Die Analysten sind mit der Geschäftsentwicklung von T-Online zufrieden. Die Zahlen "seien gut, aber auch nicht außergewöhnlich", meint Fabrice Farigoule vom Bankhaus Metzler. "Das Geschäftsmodell ist gut", sagt er. Zwar sehe er das Problem, dass die Minutenpreise und der Internetzugang allgemein immer günstiger werden, aber Deutschlands führender Online-Provider erreiche mit Flatrate-Modellen eine gute Kundenbindung.



Preiskampf belastet



Michael Steib vom Investmenthaus Morgan Stanley Dean Witter in London sieht das kritischer. Seiner Meinung nach hat das Unternehmen bei den Umsatzzahlen geschickt die Werte des ersten und zweiten Quartals zusammengefasst. Eine große Steigerung gelang nur im ersten Quartal. Im zweiten Quartal sei der Umsatz nur noch um 5 Mill. Euro gestiegen. Grund sei eben der aggressive Preiskampf auf Deutschlands Onlinemarkt.



Derzeit bietet T-Online den Kunden einen DSL-Anschluss (Technik mit der Daten mit 768 kbit/s vom Internet auf den PC geladen werden können) inklusive Flatrate für 110 DM im Monat an. Bei solchen Preisangeboten sinkt folglich der Umsatz pro Kunde.



Für kriegsentscheidend halten alle Analysten, dass es T-Online in nächster Zeit gelingen muss, die Expansion in andere europäische Länder voranzutreiben. Der Internetanbieter hat bereits in Frankreich und Österreich Fuß gefasst und hat jetzt Großbritannien, Italien und Spanien im Visier.



Südeuropa attraktiv



Für den Analysten Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin ist gerade der Markt in Italien und Spanien attraktiv. "Ein Start-up in Spanien, vielleicht unter dem Namen T-Online-Espagna würde Sinn machen." In diesen südlichen Ländern ist noch ein großes Potenzial, weil die Nutzung dort sehr gering ist. In jedem Fall sei die Internationalisierung ein notwendiger Schritt: "Vielleicht gibt es auch eine Ausweitung nach Osteuropa", so Hallmann.



Der Experte von der Bankgesellschaft Berlin sieht seine Prognosen über die Zahlen von T-Online bestätigt: "Wir hatten den Umsatz auf 359 Mill. Euro geschätzt, 353 Mill. Euro sind es geworden. Die Zahlen sind also fast deckungsgleich mit unserer Einschätzung." Aus diesem Grund sieht der Analyst auch keinen Grund, sich von der "Akkumulieren"-Einschätzung der T-Online-Aktie zu lösen.



Skeptischer ist Michael Steib von der Bank Morgan Stanley. Ihm macht Sorgen, dass T-Online immer noch 90 % des Umsatzes über das Internetzugangsgeschäft macht. Nur 10 % würden durch E-Commerce und Werbung erzielt. Die Anleger werden seiner Meinung nach langsam unruhig.



"Wir warten seit dem IPO darauf, dass sich T-Online hier bewegt", sagt Steib. Die Kassen seien gut gefüllt. Mit 4 Mrd. Euro lasse sich eine Verbesserung des Content-Bereiches finanzieren, meint der Analyst.



T-Online setzt auf "Big Brother"



"Mehr Geduld" fordert Farigoule vom Bankhaus Metzler. Er schätzt, dass in 3 Jahren 20 % des Umsatzes mit Werbung und E-Commerce gemacht wird. Deutschland sei ein guter Markt, weil er nicht so preisempfindlich sei. Die Nutzer akzeptieren die im internationalen Vergleich hohen Onlinekosten. Er empfiehlt die Aktie mit "buy".



Dass die T-Online-Aktie ihren Weg gehen wird, meint auch Hallman. "Selbst wenn 2-3 Jahre lang Verluste in der momentanen Größenordnung gemacht werden, besteht für die Aktie keine Gefahr", beruhigt er die Anleger. Mit Spannung sieht er einem Medienereignis im September entgegen: Die zweite Staffel der erfolgreichen RTL2-Sendung "Big-Brother" kann mit aus Kameraperspektiven live im deutschen T-Online-Portal verfolgt werden. Dies könne dem Kurs Auftrieb geben.

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